Unter dem Begriff Jahresabschlussanalyse1 sind Verfahren der
Informationsgewinnung und -auswertung zu verstehen, mit deren
Hilfe aus den Angaben des Jahresabschlusses (Bilanz, Gewinn- und
Verlustrechnung, Kapitalflussrechnung und Anhang) und des
Lageberichtes Erkenntnisse über die Finanz- und Ertragslage eines
Unternehmens gewonnen werden.2
Die Jahresabschlussanalyse ermöglicht somit die Ermittlung
entscheidungsrelevanter Informationen über die aktuelle
wirtschaftliche Lage und die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung
einer Unternehmung, welche nicht direkt aus dem Jahresabschluss
und dem Lagebericht zu entnehmen sind.3 Hierbei sollte deutlich
werden, dass erst durch die zusammengefassten Teilurteile der
Finanz- und Ertragslage ein Gesamturteil über die wirtschaftliche
Lage eines Unternehmens gefällt werden kann.4
Dieser Prozess der Informationsverdichtung kann chronologisch in
die Phasen Aufbereitung des Jahresabschlusses, Analyse der
absoluten Kennzahlen, Analyse von Verhältniszahlen, Verdichtung
der Kennzahlen zu einem Gesamturteil und der Interpretation des
Gesamturteils aufgeteilt werden.5
Als6 die zwei wesentlichen Erkenntnisziele gelten die finanzielle
Stabilität und die Ertragskraft eines Unternehmens, nach denen die
Adressaten der Analyseergebnisse in zwei Gruppen aufteilt werden
können. Zur ersten Gruppe, die primär an der finanziellen Stabilität
interessiert sind, zählen vor allem aktuelle und potentielle Gläubiger
(Liquidität), Kunden und Lieferanten (termingerechte Zahlungen) und
Arbeitnehmer (Lohn- und Gehaltzahlungen). Interesse an der
Ertragskraft haben vor allem Eigner (Dividende), Führungskräfte
(Aktien-Optionen), Gewerkschaften (Lohn- und Gehaltsforderungen),
Konkurrenz (Vergleichsmaßstab). [...]
1 Anm.: Die gängige Literatur geht vorrangig von der externen Jahresabschlussanalyse aus, bei
der die externen Analytiker in der Regel nur Informationen aus den gesetzespflichtigen
Publikationen von Kapitalgesellschaften haben und nicht über interne Daten verfügen.
2 vgl. Coenenberg, A. G. (2001), S. 873 u. 875
3 vgl. Wehrheim, M./Schmitz, T. (2001), S. 16
4 vgl. Baetge, J. (1998), S. 2
5 vgl. Baetge, J./Jerschensky, A. (1996), S. 1581
6 Anm.: Zu den folgen Ausführungen vgl. Coenenberg, A. G. (2001), S. 875-876
Inhaltsverzeichnis
- 1 GRUNDLAGEN
- 2 METHODEN UND INSTRUMENTE
- Klassische Verfahren
- 2.1.1 Kennzahlen
- 2.1.2 Kennzahlensysteme
- 2.2 Moderne Verfahren
- 2.2.1 Die Notwendigkeit neuer Ansätze
- 2.2.2 Multivariate Diskriminanzanalyse
- 2.2.3 BP-14
- Klassische Verfahren
- 3 TEILBEREICHE DER ANALYSE
- 3.1 Finanzwirtschaftliche Jahresabschlussanalyse
- 3.1.1 Die Vermögensstrukturanalyse
- 3.1.2 Die Kapitalstrukturanalyse
- 3.1.3 Die Liquiditätsanalyse
- 3.2 Erfolgswirtschaftliche Jahresabschlussanalyse
- 3.2.1 Die Ergebnisanalyse
- 3.2.2 Die Rentabilitätsanalyse
- 3.2.3 Die Wertschöpfungsanalyse
- 3.2.4 Die Break-Even-Analyse
- 3.1 Finanzwirtschaftliche Jahresabschlussanalyse
- 4 GRENZEN DER AUSSAGEFÄHIGKEIT
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Jahresabschlussanalyse. Sie verfolgt das Ziel, den Adressaten ein umfassendes Verständnis der Methoden und Instrumente der Jahresabschlussanalyse zu vermitteln, um sie so in die Lage zu versetzen, die finanzielle Stabilität und die Ertragskraft eines Unternehmens zu beurteilen.
- Methoden und Instrumente der Jahresabschlussanalyse
- Finanzwirtschaftliche und erfolgswirtschaftliche Analyse
- Kennzahlen und Kennzahlensysteme
- Grenzen der Aussagefähigkeit
- Anwendungen der Jahresabschlussanalyse
Zusammenfassung der Kapitel
- Kapitel 1: Grundlagen: Dieses Kapitel führt in die grundlegenden Prinzipien und Ziele der Jahresabschlussanalyse ein und erläutert die Bedeutung der Informationsgewinnung und -auswertung aus dem Jahresabschluss und Lagebericht eines Unternehmens.
- Kapitel 2: Methoden und Instrumente: Hier werden die klassischen und modernen Verfahren der Jahresabschlussanalyse vorgestellt, wobei sowohl Kennzahlen und Kennzahlensysteme als auch multivariate Diskriminanzanalyse und BP-14 behandelt werden.
- Kapitel 3: Teilbereiche der Analyse: Dieses Kapitel befasst sich mit den verschiedenen Teilbereichen der Jahresabschlussanalyse, darunter die finanzwirtschaftliche Analyse (Vermögensstruktur, Kapitalstruktur, Liquidität) und die erfolgswirtschaftliche Analyse (Ergebnis, Rentabilität, Wertschöpfung, Break-Even).
Schlüsselwörter
Jahresabschlussanalyse, Bilanzanalyse, Kennzahlen, Kennzahlensysteme, Finanzwirtschaftliche Analyse, Erfolgswirtschaftliche Analyse, Vermögensstruktur, Kapitalstruktur, Liquidität, Rentabilität, Wertschöpfung, Break-Even, Multivariate Diskriminanzanalyse, BP-14.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das Ziel einer Jahresabschlussanalyse?
Ziel ist es, aus den Daten von Bilanz, GuV und Anhang Informationen über die wirtschaftliche Lage, die finanzielle Stabilität und die Ertragskraft eines Unternehmens zu gewinnen.
Was ist der Unterschied zwischen finanzwirtschaftlicher und erfolgswirtschaftlicher Analyse?
Die finanzwirtschaftliche Analyse untersucht die Liquidität und Kapitalstruktur, während die erfolgswirtschaftliche Analyse die Rentabilität und die Quellen des Unternehmenserfolgs bewertet.
Welche Kennzahlen sind für Gläubiger besonders wichtig?
Gläubiger interessieren sich primär für die finanzielle Stabilität und Liquiditätskennzahlen, um sicherzustellen, dass Forderungen termingerecht beglichen werden können.
Was versteht man unter einer Break-Even-Analyse?
Die Break-Even-Analyse ermittelt den Punkt, an dem die Erlöse eines Unternehmens die Gesamtkosten decken und somit weder Gewinn noch Verlust entsteht.
Was sind moderne Verfahren der Bilanzanalyse?
Moderne Verfahren nutzen komplexe mathematische Modelle wie die multivariate Diskriminanzanalyse oder neuronale Netze (z. B. BP-14), um Insolvenzrisiken besser vorherzusagen.
Wo liegen die Grenzen der Jahresabschlussanalyse?
Grenzen ergeben sich aus dem Vergangenheitscharakter der Daten, bilanzpolitischen Spielräumen des Unternehmens und dem Fehlen nicht-monetärer Informationen im Abschluss.
- Citar trabajo
- Mischa Keller (Autor), 2003, Jahresabschlussanalyse, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/17548