Diese Hausarbeit nähert sich dem Thema der algorithmic governance unter dem Gesichtspunkt des predictive policing. Diese Hausarbeit versucht dabei einen Spagat zwischen digitalpolitischer algorithmic governance und polizeipraktischen und (polizei-) rechtlichen Aspekten. Im Zentrum dieser Arbeit steht die Frage, welche Innovationen aber vor allem welche Risiken sich beim predictive policing erkennen lassen. Dafür wird zuvorderst der technische Prozess des PP erläutert und neben Kategorien traditioneller Polizeiarbeit gestellt (Kapitel 1) danach werden rechtliche Problemfelder des PP betrachtet (Kapitel 2), und abschließend auch eine sozialethische /rechtsphilosophische Perspektive eingenommen (Kapitel 3).
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- 1. Der Predictive Policing Prozess in der Dogmatik des Polizeirechts
- 1.1. Schritt 1: Daten
- 1.2. Schritt 2 und 3: Modellierung und Prognose
- 1.2.1. hot-spot-method
- 1.2.2. near-repeat-pattern
- 1.2.3. risk-terrain-analysis
- 1.3. Schritt 4 und 5: Prognosedarstellung und Folgemaßnahmen
- 1.4. Schritt 6: Evaluation
- 2. Rechtliche Schwierigkeiten und Nebenwirkungen
- 2.1. Predictive Policing zwischen Strafrecht und Polizeirecht
- 2.2. Datenschutz
- 2.3. Verdrängungseffekte
- 2.4. Transparenz und Kausalität
- 2.5. Diskriminierung und chilling-effects
- 3. Rechtsphilosophische Betrachtungen
- 3.1. Vorverlagerung des Tatverdachts (Unschuldsvermutung)
- 3.2. Das Ende des freien Willens?
- Fazit und Ausblick
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Hausarbeit untersucht den Einfluss der algorithmic governance im Kontext des Predictive Policing (PP). Sie beleuchtet die technischen Prozesse von PP und vergleicht sie mit traditionellen Polizeimethoden, untersucht die rechtlichen Herausforderungen und Nebenwirkungen sowie die sozialen und ethischen Implikationen. Die Arbeit analysiert die Chancen und Risiken, die mit der Anwendung von PP verbunden sind und beleuchtet den Spagat zwischen digitalpolitischen Aspekten und der polizeipraktischen Anwendung.
- Der technische Prozess des Predictive Policing
- Rechtliche Probleme und Nebenwirkungen von PP
- Datenschutz und Grundrechte im Zusammenhang mit PP
- Soziale und ethische Implikationen von PP
- Die Zukunft des Predictive Policing und seine Auswirkungen auf die gesellschaftliche Ordnung
Zusammenfassung der Kapitel
Kapitel 1 erläutert den technischen Prozess des Predictive Policing und stellt ihn in den Kontext der traditionellen Polizeiarbeit. Es werden die verschiedenen Schritte im PP-Prozess und die zugrundeliegenden Algorithmen und Datenmodelle detailliert beschrieben.
Kapitel 2 analysiert die rechtlichen Herausforderungen und Nebenwirkungen von PP. Es werden die Spannungen zwischen den Anforderungen des Polizeirechts, des Strafrechts und des Datenschutzes beleuchtet. Die Analyse umfasst auch die möglichen Verdrängungseffekte, die mit der Anwendung von PP verbunden sein können.
Kapitel 3 widmet sich den rechtsphilosophischen und ethischen Implikationen von PP. Es werden Fragen nach der Vorverlagerung des Tatverdachts, dem Einfluss auf die Unschuldsvermutung und dem möglichen Ende des freien Willens diskutiert.
Schlüsselwörter
Algorithmic governance, Predictive Policing, Polizeirecht, Strafrecht, Datenschutz, Grundrechte, Unschuldsvermutung, freier Wille, Verdrängungseffekte, Diskriminierung, chilling-effects, sozialethische Implikationen, Datafizierung.
Häufig gestellte Fragen
Was ist Predictive Policing (PP)?
Predictive Policing ist die computergestützte Vorhersage von künftigen Straftaten durch Algorithmen, um Polizeikräfte effizienter an wahrscheinlichen Tatorten einzusetzen.
Welche technischen Methoden werden beim PP genutzt?
Gängige Methoden sind die Hot-Spot-Analyse (Ortsschwerpunkte), Near-Repeat-Pattern (Wiederholungsgefahr nach einer Tat) und Risk-Terrain-Analysis.
Welche rechtlichen Risiken birgt Predictive Policing?
Risiken bestehen vor allem im Datenschutz, bei der Transparenz der Algorithmen sowie in der Gefahr von Diskriminierung und sogenannten „Chilling-Effects“.
Wie beeinflusst PP die Unschuldsvermutung?
Kritiker sehen eine Gefahr in der Vorverlagerung des Tatverdachts, da polizeiliche Maßnahmen bereits auf Basis von Wahrscheinlichkeitsberechnungen statt auf konkreten Hinweisen erfolgen könnten.
Was versteht man unter „Algorithmic Governance“?
Es bezeichnet die Steuerung und Entscheidungsfindung in der Gesellschaft durch Algorithmen und Datenmodelle statt durch rein menschliche Ermessensentscheidungen.
- Citar trabajo
- Johannes Richter (Autor), 2023, Algorithmic Governance. Predictive Policing in der Dogmatik traditioneller Polizeiarbeit. Innovation oder Werkzeug?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1390776