Laut Hartweg kann davon ausgegangen werden, dass der Bücherkäufer jener Zeit durch die Druckereien und Drucke mit den gängigen Mundarten vertraut war und, dass seine Toleranzschwelle gegenüber Kommunikationsschwierigkeiten weitaus höher war, als wir es uns heute denken können. Die damals noch fehlenden Regelungen der Sprache, wie die Orthographie, lassen darauf schließen, dass sich ein Leser der damaligen Zeit kaum von solchen Faktoren vom Kauf hat abbringen lassen . Er bezeichnet Schirokauers Ansichten als „revisionsbedürftig“ aber auffordernd zu einer „fruchtbaren Auseinandersetzung“ .
Obwohl ein bedeutender, von den Druckeroffizinen ausgehender und den Vereinheitlichungsprozeß der dt. Schriftsprache fördernder Einfluß nur als wenig angefochtenes Postulat der dt. Sprachgeschichtsschreibung galt und heute noch gilt ist die Bedeutung des Buchdrucks bei der Vereinheitlichung der deutschen Schriftsprache bis heute nicht eindeutig geklärt und die Frage ob spracheinheitliche Bestrebungen einen wesentlichen Faktor der Marktpolitik der Drucker darstellte bleibt kontrovers .
Inhaltsverzeichnis
1. Wer hat es erfunden?
2. Wie funktioniert es?
3. Auswirkungen
4. Die Rolle der Drucker bei der Entstehung einer einheitlichen Schriftsprache
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entwicklung des Buchdrucks und analysiert kritisch dessen tatsächlichen Einfluss auf die Herausbildung einer einheitlichen deutschen Schriftsprache im ausgehenden Mittelalter und der frühen Neuzeit.
- Historische Vorformen des Buchdrucks in Asien
- Die technologische Revolution durch Gutenberg
- Sozioökonomische Faktoren und die Leserschaft um 1500
- Sprachgeschichtliche Auswirkungen des Druckwesens
- Kontroversen um die Standardisierung der Schriftsprache
Auszug aus dem Buch
4. Die Rolle der Drucker bei der Entstehung einer einheitlichen Schriftsprache
„Der Drucker erscheint als Vermittlungsinstanz zwischen dem Autor und dem Publikum“ er macht den Text materiell zugänglich und kann Bearbeitungen an ihm vornehmen. Sein Einfluss auf die endgültige Gestalt eines Textes, und das zu einer Zeit in der es keine Urheberrechte gibt, ist somit unumstritten. Wenngleich es bezüglich des Einwirkens des Buchdrucks bei der Entwicklung einer einheitlichen Schriftsprache keine eindeutige Klärung gibt, so gibt es einen allgemeinen Konsens auf den sich die meisten Sprachhistoriker beziehen.
Es wird behauptet, daß durch die Entwicklung des Buchdrucks die sprachliche Einheit, die durch das Vorhandensein mehrerer verschiedener Schriftdialekte noch nicht gegeben war, zunehmend gefördert und ein Ausgleich zwischen den verschiedenen Schriftdialekten angestrebt wurde.
Es wird davon ausgegangen, dass ein außersprachlicher Faktor, das geschäftliche Interesse, den Normierungsprozess im Wesentlichen mitbestimmt hat. Sprachhistoriker argumentieren, dass eine zu enge Anlehnung an einen Schriftdialekt den Markt anderer Sprachlandschaften ausgeschlossen hätte und es somit für die Drucker von Nöten war einen Ausgleich zu schaffen um ihr Absatzgebiet zu erweitern und für andere Bereiche Deutschlands verständlich zu bleiben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Wer hat es erfunden?: Das Kapitel beleuchtet frühe asiatische Drucktechniken und setzt diese in Bezug zu Gutenbergs Innovationen, wobei die Distanzierung von der alleinigen Erfinder-Rolle Gutenbergs betont wird.
2. Wie funktioniert es?: Hier wird der technische Prozess des Buchdrucks mit beweglichen Metalllettern erläutert, inklusive der von Gutenberg entwickelten Apparaturen und Legierungen.
3. Auswirkungen: Dieses Kapitel thematisiert die sozioökonomische Entwicklung des Buchdrucks und dessen wachsenden Einfluss auf die Wissensvermittlung sowie die steigende deutsche Buchproduktion bis ins 16. Jahrhundert.
4. Die Rolle der Drucker bei der Entstehung einer einheitlichen Schriftsprache: Die Arbeit diskutiert die kontroverse Frage, ob und inwieweit Drucker aus wirtschaftlichen Interessen aktiv zur Normierung und Vereinheitlichung der deutschen Schriftsprache beigetragen haben.
Schlüsselwörter
Buchdruck, Johannes Gutenberg, Metalllettern, Sprachgeschichte, Frühneuhochdeutsch, Sprachnormierung, Buchproduktion, Wissensvermittlung, Schriftdialekte, Massenmedium, Typographie, Medienhistorie, Kulturgeschichte, Marktpolitik, Sprachstandardisierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit behandelt die Entstehungsgeschichte des Buchdrucks und dessen langfristige Auswirkungen auf die deutsche Sprache sowie die Rolle der Drucker als Akteure im Standardisierungsprozess.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Technikgeschichte des Drucks, der wirtschaftlichen Situation der frühen Druckereien und der soziolinguistischen Entwicklung der deutschen Schriftsprache.
Was ist die primäre Forschungsfrage des Textes?
Die Arbeit hinterfragt, inwiefern der Buchdruck ein entscheidender Motor für die Vereinheitlichung der deutschen Schriftsprache war und welche wirtschaftlichen Interessen dabei eine Rolle spielten.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine Literaturanalyse bedeutender Sprachhistoriker (wie Hartweg und Polenz), um bestehende Thesen zur Sprachgeschichte kritisch zu prüfen und einzuordnen.
Was wird im Hauptteil der Publikation primär behandelt?
Im Hauptteil werden sowohl die technischen Vorläufer aus Asien als auch der Prozess der Kommerzialisierung des Buches und die damit verbundene sprachliche Standardisierung detailliert analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Untersuchung am besten?
Die wichtigsten Schlagworte sind Buchdruck, Sprachstandardisierung, Frühneuhochdeutsch, Gutenberg, Medienökonomie und Sprachgeschichte.
Warum wird die Rolle Gutenbergs als „Erfinder“ kritisch hinterfragt?
Der Autor verweist auf bereits existierende Vorformen des Drucks in Asien (z.B. durch Bi Sheng) und betont, dass Gutenberg bestehende Techniken lediglich revolutionierte und wirtschaftlich skalierbar machte.
Welchen Einfluss hatten ökonomische Faktoren auf die Sprachentwicklung?
Drucker waren bestrebt, ihre Absatzgebiete durch einen Ausgleich zwischen regionalen Schriftdialekten zu vergrößern, um ihre Bücher in möglichst vielen Sprachlandschaften verkaufen zu können.
- Quote paper
- Nathalie Gerlach (Author), 2011, Der Buchdruck und seine Rolle bei der Entstehung einer einheitlichen Schriftsprache, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/175802