Die technische und künstlerische Entwicklung hat im Laufe der Jahrhunderte eine Vielzahl an Künsten und Medien hervorgebracht. Jedes dieser Medien präsentiert sich dem Rezipienten mit seinen eigenen darstellerischen und kommunikativen Eigenschaften. Werden unterschiedliche Medien miteinander kombiniert und ein Medium wird innerhalb eines anderen Mediums dargestellt, spricht man von einer Medienvermischung und das darstellende Medium bekommt intermediale Eigenschaften.
Was Intermedialität in erster Linie bedeutet, lässt sich mit den Worten von Yvonne Spielmann beschreiben. Sie sieht Intermedialität als „ein Phänomen der Vermischung zwischen unterschiedlichen Medien.“. In der Welt der Künste und Medien gibt es mittlerweile eine Vielzahl von intermedialen Formen und Verbindungen. Eine der Interessantesten stellt die Verbindung zwischen dem Film und der Fotografie dar. Beide Medien sind sich ähnlich, haben aber auch ihre ganz eigenen darstellerischen Eigenschaften. Speziell die Verwendung von Fotografie innerhalb eines Filmes führt zu interessanten gestalterischen Verknüpfungen und Erzählweisen.
Diese Arbeit wird sich speziell mit dieser Art der Medienvermischung beschäftigen. Dazu möchte ich auf folgende Fragen genauer eingehen: Welche Rolle bzw. welche Bedeutung hat ein Medium, das durch oder innerhalb eines anderen Mediums dargestellt wird und als tragender Teil der Handlung fungiert? Wann und unter welchen Vorraussetzungen wird das eine Medium für das Andere interessant? Welchen Einfluss haben das Genre und die Produktionsumgebung auf den Einsatz der zu verzeichnenden Medienvermischung?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Fragestellung
2. Intermedialität: Begriffserklärung und Rahmenschaffung
2.1 Der Begriff Intermedialität
3. Film und Fotografie: Eine Analyse
3.1 Wie das Foto zum Film kam
3.2 Die evolutionäre Beziehung
4. Filmanalysen
4.1 Die filmanalytischen Fragestellungen
4.2 Blow-Up – Michelangelo Antonioni – GB 1966
4.3 A Zed and two Noughts - Peter Greenaway - GB 1985
4.4 Memento – Christopher Nolan - USA 2000
5. Vergleichende Analyse der Filmbeispiele
5.1 Einführung
5.2 Vergleichsanalysen
6. Fragen- bzw. Thesenbearbeitung
6.1 Reflektion und Diskurs
7. Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Phänomen der Intermedialität, insbesondere die narrative und visuelle Integration von Fotografie in das zeitgenössische Erzählkino. Dabei wird analysiert, wie das Medium Film durch die Einbindung fotografischer Elemente sein gestalterisches Potenzial erweitert und welche funktionale Rolle die Fotografie innerhalb der Handlung und der filmischen Struktur einnimmt.
- Intermediale Verschränkung von Film und Fotografie
- Narrative und visuelle Funktionen der Fotografie als „Beweis“ oder „Erinnerung“
- Einfluss von Produktionsbedingungen und Zeitepochen auf die Medienkombination
- Vergleichende Filmanalyse (Blow-Up, A Zed and two Noughts, Memento)
- Reflektion über die Macht des Bildes und den Wahrheitsgehalt medialer Repräsentation
Auszug aus dem Buch
3.2 Die evolutionäre Beziehung
In diesem Unterkapitel geht es darum, den Aspekt der medienbezogenen Evolution von Foto zu Film nicht nur historisch, sondern auch medientheoretisch zu festigen.
Joachim Paech verweist in seiner Abhandlung über dieses Thema auf McLuhans „Die magischen Kanäle“ von 1968. Hier spricht McLuhan davon, dass im „neueren Medium Film, das ältere Medium Fotografie enthalten ist“ und „dass der Inhalt jedes Mediums immer ein anderes Medium ist“4. Einem bestehenden bzw. einem neu entstandenen Medium muss immer ein vorangegangenes Medium zu Grunde liegen. Dies ist vergleichbar mit dem evolutionären Charakter von Mensch und Tier. Das Eine stammt vom Anderen ab und entwickelt sich weiter.
Wie ein roter Faden finden sich die Eigenschaften des vorangegangenen Mediums in den Nachfolgenden wieder. Der festgehaltene Moment eines gemalten Bildes als Spiegel der Zeit ist, genauso wie der Vorgang des Fotografierens, um einen Moment für die Ewigkeit festzuhalten. Der Moment des Pinselstriches auf der Leinwand entspricht dem Belichten des Fotofilms. Diese Elemente zeigen sich auch im Medium Film, mit dem Unterschied, dass nun Zeit überbrückt und dargestellt werden kann.
Wir sehen, dass durch die Entwicklung der beiden Medien Gemeinsamkeiten bestehen. Aber es gibt auch grundlegende Unterschiede. Der Wesentlichste ist, Bewegung und somit Zeit festhalten und dokumentieren zu können. Der Film kann einen ganzen Handlungsablauf aufnehmen. Die Fotografie ist hier technisch eingeschränkt. Sie lässt nur die Dokumentation eines Moments zu. Diese Eigenschaft der Fotografie, wie schon McLuhan schrieb, […]einen einzelnen Moment in der Zeit zu isolieren, […]ist das entscheidende Charakteristikum der Fotografie5. Die Form des Mediums Fotografie, das entwickelte Bild, ermöglicht dem Rezipienten eine „geistige Zeitreise“ zu machen und den Moment, den er auf dem Bild sieht, in seinem Geiste mit der Erinnerung zu vervollständigen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Fragestellung: Das Kapitel führt in das Thema Intermedialität ein und definiert die Zielsetzung, anhand von drei Filmbeispielen die funktionale Rolle der Fotografie innerhalb des Films zu untersuchen.
2. Intermedialität: Begriffserklärung und Rahmenschaffung: Hier wird der medientheoretische Hintergrund der Intermedialität erörtert und vom Begriff des Multimedialen abgegrenzt.
3. Film und Fotografie: Eine Analyse: Dieser Teil beleuchtet die historische und evolutionäre Genese des Films aus der Fotografie und stellt die mediale Verwandtschaft dar.
4. Filmanalysen: Dieses zentrale Kapitel analysiert die Filme „Blow-Up“, „A Zed and two Noughts“ und „Memento“ hinsichtlich ihrer spezifischen Nutzung fotografischer Techniken und narrativer Strategien.
5. Vergleichende Analyse der Filmbeispiele: Die Ergebnisse der Einzelanalysen werden gegenübergestellt, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der filmischen Umsetzung und dem Einfluss der Produktionsbedingungen aufzuzeigen.
6. Fragen- bzw. Thesenbearbeitung: In diesem Kapitel werden die in der Einleitung formulierten Forschungsfragen auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse detailliert beantwortet.
7. Schlussbemerkung: Die Arbeit schließt mit einer Reflexion über die Bedeutung der Intermedialität für das zeitgenössische Kino und das Potenzial neuer narrativer Formen.
Schlüsselwörter
Intermedialität, Film, Fotografie, Medienvermischung, Blow-Up, A Zed and two Noughts, Memento, Medienevolution, Zeitraffer, Narrativ, visuelle Ästhetik, Kameratechnik, Bild-im-Bild, Erinnerung, Beweisführung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit dem Konzept der Intermedialität im Kino, speziell der Wechselwirkung zwischen den Medien Film und Fotografie.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die Medienevolution, die narrative Funktion fotografischer Bilder im Film sowie die ästhetischen und technischen Überschneidungen beider Medien.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu analysieren, welche Bedeutung und Rolle die Fotografie hat, wenn sie innerhalb eines Films als tragendes Element für die Handlung und Visualisierung eingesetzt wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine systematische Filmanalyse von drei ausgewählten Fallbeispielen durchgeführt, ergänzt durch einen medientheoretischen Vergleich der Ergebnisse.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Untersuchung der Filme „Blow-Up“ (Antonioni), „A Zed and two Noughts“ (Greenaway) und „Memento“ (Nolan).
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Intermedialität, Medienevolution, narrative Integration und formale Bildgestaltung.
Welche Rolle spielt die Fotografie in „Blow-Up“ im Vergleich zu „Memento“?
In „Blow-Up“ dient die Fotografie vorrangig als Beweismittel für einen vermeintlichen Mord und als Voyeur-Instrument, während sie in „Memento“ als externe Gedächtnisprothese zur Bewältigung eines Kurzzeitgedächtnisverlusts fungiert.
Wie trägt der medientheoretische Ansatz von Marshall McLuhan bei?
McLuhans Konzept der „Extensions of man“ dient als theoretische Grundlage, um zu verstehen, wie Filme existierende Medien nutzen, um ihr eigenes gestalterisches Potenzial zu erweitern.
Warum wählt der Autor explizit diese drei Filme als Fallbeispiele?
Die Wahl begründet sich durch die unterschiedliche zeitliche Einordnung, den verschiedenen Genres und der diversen Art und Weise, wie Fotografie in Narration und visueller Ebene der Filme integriert ist.
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- Dennis Reber (Author), 2006, Intermedialität: Fotografie als narratives und visuelles Element im zeitgenössischen Erzählkino, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/148148