1 Einleitung
Den Konzepte und Methoden Sozialer Arbeit kommt im Gesundheitsbereich unterschiedlich viel Bedeutung zu, vergleichbar mit dem Stellenwert, den soziale Arbeit innerhalb der verschiedenen Bereiche der Gesundheitsarbeit unter der Hierarchie der dort vertretenen Berufsgruppen innehat.
Am problematischsten gestaltet sich die Etablierung effektiver und
professioneller Sozialer Arbeit mit Schlüsselfunktionen in den Institutionen des Gesundheitswesens, wie Krankenhäusern, Rehakliniken, öffentlichem Gesundheitsdienst, Hospiz, Pflege, Suchthilfe und -prävention etc. (vgl. Franzkowiak/Kuhn 2009, S.9).
Soziale Arbeit agiert dort eher in Assistenzbereichen, da ihre Positionen und Gesundheitskonzepte kaum vereinbar sind mit den Zielen und Methoden der traditionellen medizinischen Prävention, Kuration, Rehabilitation und Pflege. (vgl. ebd.) Dementsprechend schwierig ist es, in diesen Bereichen echtes Empowerment entstehen zu lassen, Hospitalisierung, Institutionskontrolle und Expertentum entgegenzuwirken. In dieser Arbeit möchte ich jedoch den äußerst erfolgreichen und in einer Schlüsselrolle innerhalb des Gesundheitswesens agierenden Bereich der sozialpädagogischen Gesundheitsförderung und die Bedeutung, die dem Ansatz des Empowerments in diesem Bereich zukommt vorstellen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Entstehung der Gesundheitsförderung
3 Handlungsfelder der Gesundheitsförderung
4 Empowerment – ein strategischer Schlüsselpunkt der Gesundheitsförderung
4.1 Ziele von Empowermentprozessen:
4.2 Handlungsebenen von Empowerment
4.3 Empowerment und Salutogenese
4.4 Determinanten von Gesundheit
4.5 Zwischenfazit: Empowerment im Bereich der Gesundheitsförderung
5 Kritik, Grenzen
5.1 Überforderung von Hilfesuchenden
5.2 Unbestimmtheit des Konzepts
5.3 Weltfremdheit des Empowermentkonzepts in Bezug auf Partizipation und Machtverteilung
5.4 Institutionelle Grenzen
5.4.1 Sparzwang
5.4.2 Defizitsicht und Trägheit
5.5 Gefährdung der Integrität
6 Anforderungen an Gesundheitsförderer
6.1 Selbstreflexivität und „sharing power“ (Gutierrez u.a 1995. In Herriger 2006, S.209)
6.2 Prozesskompetenzen
6.3 Interdisziplinäre Kompetenzen
7 Umsetzung in Modellen guter Praxis
7.1 MIGES – MIgrantinnenGESundheit
7.2 Projekt Kiezdetektive in Berlin-Friedrichshain
8 Fazit:
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Bedeutung und praktische Anwendbarkeit des Empowerment-Konzepts im Kontext der sozialpädagogischen Gesundheitsförderung, um Patienten von passiven Empfängern zu aktiven Mitgestaltern ihres Gesundheitsprozesses zu entwickeln.
- Grundlagen und Entstehung der modernen Gesundheitsförderung
- Die Rolle von Empowerment als zentrales Strategieelement
- Kritische Analyse von Grenzen und Herausforderungen des Konzepts
- Anforderungsprofile für Fachkräfte in der Gesundheitsförderung
- Analyse praktischer Modellprojekte zur Gesundheitsstärkung
Auszug aus dem Buch
4.1 Ziele von Empowermentprozessen:
Empowerment-Interventionen haben folgende Zielsetzungen:
1. Motivation: „positives und aktives Gefühl von ‚in der Welt sein‘“ (Stark 1996, S.221)
2. Handlungskompetenz: „Entwicklung von Fähigkeiten, Strategien und Ressourcen zur aktiven und gezielten Gestaltung individueller wie auch gemeinschaftlicher Ziele.“ (ebd.)
3. Emanzipation: „Erwerb von Wissen und Kompetenzen, sowohl für ein kritisches Verständnis der sozialen und politischen Verhältnisse, wie auch der sozialen Umwelt.“ (ebd.)
In den Aspekten der Aktivierung, Teilhabe und Emanzipation des Klienten liegt eine der besonderen Stärken von Empowerment. Das Konzept verringert das Machtgefälle zwischen Helfer und Klient. Professionelle geben Macht ab, um "einen Prozeß zu ermöglichen und anzustoßen, durch den KlientInnen (persönliche, organisatorische und gemeinschaftliche) Ressourcen erhalten, die sie befähigen, größere Kontrolle über ihr eigenes Leben (…) auszuüben und gemeinschaftliche Ziele zu erreichen" (Stark, 1996, S.118f)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Problematik der Integration von Empowerment in traditionelle medizinische Settings.
2 Die Entstehung der Gesundheitsförderung: Historischer Rückblick auf die Ottawa-Charta und die Entwicklung gesundheitsförderlicher Konzepte.
3 Handlungsfelder der Gesundheitsförderung: Definition der zentralen Handlungsbereiche basierend auf den Prinzipien der Gesundheitsförderung.
4 Empowerment – ein strategischer Schlüsselpunkt der Gesundheitsförderung: Theoretische Herleitung von Empowerment als Instrument zur Kompetenzstärkung und Salutogenese.
5 Kritik, Grenzen: Auseinandersetzung mit systemischen, institutionellen und ethischen Barrieren des Konzepts.
6 Anforderungen an Gesundheitsförderer: Darstellung notwendiger Kompetenzen wie Selbstreflexivität und Prozessorientierung.
7 Umsetzung in Modellen guter Praxis: Analyse konkreter Projekte zur Verdeutlichung gelungener Empowerment-Ansätze.
8 Fazit:: Zusammenfassende Bewertung der Relevanz von Empowerment in der zukünftigen sozialen Arbeit und Gesundheitspolitik.
Schlüsselwörter
Empowerment, Gesundheitsförderung, Salutogenese, Sozialpädagogik, Partizipation, Selbstbestimmung, Machtgefälle, Gesundheitswesen, Ottawa-Charta, Ressourcenstärkung, Interdisziplinarität, Prozesskompetenz, Soziale Arbeit, Prävention, Klientenorientierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die theoretische Bedeutung und praktische Umsetzung des Empowerment-Konzepts innerhalb der sozialpädagogischen Gesundheitsförderung.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zu den Schwerpunkten zählen die Entstehung der Gesundheitsförderung, die theoretischen Säulen von Empowerment, systemische Grenzen sowie Anforderungen an Fachkräfte.
Was ist das primäre Ziel dieser Untersuchung?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Klienten durch Empowerment befähigt werden können, mehr Kontrolle über ihre Gesundheit zu erlangen und als aktive Akteure im Gesundheitssystem aufzutreten.
Welche wissenschaftlichen Ansätze oder Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse des Empowerment-Konzepts, der Salutogenese nach Antonovsky und der Auswertung von Praxisbeispielen zur Gesundheitsförderung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert untersucht?
Der Hauptteil analysiert die Handlungsebenen von Empowerment, kritische Barrieren wie institutionelle Sparzwänge sowie die notwendigen professionellen Kompetenzen für Gesundheitsförderer.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Publikation?
Wesentliche Begriffe sind Empowerment, Partizipation, Salutogenese, Selbstbestimmung und soziale Determinanten von Gesundheit.
Welche Herausforderungen identifiziert die Autorin bei der Umsetzung von Empowerment?
Es werden insbesondere der institutionelle Sparzwang, die Defizitsicht in Organisationen und die Gefahr der Überforderung von Hilfesuchenden als kritische Hürden genannt.
Welchen Stellenwert nimmt die Selbstreflexion für Fachkräfte ein?
Selbstreflexion ist essenziell, um das Machtgefälle zwischen Helfer und Klient zu minimieren und paternalistisches Handeln zu vermeiden.
- Quote paper
- BA Soziale Arbeit L. Lauprecht (Author), 2010, Die Bedeutung des Empowerment-Konzepts für die sozialpädagogische Gesundheitsförderung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/178075