Die Unterrichtskommunikation wird durch die gegenseitige Turn- Vergabe der Schüler untereinander verfahrensgeregelt organisiert. Durch dieses, von der Lehrerin überwiegend ausgehende Verfahren, wird die kommunikative und thematische Ordnung aufrecht erhalten.
In dieser Hausarbeit zum Modul „Orientierung auf Sprache: Sprachliches Handeln“ werden wir uns der oben genannten These zum Thema Unterrichtskommunikation widmen. Die Unterrichtskommunikation wird dabei unter linguistischen Gesichtspunkten der Gesprächsanalyse analysiert und interpretiert.
Hierzu dient uns als empirisches Datenmaterial die eigens angefertigte Videoaufnahme aus einer dritten Klasse einer Grundschule. Die Gesamtlänge der Aufnahme der Unterrichtsstunde im Schulfach Mathematik beträgt ca. 45 Minuten. Für die Transkription wurde aus diesem Abschnitt eine Sequenz von 13 Minuten ausgewählt, die sich von Minute 8 bis Minute 21 erstreckt.
Es wurde eine offene Aufnahme mit Einwilligung der Erziehungsberechtigen und der Lehrperson durchgeführt, d.h. die Aufzeichnung der Unterrichtsstunde wurde vorher angekündigt. Dabei ist zu erwähnen, dass die Namen aller Kassenmitglieder aus Datenschutzgründen anonymisiert wurden.
Die realen Gespräche der gefilmten Unterrichtsstunde mussten in mehreren Schritten aufbereitet werden. Den Primärdaten der realen Gespräche folgten die Sekundärdaten der Videoaufnahme und anschließend die schriftlich-graphische Fixierung der Tertiärdaten in Form einer Transkription. Es ist darauf hinzuweisen, dass dieser Prozess der Datenerhebung eine modellspezifische Reduktion der Wirklichkeit darstellt.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Das Kooperationsprinzip als Voraussetzung für (Unterrichts-) Kommunikation
- Die Sprechakttheorie in Anwendung auf den Mathematikunterricht
- Der Sprechakt
- Sprechaktklassifikation
- Deixis
- Das Gespräch: Kommunikation in der Schule vs. Alltagskommunikation
- Wie vollzieht sich der Sprecherwechsel in einem Unterrichtsgespräch?
- Formen des Sprecherwechsels im Mathematikunterricht
- Ein Blick auf die Sprecheraktivität im Unterricht
- Ein Blick auf die Höreraktivität im Unterricht
- Kommunikationsprobleme während der Stunde und deren Lösung
- Wie verhält es sich mit dem nonverbalen Verhalten im Schulunterricht?
- Das Verhältnis benachbarter Gesprächsbeiträge im Mathematikunterricht
- Initiierende vs. respondierende Akte und ihre inhaltlichen Zusammenhänge
- Textuelle Verknüpfungen durch die Gesprächsteilnehmer
- Paarigkeit der Gesprächsbeiträge
- Die Teile des Gesprächs in der Unterrichtsstunde
- Öffnungsphase
- Instruktionsphase
- Beendigungsphase
- Die Rollen der Gesprächsteilnehmer
- Schluss
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Hausarbeit befasst sich mit der Analyse von Unterrichtskommunikation im Mathematikunterricht aus linguistischer Perspektive. Die Arbeit untersucht die Anwendung des Kooperationsprinzips und der Sprechakttheorie im Kontext von Schüler-Lehrer-Interaktion. Hierfür werden Videoaufnahmen einer Mathematikstunde in einer Grundschule als empirisches Datenmaterial herangezogen.
- Das Kooperationsprinzip als Grundlage für gelungene Kommunikation im Unterricht
- Die Anwendung der Sprechakttheorie zur Analyse von Lehrer- und Schüleräußerungen
- Die Analyse des Sprecherwechsels und der verschiedenen Gesprächsrollen im Unterricht
- Die Bedeutung von nonverbalem Verhalten in der Unterrichtskommunikation
- Die Untersuchung des Verhältnisses von initiierenden und respondierenden Gesprächsbeiträgen
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung stellt das Thema der Hausarbeit vor und erläutert die Forschungsmethodik. Kapitel 2 beleuchtet das Kooperationsprinzip als Grundlage für erfolgreiche Kommunikation im Unterricht und bezieht sich dabei auf die Konversationsmaximen von Paul Grice. Kapitel 3 widmet sich der Sprechakttheorie und ihren vier Teilakten (Äußerungsakt, Propositionaler Akt, Illokution, Perlokution). Kapitel 4 behandelt die Besonderheiten von Kommunikation im Schulunterricht im Vergleich zu Alltagskommunikation. Kapitel 5 analysiert den Sprecherwechsel im Unterrichtsgespräch und seine verschiedenen Formen. Kapitel 6 befasst sich mit Kommunikationsproblemen im Unterricht und deren Lösung. Kapitel 7 untersucht die Rolle von nonverbalem Verhalten im Schulunterricht. Kapitel 8 analysiert das Verhältnis von initiierenden und respondierenden Gesprächsbeiträgen. Kapitel 9 betrachtet die verschiedenen Teile des Gesprächs in der Unterrichtsstunde. Kapitel 10 beleuchtet die Rollen der Gesprächsteilnehmer. Kapitel 11 fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen und zieht Schlussfolgerungen.
Schlüsselwörter
Unterrichtskommunikation, Kooperationsprinzip, Sprechakttheorie, Gesprächsanalyse, Mathematikunterricht, Sprecherwechsel, Gesprächsrollen, Nonverbales Verhalten, Initiierende und respondierende Akte, Unterrichtsstunde
Häufig gestellte Fragen
Wie wird die Kommunikation im Unterricht geregelt?
Die Kommunikation wird meist durch die Lehrperson gesteuert, die die „Turns“ (Sprecherwechsel) vergibt, um die thematische und kommunikative Ordnung aufrechtzuerhalten.
Was ist das Kooperationsprinzip nach Grice?
Es ist die Grundlage für gelungene Kommunikation und besagt, dass Gesprächsteilnehmer ihre Beiträge so gestalten sollten, wie es der Zweck des Gesprächs erfordert.
Welche Rolle spielt die Sprechakttheorie bei der Analyse?
Sie hilft dabei, Äußerungen von Lehrern und Schülern in verschiedene Kategorien (z.B. Instruktionen, Fragen, Antworten) einzuteilen und deren Wirkung zu verstehen.
Was unterscheidet Unterrichtskommunikation von Alltagskommunikation?
Unterrichtskommunikation ist stärker formalisiert, zielgerichtet und weist eine asymmetrische Rollenverteilung zwischen Lehrkraft und Schülern auf.
Warum ist nonverbales Verhalten im Unterricht wichtig?
Nonverbale Signale wie Blickkontakt, Gestik oder das Melden unterstützen die Steuerung des Unterrichtsgesprächs und signalisieren Aufmerksamkeit oder Sprechwünsche.
- Quote paper
- Kim Jasmin Gamlien (Author), 2009, Analyse von Unterrichtskommunikation unter linguistischen Gesichtspunkten der Gesprächsanalyse anhand einer Transkription, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/151384