In der vorliegenden Arbeit wurde untersucht, ob die sportliche Freizeitaktivität von Erwerbstätigen die Beziehung zwischen ausgewählten Arbeitsbedingungen und psychischen Befindensvariablen im Sinne der Stress-Pufferhypothese moderieren kann. Die aktuelle Forschung konzentriert sich bei diesem Thema fast ausschließlich auf die Untersuchung von Haupteffekten. Empirische Befunde zum Stellenwert der sportlichen Aktivität im komplexen Zusammenspiel von sowohl Arbeitsstressoren als auch Befindensvariablen lassen sich dagegen kaum finden – zur Schließung dieser Lücke soll die vorliegende Arbeit beitragen. Vor dem Hintergrund des Anforderungs-Kontroll-Modells von Karasek und Theorell (1990) wurden mögliche Bedingungen von high-strain jobs auf der Tätigkeitsebene erhoben. Außerdem ging nach dem Modell der beruflichen Gratifikationskrisen von Siegrist (1996) die Effort-Reward Imbalance als Ungleichgewichtszustand auf der Beziehungsebene in die Untersuchung ein. Die Stichprobe umfasste 112 Erwerbstätige, wovon 55.4% über das Schneeball-System und 44.6% durch Akquise am Arbeitsplatz – insgesamt drei Altenpflegeheime in Leipzig – gewonnen werden konnten. Im Rahmen einer Querschnitts-Fragebogenuntersuchung wurden als unabhängige Variablen Arbeitsbelastungen, Handlungsspielraum, körperliche Arbeitsaktivität und Effort-Reward Imbalance (ERI) erhoben. Als abhängige Variablen gingen das affektive arbeitsbezogene Wohlbefinden sowie psychische Befindensbeeinträchtigungen (Irritation, Depressivität, Psychosomatische Beschwerden) in die Untersuchung ein. Die Ergebnisse deuten auf eine erwartungskonforme Moderatorwirkung der sportlichen Aktivität auf den Zusammenhang zwischen Zeitdruck und arbeitsbezogenen Wohlbefinden/ Irritation/ Depressivität hin. Für die Arbeitsbedingung Unsicherheit widersprach die Moderatorbeziehung inhaltlich der erwarteten Form. Eine weitere Interaktion zeigte sich zwischen sportlicher Aktivität und körperlicher Arbeitsaktivität in Bezug auf Irritation. Für ERI konnte keine moderierte Beziehung zu Befindensvariablen festgestellt werden. Die Inkonsistenz der Befunde lässt vermuten, dass eine arbeitsbezogene Beanspruchungsregulation durch sportliche Aktivität nur unter bestimmten Bedingungen gelingt, die zu ergründen Aufgabe weiterer Forschungsbemühungen sein sollte.
Inhaltsverzeichnis
- Zusammenfassung
- Danksagung
- Inhaltsverzeichnis
- Tabellenverzeichnis
- Abbildungsverzeichnis
- Einleitung und Fragestellung
- Theorieteil
- Begriffsklärung: arbeitsbezogene Beanspruchung und Belastung
- Das Belastungs- und Beanspruchungskonzept
- Handlungsregulatorische Aspekte
- Der Stressbegriff: Stressoren und Stressreaktionen
- Gruppierung von stressrelevanten Aspekten der Arbeit
- Terminologische Schlussfolgerungen
- Erklärungsansätze von arbeitsbezogenen Beanspruchungsfolgen
- Transaktionales Stress-Konzept und Coping
- Arbeitspsychologische (Im-) Balancemodelle
- Anforderungs-Kontroll-Modell
- Modell der beruflichen Gratifikationskrisen
- Vergleich der beiden Modelle
- Ressourcenfokussierte Sichtweise
- Salutogenesekonzept
- Systemisches Anforderungs-Ressourcen-Modell
- Zusammenfassung und Schlussfolgerungen für die eigene Erhebung
- Gesundheitsverhalten: Sportliche Aktivität in der Freizeit
- Begriffsklärung und Definition
- Theoretische Einordnung: SAR-Modell und Konzept der Erholung
- Klassifikationsmöglichkeiten körperlicher Aktivitäten
- Methoden zur Erfassung körperlich-sportlicher Aktivität
- Zusammenhang zwischen körperlich-sportlicher Aktivität und Gesundheit
- Intentionalität der körperlich-sportlichen Aktivität
- Wohlbefinden als Dimension von Gesundheit
- Definition von Gesundheit und Wohlbefinden
- Differenzierungsmöglichkeiten des Wohlbefindens
- Subjektives Wohlbefinden nach Diener
- Strukturmodell des Wohlbefindens nach Becker
- Arbeitsspezifisches und Kontextfreies Wohlbefinden nach Warr
- Eingrenzung und Schlussfolgerung für die eigene Erhebung
- Beziehungen zwischen Arbeit und Wohlbefinden
- Vitamin-Modell und arbeitsbezogene Determinanten des Wohlbefindens
- Psychische Befindensbeeinträchtigungen
- Irritation
- Depressivität
- Psychosomatische Beschwerden
- Zusammenfassung und Schlussfolgerung für die eigene Erhebung
- Untersuchungsannahmen
- Methodenteil
- Idealdesign
- Stichprobe
- Erhebungszeitpunkte
- Art der Datenerhebung
- Einsatz von Erhebungsinstrumenten
- Datenanalyse
- Realdesign
- Stichprobe
- Erhebungszeitpunkte
- Art der Datenerhebung
- Einsatz von Erhebungsinstrumenten
- Datenanalyse
- Wesentliche Abweichungen zwischen Ideal- und Realdesign
- Ergebnisse
- Moderation der Beziehung Arbeitsbedingungen-Befinden: Hypothesenkomplex 1
- Moderation der Beziehung ERI-Befinden: Hypothesenkomplex 2
- Explorative Analysen zu Motiven der Sportpartizipation
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Diplomarbeit untersucht den Einfluss der sportlichen Freizeitaktivität auf den Zusammenhang zwischen Arbeitsbedingungen und psychischen Befindensvariablen bei Erwerbstätigen. Ziel der Untersuchung ist es, die Moderatorwirkung der sportlichen Aktivität im Sinne der Stress-Pufferhypothese zu analysieren.
- Moderation der Beziehung zwischen Arbeitsbedingungen und Befindensvariablen durch sportliche Freizeitaktivität
- Analyse der Stress-Pufferhypothese in Bezug auf sportliche Aktivität
- Untersuchung der Rolle der sportlichen Aktivität im komplexen Zusammenspiel von Arbeitsstressoren und Befindensvariablen
- Anwendung des Anforderungs-Kontroll-Modells und des Modells der beruflichen Gratifikationskrisen
- Erhebung von Daten zur Arbeitsbelastung, Handlungsspielraum, körperlicher Arbeitsaktivität und Effort-Reward Imbalance (ERI) sowie deren Einfluss auf das Wohlbefinden und psychische Befindensbeeinträchtigungen
Zusammenfassung der Kapitel
- Kapitel 1: Einleitung und Fragestellung: Die Einleitung stellt die Problematik von arbeitsbedingtem Stress und deren Einfluss auf das Befinden dar. Es wird die Bedeutung der sportlichen Freizeitaktivität als Gesundheitsverhalten im Kontext der Stress-Pufferhypothese erläutert und die Forschungsfrage der Arbeit formuliert.
- Kapitel 2: Theorieteil: Dieses Kapitel beleuchtet verschiedene theoretische Konzepte, die für die Untersuchung relevant sind. Dazu gehören das Belastungs- und Beanspruchungskonzept, das transaktionale Stress-Konzept, verschiedene Arbeitspsychologische Modelle (Anforderungs-Kontroll-Modell, Modell der beruflichen Gratifikationskrisen), das Salutogenesekonzept sowie die Bedeutung von Ressourcen und sportlicher Aktivität als Gesundheitsverhalten.
- Kapitel 3: Methodenteil: In diesem Kapitel werden die methodischen Grundlagen der Untersuchung dargestellt. Es werden das Idealdesign und das Realdesign der Studie beschrieben, die Stichprobe charakterisiert sowie die Erhebungsinstrumente und die Datenanalyse vorgestellt.
- Kapitel 4: Ergebnisse: Die Ergebnisse der Untersuchung werden präsentiert und analysiert. Es werden die Moderatoreffekte der sportlichen Aktivität auf die Beziehung zwischen Arbeitsbedingungen und Befindensvariablen sowie die Beziehung zwischen Effort-Reward Imbalance (ERI) und Befindensvariablen untersucht.
Schlüsselwörter
Die zentralen Themen der Arbeit sind Arbeitsbedingungen, Stress, Befinden, Wohlbefinden, sportliche Aktivität, Gesundheitsverhalten, Stress-Pufferhypothese, Anforderungs-Kontroll-Modell, Modell der beruflichen Gratifikationskrisen, Effort-Reward Imbalance (ERI), Moderatorwirkung.
Häufig gestellte Fragen
Kann Sport den Stress am Arbeitsplatz abpuffern?
Die Arbeit untersucht die Stress-Pufferhypothese und findet Hinweise darauf, dass sportliche Aktivität den Zusammenhang zwischen Zeitdruck und psychischen Beeinträchtigungen wie Irritation oder Depressivität mildern kann.
Welche Modelle wurden zur Untersuchung von Arbeitsstress genutzt?
Die Studie stützt sich auf das Anforderungs-Kontroll-Modell von Karasek und Theorell sowie das Modell der beruflichen Gratifikationskrisen (Effort-Reward Imbalance) von Siegrist.
Welche psychischen Variablen wurden in der Studie gemessen?
Erfasst wurden das affektive arbeitsbezogene Wohlbefinden sowie Beeinträchtigungen wie Irritation, Depressivität und psychosomatische Beschwerden.
Gilt die Pufferwirkung von Sport für alle Arbeitsbedingungen?
Nein, die Ergebnisse waren inkonsistent. Während Zeitdruck gepuffert wurde, zeigte sich für Arbeitsunsicherheit oder die Effort-Reward Imbalance (ERI) keine klare Moderatorwirkung.
Wer nahm an der Untersuchung teil?
Die Stichprobe umfasste 112 Erwerbstätige, darunter ein signifikanter Anteil aus Altenpflegeheimen in Leipzig.
Was ist das Fazit für die Gesundheitsförderung?
Sportliche Aktivität hilft bei der Beanspruchungsregulation, aber die Wirkung hängt stark von den spezifischen Bedingungen ab, unter denen die Arbeit stattfindet.
- Quote paper
- Dipl.-Psychologin Franziska Sinnig (Author), 2009, Die Bedeutung sportlicher Freizeitaktivität als Gesundheitsverhalten für den Zusammenhang zwischen Arbeitsbedingungen und Befindensvariablen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/146620