In der Bundesrepublik Deutschland konnte durch empirische Untersuchungen erwiesen werden, dass Wähler hauptsächlich an der Wahl teilnehmen, um eine Wahlnorm zu erfüllen, d.h. um ihr soziales Gewissen zu befriedigen.
Wie verhält es sich jedoch, wenn der Wähler in der Wahlkabine steht? Welche Art von Entscheidungsstruktur liegt dem Kreuzchenmachen zu Grunde? Anhand der Theorie des rationales Wählers von Anthony Downs und ihrer Erweiterungen, z.b. der Theorie des expressiven Wählens von Brennan/Lomasky wir diese Fragestellung untersucht. Dabei werden vier repräsentative Studien zu den letzten Bundestagswahlen ausgewertet. Die Entscheidungsvariablen der Wähler können in expressive und instrumentelle Variablen aufgeteilt werden. In einer Metaanalyse wird abschließend verdeutlicht, dass der Wähler aufgrund der Erfüllung der Wahlnorm einen expressiven Nutzenaspekt zur Wahlteilnahme heranzieht. Wie weiter gezeigt werden kann, ändert sich diese Motivationsstruktur jedoch an der Wahlurne und die Wahl der Kandidaten und der Parteien wird mit einem instrumentellen Nutzenaspekt verknüpft. Die wichtigste Determinante zur Herbeiführung der Urnenentscheidung ist die Parteiidentifikation.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Theoretische und empirische Grundlagen
- Grundlagen der Rational Choice-Theorie
- Instrumenteller Nutzen
- Weitere Nutzenaspekte - Expressivität
- Wahlen unter Rational Choice-Betrachtung
- Teilnahmeentscheidung
- Empirische Darstellung der Teilnahmeentscheidung
- Urnenentscheidung
- Grundlagen der Rational Choice-Theorie
- Die Urnenentscheidung empirisch untersucht
- Wahlstudien
- Erste Untersuchung - Klein/Rosar 2005
- Zweite Untersuchung - Debus 2007
- Dritte Untersuchung - Shahla 2001
- Vierte Untersuchung - Abold 2007
- Wahlstudien
- Auswertung der empirischen Ergebnisse
- Zusammenfassung der Einzelvariablen
- Auswertung der übergeordneten Zielvariablen
- Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Bachelorarbeit befasst sich mit dem Verhalten rationaler Wähler an der Wahlurne im Kontext der Rational Choice-Theorie. Ziel ist es, die Theorie des rationalen Wählers empirisch zu untersuchen und zu überprüfen, ob deutsche Wahlteilnehmer aus originär politischen Motiven oder aus sozialem Druck und Pflichtbewusstsein wählen.
- Die Anwendung der Rational Choice-Theorie auf das Wahlverhalten
- Die Unterscheidung zwischen instrumentellen und expressiven Motiven beim Wählen
- Die empirische Analyse von Wahlstudien und deren Ergebnisse
- Die Untersuchung der Determinanten der Urnenentscheidung
- Die Bedeutung der Wahlnorm und des sozialen Drucks für das Wahlverhalten
Zusammenfassung der Kapitel
Das erste Kapitel der Arbeit führt in die Thematik des rationalen Wählers ein und erläutert den Hintergrund der Rational Choice-Theorie. Es werden die grundlegenden Annahmen und Konzepte der Theorie vorgestellt, die den Wähler als Nutzenmaximierer betrachtet. Kapitel zwei beschäftigt sich mit der empirischen Untersuchung des Wahlverhaltens. Verschiedene Studien, die das Wahlverhalten in Deutschland untersucht haben, werden vorgestellt und ihre Ergebnisse analysiert. In Kapitel drei werden die Ergebnisse der empirischen Studien zusammengefasst und interpretiert. Die Schlussfolgerungen der Arbeit werden in Kapitel vier gezogen und die Bedeutung der Erkenntnisse für das Verständnis des Wahlverhaltens in der Bundesrepublik Deutschland diskutiert.
Schlüsselwörter
Rational Choice-Theorie, Wahlverhalten, Urnenentscheidung, Wahlnorm, sozialer Druck, instrumenteller Nutzen, expressive Motive, empirische Studien, Wahlstudien, Deutschland.
Häufig gestellte Fragen
Was besagt die Theorie des rationalen Wählers?
Die Theorie (nach Anthony Downs) geht davon aus, dass Wähler ihren Nutzen maximieren. Sie entscheiden sich für die Partei, deren Programm ihnen den größten persönlichen Vorteil (instrumenteller Nutzen) verspricht.
Warum gehen Menschen überhaupt wählen, wenn die eigene Stimme kaum zählt?
Wähler folgen oft einer „Wahlnorm“, um ihr soziales Gewissen zu befriedigen. Dies wird als expressiver Nutzen bezeichnet, bei dem die Teilnahme selbst (Pflichterfüllung) den Nutzen stiftet, nicht das Wahlergebnis.
Was ist der Unterschied zwischen instrumentellem und expressivem Wählen?
Instrumentelles Wählen zielt auf die Beeinflussung des politischen Ergebnisses ab. Expressives Wählen dient dem Ausdruck einer Identität oder der Erfüllung einer sozialen Erwartung.
Welche Rolle spielt die Parteiidentifikation bei der Wahlentscheidung?
Die Parteiidentifikation ist die wichtigste Determinante für die Entscheidung an der Wahlurne. Sie wirkt als psychologischer Anker, der die Informationsverarbeitung und die letztliche Stimmabgabe steuert.
Ändert sich die Motivation zwischen Wahlteilnahme und Stimmabgabe?
Ja, empirische Studien zeigen, dass die Entscheidung zur Teilnahme oft expressiv motiviert ist (soziale Norm), während die Auswahl der konkreten Partei an der Wahlurne stärker mit instrumentellen Nutzenaspekten verknüpft wird.
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- Florian Ramel (Autor), 2010, Das Verhalten des rationalen Wählers an der Wahlurne, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/166557