Die Expansion deutscher Unternehmen ins Ausland erfolgt in erster Linie mit dem Ziel, die komparativen Kostenvorteile auszunutzen. Die bieten sich insbesondere bei Einschaltung von zentralen Einkaufsgesellschaften, Verlagerung der Produktion in ein Land mit größerer Dichte an Fachpersonal und gleichzeitig niedrigeren Personalkosten, größerer Marktnähe und Steigerung der Absatzzahlen durch Kundennähe und kundenorientierten Produktentwicklung.1 Außerdem führt die immer mehr globalisierte Wirtschaft zu steigender Wettbewerbsintensität, die wiederum die Unternehmen zu Konzentration auf diejenigen Leistungsbereiche der Wertschöpfungskette zwingt, die den Wert des Unternehmens steigern und somit langfristig zur Stabilität beitragen. Die restlichen Bereiche werden aus Optimierungsgründen ausgegliedert.2 Dies ist nur ein kleiner Ausschnitt der Beweggründe, die zur steigenden Anzahl der Funktionsverlagerungen führen. Daher ist die Behandlung der Unternehmensrestrukturierungen eines der wichtigsten aktuellen Themen im nationalen und internationalen Steuerrecht.3 Die Unternehmensrestrukturierungen bringen zweifelsfrei neue Chancen und steueroptimierende Möglichkeiten, aber natürlich auch Risiken mit sich.4 Die Reallokation von Chancen und Risiken verleiten Steuerbehörden verschiedener Länder zu unkoordinierten Aktionen, in deren Folge ein weltweiter Handel eingeschränkt werden kann.5 Diese Problematik hat die OECD als Herausforderung empfunden und den Diskussionsentwurf Transfer Pricing Aspects of Business Restructurings herausgearbeitet, in dem versucht wird, ein einheitliches Verständnis für die Behandlung von Restrukturierungen der multinational tätigen Unternehmen zu unterstützen.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 2. Risikobegriff
- 2.1 Betriebliche Risiken
- 2.2 Marktrisiken
- 2.3 Sonstige Risiken
- 3. Risiko und Unternehmensbewertung
- 3.1 Berücksichtigung des Marktrisikos in Rahmen der Ertragswertverfahren
- 3.1.1 Sicherheitsäquivalentmethode
- 3.1.2 Risikozuschlagsmethode
- 3.2 Berücksichtigung der firmen- und branchenspezifischen Risiken in Rahmen der Risikosimulation
- 3.1 Berücksichtigung des Marktrisikos in Rahmen der Ertragswertverfahren
- 4. Risikoallokation
- 4.1 Die vertragliche Risikozuordnung nach OECD Business Restructuring Draft
- 4.1.1 Überprüfung der vertraglichen Risikozuordnung hinsichtlich der tatsächlichen Durchführung
- 4.1.2 Überprüfung der vertraglichen Risikozuordnung hinsichtlich des Fremdvergleichsgrundsatzes
- 4.1.2.1 Der Kontrollaspekt
- 4.1.2.2 Die Finanzkapazität
- 4.1.3 Wesentlichkeit der Risikoübernahme
- 4.1.4 Nichtanerkennung der vertraglichen Risikozuordnung
- 4.2 Risikozuordnung nach deutschem Recht
- 4.2.1 Ökonomisch-rationale Analyse der Risikozuordnung
- 4.2.2 Grenzen zulässiger vertraglichen Risikoübernahme: Die Gute-Sitten-Klausel
- 4.1 Die vertragliche Risikozuordnung nach OECD Business Restructuring Draft
- 5. Zusammenfassende Überlegungen
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit befasst sich mit der Risikoallokation zwischen verbundenen Unternehmen im Kontext von Funktionsverlagerungen. Sie analysiert die Lücken in der Behandlung von Risikozuordnung im Rahmen der Funktionsverlagerungen sowohl im nationalen als auch im internationalen Steuerrecht.
- Analyse des Risikobegriffs und seiner Relevanz in der Unternehmensbewertung
- Untersuchung der vertraglichen Risikozuordnung im Rahmen von Funktionsverlagerungen nach dem OECD Business Restructuring Draft
- Bewertung der Risikozuordnung nach deutschem Recht
- Beurteilung der Auswirkungen von Funktionsverlagerungen auf die Risikoallokation
- Entwicklung von Empfehlungen für eine angemessene Risikoallokation im Rahmen von Funktionsverlagerungen
Zusammenfassung der Kapitel
Kapitel 1 führt in das Thema der Risikoallokation im Rahmen von Funktionsverlagerungen ein und beleuchtet die steigende Bedeutung dieser Thematik im nationalen und internationalen Steuerrecht.
Kapitel 2 definiert den Begriff des Risikos und differenziert zwischen betrieblichen Risiken, Marktrisiken und sonstigen Risiken.
Kapitel 3 erläutert die Berücksichtigung von Risiken in der Unternehmensbewertung, insbesondere im Rahmen der Ertragswertverfahren und der Risikosimulation.
Kapitel 4 analysiert die vertragliche Risikozuordnung im Rahmen von Funktionsverlagerungen nach dem OECD Business Restructuring Draft und nach deutschem Recht.
Kapitel 5 fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen und formuliert Schlussfolgerungen für die Praxis.
Schlüsselwörter
Die Arbeit konzentriert sich auf die Themen Risikoallokation, Funktionsverlagerungen, Unternehmensbewertung, OECD Business Restructuring Draft, deutsches Steuerrecht, Fremdvergleichsgrundsatz, Gute-Sitten-Klausel, und internationale Steuerplanung.
- Arbeit zitieren
- Lana Gorelisvili (Autor:in), 2009, Risikoallokation im Rahmen von Funktionsverlagerungen – Nationale und internationale Perspektive, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/150463