Diese Aussage Bismarcks schien mit der Eskalation des Konfliktes in Jugoslawien erneut Bedeutung gewonnen zu haben. Häufig fanden genau diese mahnenden Worte Bismarcks Verwendung, wenn Politiker sich gegen eine militärische Intervention in Kroatien oder Bosnien-Herzegowina aussprachen. Nahezu vier Jahre lang wehrten sich die Regierungen der führenden westlichen Länder vehement gegen den Einsatz von Bodentruppen, um die kriegerischen Auseinandersetzungen im ehemaligen Jugoslawien zu beenden. Allenfalls zu humanitären Zwecken waren vor allem Frankreich und Großbritannien bereit, Truppen im Rahmen eines UN- Einsatzes in die Konfliktregion zu entsenden. In Anwesenheit dieser Soldaten ereigneten sich auf dem jugoslawischen Kriegsschauplatz die schwersten Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die sich in Europa seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges ereignet hatten. Die Tatenlosigkeit im Angesicht von Kriegsverbrechen, wie des Massakers von Srebrenica, drohte der UNO, aber auch der NATO und der EU einen großen Glaubwürdigkeitsverlust zuzufügen.
Nur wenige Jahre zuvor war im Rahmen der UNO der Aggression Saddam Husseins gegen Kuwait erfolgreich begegnet worden. Präsident George H.W. Bush hatte eine starke Allianz unter Führung der Vereinigten Staaten gegen den Irak gebildet, die Kuwait mit Zustimmung der sowjetischen Führung militärisch befreite. Die Folge der Operation „Desert Storm“ war ein zunehmender Optimismus gepaart mit der Annahme, dass die UN künftig eine „zentrale Rolle (...) und eine entscheidende Funktion für die Bewältigung regionaler Konflikte im Rahmen einer präventiven Diplomatie“ spielen würden.2
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1 Zitiert in: Wolf Oschlies, Wo bitte liegt – und was ist der „Balkan“? In: Eurasisches Magazin, Ausgabe 04-06, http://www.eurasischesmagazin.de/artikel/?artikelID=20060409.
2 Christian Hacke, Zur Weltmacht verdammt, 3. aktualisierte und erweiterte Auflage, München 2005, S. 507.
Inhaltsverzeichnis (Table of Contents)
- Einleitung
- Literaturlage
- Konfliktgenese und Konfliktwahrnehmung
- Nationale Interessen und Ziele der Jugoslawienpolitik
- USA
- Außenpolitische Leitlinien der Regierung Bush
- Der Wahlkampf 1992
- Außenpolitische Leitlinien der Regierung Clinton
- Deutschland
- Frankreich
- Großbritannien
- Zwischenfazit
- USA
- Plattformen der Konfliktbewältigung
- Die Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa
- Die Europäische Gemeinschaft
- Von der EG zur UNO
- Die Vereinten Nationen
- Die Jugoslawien-Kontaktgruppe und die NATO
- Die Wende im Bosnienkrieg
- Der Wandel in der Washingtoner Jugoslawienpolitik
- Die europäische Jugoslawienpolitik im Frühjahr 1995
- Das Massaker von Srebrenica und die zweite Londoner Konferenz
- Die bosnisch-kroatische Offensive und die Operation „Deliberate Force“
- Holbrookes Pendeldiplomatie
- Das Abkommen von Dayton und die Implementierung des Friedensvertrages
- Schlussbetrachtungen
Zielsetzung und Themenschwerpunkte (Objectives and Key Themes)
Diese Magisterarbeit analysiert die Bemühungen um eine Beendigung des Konflikts in Jugoslawien im Zeitraum von 1991 bis 1995. Sie untersucht die Rolle der internationalen Akteure, insbesondere der USA, Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens, bei der Verhinderung der Eskalation des Konflikts und der Durchsetzung von Frieden.
- Der Konfliktgenese in Jugoslawien und die Rolle des Nationalismus sowie der ökonomischen Zerrüttung
- Die unterschiedlichen Wahrnehmungen des Konflikts durch die USA und die europäischen Staaten
- Die Bemühungen der internationalen Organisationen, insbesondere der Vereinten Nationen und der NATO, um den Konflikt zu lösen
- Die Wendepunkte im Bosnienkrieg, insbesondere das Massaker von Srebrenica und die Operation „Deliberate Force“
- Die Rolle der amerikanischen Diplomatie und die Bedeutung des Abkommens von Dayton für die Beendigung des Krieges
Zusammenfassung der Kapitel (Chapter Summaries)
- Die Einleitung stellt den Kontext der Arbeit dar und beleuchtet die Bedeutung des Konflikts in Jugoslawien für die internationale Politik.
- Die Literaturlage bietet einen Überblick über die relevante Forschung zum Thema.
- Kapitel 3 analysiert die Konfliktgenese in Jugoslawien und die Rolle des Nationalismus und der ökonomischen Zerrüttung.
- Kapitel 4 beleuchtet die nationalen Interessen und Ziele der Jugoslawienpolitik der USA, Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens.
- Kapitel 5 untersucht die Plattformen der Konfliktbewältigung, die von der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa bis zur NATO reichen.
- Kapitel 6 analysiert die Wende im Bosnienkrieg, insbesondere das Massaker von Srebrenica und die Operation „Deliberate Force“ sowie die Rolle der amerikanischen Diplomatie.
Schlüsselwörter (Keywords)
Die Arbeit behandelt die Themen Jugoslawienkrieg, Bosnienkrieg, Srebrenica-Massaker, Dayton-Abkommen, internationale Friedensdiplomatie, US-Außenpolitik, Europäische Union, Vereinte Nationen, NATO.
Häufig gestellte Fragen
Was war das Ziel des Dayton-Abkommens?
Das Dayton-Abkommen von 1995 hatte das Ziel, den fast vierjährigen Krieg in Bosnien und Herzegowina zu beenden und eine stabile Friedensordnung in der Region zu schaffen.
Welche Rolle spielten die USA im Jugoslawienkonflikt?
Nach anfänglicher Zurückhaltung unter George H.W. Bush forcierten die USA unter Bill Clinton ab 1995 eine aktivere Rolle, die schließlich in der Operation „Deliberate Force“ und der Vermittlung des Dayton-Abkommens mündete.
Was war die Bedeutung des Massakers von Srebrenica?
Das Massaker von Srebrenica im Juli 1995 war ein Wendepunkt. Das Versagen der UN-Schutztruppen führte zu einem massiven Glaubwürdigkeitsverlust der internationalen Gemeinschaft und beschleunigte das militärische Eingreifen der NATO.
Welche Staaten waren an der Jugoslawien-Kontaktgruppe beteiligt?
An der Kontaktgruppe waren maßgeblich die USA, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Russland beteiligt, um eine koordinierte Strategie zur Konfliktbewältigung zu entwickeln.
Warum zögerten die europäischen Mächte so lange mit einer Intervention?
Gründe waren unterschiedliche nationale Interessen, die Sorge vor einem langwierigen Einsatz von Bodentruppen und die Hoffnung, den Konflikt rein durch diplomatische Mittel oder humanitäre Hilfe lösen zu können.
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- Mathias Schulte (Autor), 2007, Von Srebrenica nach Dayton, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/170109