Im späten fünften Jahrhundert und zu Beginn des sechsten Jahrhunderts etablierte sich ein Volksstamm in der Region zwischen Lech, Donau und dem Alpenrand. Bei dieser Bevölkerungsgruppe handelt es sich um die Baiern, die durch Verschmelzungen der romanisch-keltischen Bevölkerung des Alpenvorlandes und verschiedenen germanischen Bevölkerungsgruppen entstand. Unter fränkischem Einfluss entwickelte sich durch die Errichtung des Herzogtums ein Stammesbewusstsein und an der Spitze des Herzogtums stand das Geschlecht der Agilolfinger. Mit Tassilo III. wich dieses letzte dynastische Herzogshaus des Frankenreichs der neu errichteten inneren Ordnung des Reiches. Diese innerpolitische Vereinheitlichung sollte einige Jahrzehnte später grundlegend dazu beitragen, dass Karl der Große, Sohn Pippins des Jüngeren, die Ausdehnung seines Reiches auf einen Höhepunkt bringen konnte.
Herzog Tassilo hat als einer der letzten Herzöge im karolingischen Reich, kulturhistorisch viel erreicht bzw. bewirkt. Als Sohn Herzog Odilos und mit Zustimmung des Frankenkönigs Pippin wurde Tassilo III. im Jahr 748 schon im Kindesalter Herzog von Baiern. In dessen, und auch in die Amtzeit seines Vaters, fallen auffällig viele Klostergründungen. Die bedeutendsten darunter waren das Kremsmünster (777) und Mattsee (zwischen 777 und 783/784). Diese gehen auf ihn zurück und geben Zeugnis über seinen herrschaftlichen Einfluss. In Hinblick auf die Errichtung einer bairischen Herzogskirche unterstützte er ebenso die zahlreichen Klostergründungen durch den ortsansässigen Adel. Was Herzog Tassilo, trotz seiner nahen Verwandtschaft mit dem Karolingerkönig, zu einer politischen Zielscheibe machte, soll Anliegen dieses Essays sein. Die Auseinandersetzung zwischen den beiden Vettern gipfelte in einem Prozess ohnegleichen; eine Art Exempel zur Warnung seiner Gegner?
Inhaltsverzeichnis
- Die politischen Verhältnisse im frühen Mittelalter am Beispiel Tassilos III.
- Einleitung
- Die historischen Rahmenbedingungen
- Die politische Konkurrenz der Karolinger und Agilolfinger
- Tassilos „königliche“ Herrschaft
- Die Rolle der Kirche
- Der Prozess zu Ingelheim
- Fazit
- Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Der Essay befasst sich mit den politischen Verhältnissen im frühen Mittelalter am Beispiel von Herzog Tassilo III. von Bayern. Er analysiert die Konkurrenz zwischen den Agilolfingern und den Karolinger und untersucht, wie Tassilos „königliche“ Herrschaft und sein kirchliches Engagement zu seinem Untergang führten. Der Essay beleuchtet auch den Prozess zu Ingelheim, der Tassilos Herrschaftsende einleitete.
- Die politische Konkurrenz zwischen den Agilolfingern und den Karolinger
- Tassilos „königliche“ Herrschaft und sein kirchliches Engagement
- Der Prozess zu Ingelheim und die Rolle der fränkischen Quellen
- Die historischen Rahmenbedingungen des frühen Mittelalters
- Die Bedeutung der Kirche für die politische Macht im frühen Mittelalter
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung stellt die historische Figur Tassilos III. vor und erläutert die Bedeutung seiner Herrschaft für die politische Entwicklung des frühen Mittelalters. Sie führt in die Thematik des Essays ein und skizziert die zentralen Fragestellungen.
Der zweite Abschnitt beleuchtet die historischen Rahmenbedingungen, die Tassilos Herrschaft prägten. Er beschreibt die Entstehung des bairischen Stammes und die Entwicklung des Herzogtums unter fränkischem Einfluss. Die Rolle der Karolinger im Merowingerreich und ihre Machtübernahme werden ebenfalls dargestellt.
Der dritte Abschnitt analysiert die politische Konkurrenz zwischen den Agilolfingern und den Karolinger. Er untersucht die Gründe für die Spannungen zwischen den beiden Familien und beleuchtet die politische Strategie Karls des Großen gegenüber Tassilo.
Der vierte Abschnitt befasst sich mit Tassilos „königlicher“ Herrschaft. Er untersucht die Grundlage seiner Macht, die Lex Baiuwariorum, und beleuchtet sein kirchliches Engagement. Die Bedeutung der Kirche für die politische Macht im frühen Mittelalter wird ebenfalls thematisiert.
Der fünfte Abschnitt analysiert den Prozess zu Ingelheim, der Tassilos Herrschaftsende einleitete. Er untersucht die fränkischen Quellen, die den Prozess dokumentieren, und diskutiert die Interpretation der Ereignisse.
Schlüsselwörter
Die Schlüsselwörter und Schwerpunktthemen des Textes umfassen die politische Konkurrenz im frühen Mittelalter, die Herrschaft von Herzog Tassilo III. von Bayern, die Agilolfinger, die Karolinger, die Lex Baiuwariorum, das kirchliche Engagement, der Prozess zu Ingelheim und die fränkischen Quellen.
Häufig gestellte Fragen
Wer war Tassilo III. und welche Bedeutung hatte er?
Tassilo III. war der letzte agilolfingische Herzog von Bayern und ein bedeutender Kulturförderer, bekannt für die Gründung von Klöstern wie Kremsmünster.
Warum kam es zum Konflikt zwischen Tassilo III. und Karl dem Großen?
Tassilo strebte eine eigenständige, fast königliche Herrschaft in Bayern an, was im Widerspruch zu Karls Ziel einer inneren Reichseinheit stand.
Was war der Prozess zu Ingelheim?
Im Jahr 788 wurde Tassilo in Ingelheim wegen angeblichen Hochverrats (Harisliz) verurteilt, was das Ende des agilolfingischen Herzogtums markierte.
Welche Rolle spielte die Kirche in Tassilos Herrschaft?
Tassilo nutzte Klostergründungen und kirchenpolitische Maßnahmen, um seine Macht zu festigen und Bayern als eigenständiges kulturelles Zentrum zu etablieren.
Was ist die Lex Baiuwariorum?
Es ist das älteste geschriebene Volksrecht der Bayern, das die rechtliche Grundlage für Tassilos Herrschaft und die soziale Ordnung des Herzogtums bildete.
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- Kerstin Zimmermann (Autor), 2007, Die politischen Verhältnisse im frühen Mittelalter am Beispiel Tassilos III., Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/148282