Neben den Problemen der Einordnung der Schaffenszeit Hartmanns von Aue oder einer literarischen Zuordnung seines Werkes DER ARME HEINRICH, stellt besonders die Suche nach dem originalen Wortlaut des Autors die Forschung noch heute vor ein Problem. Der Originaltext Hartmanns liegt nicht mehr vor, es existieren jedoch mehrere vollständige Überlieferungen des Versepos und wenige überlieferte Bruchstücke. Jedoch stammen alle Versionen von unterschiedlichen Schreibern, die den Text Hartmanns zu unterschiedlichen Zeiten bearbeitet und nach ihren eigenen Ideen umgeschrieben haben. Jede Abschrift des Originaltextes stellt eine Veränderung des ursprünglichen Textkorpus dar. Die Schreiber kürzten den ihnen vorliegenden Text, fügten Passagen hinzu oder veränderten den ursprünglichen Wortlaut. So sind teilweise erhebliche Unterschiede in den unterschiedlichen Handschriften auszumachen, die eine Verifizierung einer einzigen „originalen“ Handschrift unmöglich machen.
HANS-JOCHEN SCHIEWER spricht, angestossen durch die aktuelle Diskussion von Fassungen und Bearbeitungen höfischer Romane, davon, dass es sich bei den Änderungen der Handschriften des ARMEN HEINRICH um „bewußte und weitsichtige Strategien der Textveränderung“ handle. Dessen ungeachtet wurden die Mehrfachfassungen des ARMEN HEINRICH bisher kaum beachtet und die Forschung beanstandet die Straßburger Handschrift als die „unangetastete Grundlage aller Interpretationen“.
Ich werde mich daher in der vorliegenden Proseminararbeit mit den verschiedenen Überlieferungen des ARMEN HEINRICH beschäftigen und abschliessend auf den Vergleich der Fassungen in den Handschriften A und B eingehen. Zuerst werde ich die verschiedenen Handschriften, die heute noch existieren, vorstellen um einen Überblick über die Vielfalt der Versionen zu geben, um dann anschliessend im Hauptteil der Arbeit den Vergleich der Fassungen zu analysieren.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Die Handschriften
- Allgemeine Informationen
- Straßburger Handschrift (A)
- Heidelberger Handschrift (Bª)
- Kalocsa(er) Handschrift (Bb)
- Die St. Florianer Fragment (C)
- Inderdorfer Fragment (D)
- Bruchstück aus Benediktbeuern (E)
- Stemma
- Vergleich der Texte des Versepos „Der arme Heinrich“
- Die Rolle der Meierstochter
- Erotische Dimension zwischen Heinrich und der Meierstochter
- Standesunterschiede
- Vergleich der Schlüsse
- Literaturverzeichnis
- Abbildungsverzeichnis
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit befasst sich mit den verschiedenen Überlieferungen des ARMEN HEINRICH und analysiert die Fassungen in den Handschriften A und B. Dabei werden die verschiedenen Handschriften vorgestellt und deren Beziehungen zueinander erläutert. Die Hauptthemen der Arbeit sind die Unterschiede in den Handschriften, insbesondere im Bezug auf die Rolle der Meierstochter, die erotische Dimension zwischen Heinrich und der Meierstochter sowie die Standesunterschiede. Die Arbeit analysiert auch die Auswirkungen dieser Unterschiede auf die Deutung der Erzählung.
- Untersuchung der verschiedenen Überlieferungen des ARMEN HEINRICH
- Analyse der Fassungen in den Handschriften A und B
- Vergleich der Rolle der Meierstochter in den verschiedenen Fassungen
- Untersuchung der erotischen Dimension zwischen Heinrich und der Meierstochter
- Analyse der Darstellung von Standesunterschieden in den Handschriften
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung stellt die Problematik der Überlieferung des ARMEN HEINRICH vor und erläutert die Bedeutung der verschiedenen Handschriften für die Forschung. Kapitel 2 beschreibt die verschiedenen Handschriften und deren Beziehungen zueinander. Dabei werden die Straßburger Handschrift (A), die Heidelberger Handschrift (Bª), die Kalocsa(er) Handschrift (Bb) sowie die Fragmente C, D und E vorgestellt. Kapitel 3 widmet sich dem Vergleich der Texte in den Handschriften A und B. Dabei werden die Unterschiede in der Darstellung der Meierstochter, der erotischen Dimension zwischen Heinrich und der Meierstochter sowie der Standesunterschiede analysiert. Die Arbeit endet mit einem Vergleich der Schlüsse, die aus den verschiedenen Fassungen gezogen werden können.
Schlüsselwörter
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Textüberlieferung des ARMEN HEINRICH, den verschiedenen Handschriften, der Rolle der Meierstochter, der erotischen Dimension zwischen Heinrich und der Meierstochter, den Standesunterschieden und dem Vergleich der verschiedenen Fassungen des Werkes. Die Arbeit verwendet die Neubearbeitung des ARMEN HEINRICH von KURT GÄRTNER für die Textanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Warum gibt es vom "Armen Heinrich" keinen Originaltext?
Wie bei vielen mittelalterlichen Werken ist die Originalhandschrift von Hartmann von Aue verloren gegangen. Erhalten sind nur Abschriften verschiedener Schreiber, die den Text oft verändert haben.
Was sind die wichtigsten Unterschiede zwischen Handschrift A und B?
Die Unterschiede liegen oft in der Wortwahl, der Darstellung der Meierstochter und der Gewichtung von Standesunterschieden sowie in der Ausgestaltung des Schlusses.
Welche Rolle spielt die Meierstochter in der Erzählung?
Die Meierstochter ist die zentrale Figur, die bereit ist, sich für die Heilung des Ritters Heinrich zu opfern. Ihre Darstellung variiert in den Handschriften zwischen kindlicher Unschuld und religiöser Standhaftigkeit.
Wird in den Handschriften eine erotische Dimension thematisiert?
Ja, die Forschung untersucht, inwieweit das Verhältnis zwischen dem erwachsenen Heinrich und der jungen Meierstochter in den verschiedenen Fassungen erotisch aufgeladen oder rein geistlich dargestellt wird.
Was ist ein Stemma in der Handschriftenforschung?
Ein Stemma ist ein Stammbaum der Handschriften, der versucht, die Verwandtschaftsverhältnisse und Abhängigkeiten der verschiedenen Abschriften voneinander grafisch darzustellen.
Welche Bedeutung hat die Straßburger Handschrift (A)?
Die Handschrift A (Straßburger Handschrift) gilt traditionell als eine der wichtigsten Grundlagen für die Interpretation des Werkes, obwohl sie heute kritischer im Vergleich zu anderen Fassungen betrachtet wird.
- Quote paper
- Heinz Erik Hartmann (Author), 2009, Vergleich der Fassungen des Armen Heinrich Hartmanns von Aue in den Hss. A und B., Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/143990