Die vorliegende Arbeit befasst sich mit den zwei großen Themen Erlebnispädagogik und Klettersport, um die Frage zu beantworten, inwieweit Erlebnispädagogik im Zusammenhang mit sogenannten Extremsportarten möglich ist. Extremsportarten gibt es viele, stellvertretend wird das (Fels-)Klettern genutzt, um anhand eines Beispiels arbeiten zu können. Zur Beantwortung der Fragestellung ist es erforderlich, die wichtigsten Begriffe zu klären, da in manchen Bereichen nur wenige oder auch unterschiedliche, sich widersprechende Definitionen existieren. Zum Verständnis werden die geklärten Begriffe miteinander verglichen, um Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu beschreiben.
Einen Exkurs bietet die Historie der Erlebnispädagogik, um deren Bedeutung im Zusammenhang mit dem Klettersport und den Extremen zu erkennen. Klettern und Erlebnispädagogik werden anschließend in Verbindung zueinander genauer betrachtet. Hierfür sind die Anforderungen des Klettersports sowie deren erlebnispädagogische Anforderungen und Ziele zu betrachten. Anschließend wird kurz das Gebiet des Para-Climbings umrissen, da dies ein gutes Beispiel dafür bietet, dass Beeinträchtigungen an sich kein Hindernis für sportliche Aktivitäten auf hohem Niveau sind. Danach wird betrachtet, wie der aktuelle Stand von Inklusion sowohl in der Erlebnispädagogik als auch im Klettersport ist. Im letzten Kapitel wird erörtert, inwiefern Inklusion in den Bereichen Erlebnispädagogik, Sportklettern und Extremklettern umsetzbar ist, wo die Grenzen liegen und wie bzw. ob diese über-wunden werden können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsklärung
2.1. Erlebnispädagogik
2.2. Extremsport
2.3. Therapeutisches Klettern
2.4. Gemeinsamkeiten / Unterschiede
3. Historie der Erlebnispädagogik
4. Klettern in der Erlebnispädagogik
4.1. Anforderungen des Klettersports
4.2. Erlebnispädagogisches Klettern
5. Para-Climbing
6. Inklusion in der Erlebnispädagogik
7. Inklusion im Klettersport
8. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Potenzial und die Grenzen der Inklusion von Menschen mit Beeinträchtigung im Kontext von Erlebnispädagogik und Extremsportarten, wobei das Klettern als exemplarisches Anwendungsfeld dient, um Chancen für Teilhabe und sozialpädagogische Entwicklung zu analysieren.
- Grundlagen der Erlebnispädagogik und des Extremsports
- Die pädagogische Bedeutung von Klettern und Abseilen
- Möglichkeiten des Para-Climbings auf hohem Leistungsniveau
- Inklusionsansätze gemäß der UN-BRK im Bergsport
- Anpassungsprozesse und Barrieren bei inklusiven Sportangeboten
Auszug aus dem Buch
4.2 Erlebnispädagogisches Klettern
Alpines Klettern oder auch Felsklettern wird für die Erlebnispädagogik modifiziert. Erlebnispädagogisches Klettern hat sich örtlich zu einem großen Teil in Indoor-Kletterhallen bewegt. Am Felsen wird nur noch zweitrangig geklettert (vgl. Heckmair, Michl, S. 185f.). Dadurch lassen sich lange und schwierige Zu- und Abstiege vermeiden. Das kommt den Pädagog: innen insofern zu Gute, als dass die Motivation der Menschen etwas zu erleben heutzutage größer ist, wenn sie dafür nicht weit reisen oder keine größeren Strapazen auf sich nehmen müssen. Wie bereits beschrieben beinhaltet das Klettern den Umgang mit eigenen Ängsten, das Erkennen individueller Grenzen sowie natürlich motorische Aspekte. Da die Kletternde Person gesichert werden muss, ist auch ein sozialer Aspekt mit viel Vertrauen zum Gegenüber Teil des Sports. Die Partner: innen gehen eine wechselseitige Beziehung zueinander ein, die auf der Sicherungskompetenz einerseits sowie dem Vertrauen in diese Kompetenz andererseits beruht. Diese Aspekte sind ebenso Bestandteile der Erlebnispädagogik.
Laut Kinne & Woitkowiak (2013, S. 106f.) zählt das Klettern mit dem damit verbundenen Abseilen als eine der komplexesten Aktivitäten in der Erlebnispädagogik. Im alpinen Klettern eher als Notwendigkeit betrachtet, wird das Abseilen im erlebnispädagogischen Klettern als eigenständige Aktion genutzt. Abgeseilt werden durch den / die Partner: in, abgelassen werden durch die / den Pädagog:in aber auch eigenständiges, aktives Abseilen des / der Kletternden sind hierfür möglich (vgl. Streicher 2021, S. 194). Das Klettern bietet ein hohes Motivationspotential, da verschiedene Bereiche angesprochen werden. Nicht nur die Motorik mit verschiedenen Bewegungsabläufen, sondern auch Entdeckerfreude, Grenzen erleben und dem Nachgehen des Bewegungsdrangs wird entsprochen. Ein für die Erlebnispädagogik wichtiger Aspekt bietet hier auch das Erleben von Selbstwirksamkeit.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Thematik der Erlebnispädagogik in Verbindung mit dem Klettersport ein und erläutert die Zielsetzung, Inklusionsmöglichkeiten bei Extremsportarten zu erörtern.
2. Begriffsklärung: Dieses Kapitel definiert wesentliche Fachausdrücke wie Erlebnispädagogik, Extremsport und therapeutisches Klettern und arbeitet deren Gemeinsamkeiten und methodische Unterschiede heraus.
3. Historie der Erlebnispädagogik: Es werden die historischen Wurzeln und theoretischen Wegbereiter der Erlebnispädagogik beleuchtet, um deren pädagogische Bedeutung und moderne Ausprägung zu verdeutlichen.
4. Klettern in der Erlebnispädagogik: Dieser Abschnitt analysiert die Anforderungen des Klettersports und zeigt auf, wie diese durch erlebnispädagogische Modifikationen für Lernprozesse nutzbar gemacht werden.
5. Para-Climbing: Das Kapitel stellt das Para-Climbing als Beispiel für sportliche Höchstleistungen von Menschen mit Beeinträchtigung vor und erläutert das Klassifizierungssystem.
6. Inklusion in der Erlebnispädagogik: Basierend auf der UN-BRK wird diskutiert, wie erlebnispädagogische Angebote institutionell und methodisch inklusiv gestaltet werden können.
7. Inklusion im Klettersport: Die Untersuchung bezieht sich auf Positionspapiere des DAV und beleuchtet die Möglichkeiten und Herausforderungen bei der Umsetzung von Inklusion im organisierten Bergsport.
8. Fazit: Die Arbeit resümiert, dass Inklusion in erlebnispädagogischen Settings gut umsetzbar ist, während sie im Bereich des extremen Leistungssports durch natürliche Grenzen und Exklusivität stärker limitiert bleibt.
Schlüsselwörter
Erlebnispädagogik, Extremsport, Klettersport, Inklusion, UN-BRK, Para-Climbing, Behindertenpädagogik, Sozialpädagogik, Risikoanalyse, Selbstwirksamkeit, Bergsport, Vertrauensbeziehung, Barrierefreiheit, Leistungssport, Sportpädagogik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit untersucht die theoretischen und praktischen Verknüpfungen von Erlebnispädagogik und Klettersport mit dem Fokus, inwieweit inklusive Ansätze die Teilhabe von Menschen mit Beeinträchtigung ermöglichen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Definition von erlebnispädagogischen Methoden, die Analyse von Risikosportarten, die Bedeutung der UN-BRK für den Sport sowie die Praxis der Inklusion in Kletterhallen und am Fels.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Ziel ist es herauszuarbeiten, wo die Grenzen und wo die Potenziale liegen, inklusive Umgebungen im Klettersport zu schaffen, um Menschen mit Beeinträchtigung gleichberechtigte Teilhabe zu ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine fundierte Literaturanalyse, wertet Positionspapiere (z.B. des Deutschen Alpenvereins) aus und verknüpft diese mit erlebnispädagogischen sowie rehabilitationspädagogischen Konzepten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die historischen Grundlagen, spezifische Sicherheitsanforderungen im Klettern, die Praxis des Para-Climbings sowie die institutionellen Anpassungsnotwendigkeiten für eine gelingende Inklusion.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Erlebnispädagogik, Inklusion, Klettersport, Para-Climbing und Selbstwirksamkeit charakterisiert.
Wie unterscheidet sich die erlebnispädagogische Sichtweise von der rein leistungsorientierten im Klettersport?
Während im Extremsport die physische Leistung und das Überwinden von Risiken im Vordergrund stehen, nutzt die Erlebnispädagogik das Klettern als Medium für Sozialkompetenz, Problemlösungsstrategien und Persönlichkeitsentwicklung.
Warum stößt die Inklusion beim extremen Klettern an natürliche Grenzen?
Der Autor führt aus, dass der Extremsport durch seine exklusive Eliteausrichtung und die physische Beschaffenheit von natürlichen Felsen Hindernisse bietet, die trotz Modifikationen bei bestimmten Einschränkungen technisch oder physisch schwer zu überwinden sind.
- Citar trabajo
- Natascha Brunk (Autor), 2022, Erlebnispädagogik und Klettersport. Eine Analyse der Möglichkeiten und Grenzen von Extremsportarten in der pädagogischen Praxis, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1481797