Der erste Teil dieser Arbeit beschäftigt sich mit der Einnamigkeit und den Ursachen für die Entstehung von Familiennamen in Deutschland. Den Ursachen für die Namenbildung widmet sich der zweite Teil, in dem die verschiedenen Bildungsgruppen der Familiennamen vorgestellt werden sollen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Entstehung der Familiennamen
2.1 Das System der Einnamigkeit
2.2 Das System der Zweinamigkeit:
Die Entstehung von Familiennamen
3. Die Bildung der Familiennamen
3.1 Familiennamen aus Rufnamen
3.2 Familiennamen nach der Herkunft
3.3 Familiennamen nach der Wohnstätte
3.4 Familiennamen aus Berufs-, Amts- und Standesbezeichnungen
3.5 Familiennamen aus Übernamen
4. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die historische Entstehung und die linguistischen Bildungsprozesse von Familiennamen in Deutschland. Ziel ist es, nachzuvollziehen, wie durch den Übergang von der Einnamigkeit zur Zweinamigkeit und durch verschiedene gesellschaftliche sowie berufliche Faktoren ein System entstand, das heute als identitätsstiftendes Namensregister fungiert.
- Historische Entwicklung des Personennamensystems vom Mittelalter bis zur Neuzeit
- Differenzierung der fünf Hauptkategorien der Familiennamenbildung
- Einfluss gesellschaftlicher Strukturen und beruflicher Spezialisierung auf die Namensgebung
- Bedeutung der Orts- und Wohnstättenbezeichnungen für die historische Namengeographie
- Die Rolle der sozialen Kontrolle und Normvorstellungen bei der Entstehung von Übernamen
Auszug aus dem Buch
3.1 Familiennamen aus Rufnamen
Familiennamen, die aus Rufnamen entstanden, drücken ein Verhältnis des ersten Namenträgers zu einem anderen Menschen, meist die Abstammung vom Vater, seltener von der Mutter, oder die Beziehung zu einer anderen Person aus. In historischen Schriften des 14. Jahrhunderts aus Braunschweig finden sich unter den Genannten 5%, die durch Zufügungen von Namen anderer Personen näher gekennzeichnet sind; von 157 Namen geht hierbei die Ergänzung in 140 Fällen auf den Vater, in je fünf Fällen auf die Mutter oder Ehefrau, in je drei Fällen auf den Schwiegervater oder Bruder und in einem Fall auf den Onkel zurück.
Die Ableitung vom Rufnamen des Vaters, so genannte „Patronymika“, oder von der Mutter („Metronymika“) kann auf verschiedene Arten erfolgen. Besonders im Norden und Nordwesten des deutschen Sprachgebietes bildeten sich die Familiennamen häufig bei konsonantischem Ausgang durch einen starken Genitiv auf -s oder bei vokalischem Ausgang durch einen schwachen Genitiv auf -en: Beispielsweise wurde der Sohn des Hans Friedrich Hans Friedrichs Sohn genannt, was zu Friedrichssohn kontrahiert oder zu Friedrichsen und Friedrichs abgeschwächt wurde. In Schleswig-Holstein gehören Petersen, Hansen, Willemsen oder Jansen zu den geläufigsten Familiennamen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das allgemeine Interesse an der Namenforschung ein und erläutert den historischen Übergang vom System der Einnamigkeit zur Zweinamigkeit.
2. Entstehung der Familiennamen: Dieses Kapitel analysiert die Ursachen für die Entstehung von Familiennamen, insbesondere die Notwendigkeit der genaueren Personenidentifizierung in wachsenden Städten und durch soziale Faktoren.
3. Die Bildung der Familiennamen: Hier werden die fünf Kategorien der Namensbildung – Rufnamen, Herkunft, Wohnstätte, Berufsbezeichnungen und Übernamen – systematisch detailliert beschrieben.
4. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst zusammen, dass Familiennamen eine historische Erzählung über soziale Schichten, Handwerksleben und lokale Gegebenheiten darstellen und reflektiert den Wandel der Namensfunktion bis zum modernen Namensrecht.
Schlüsselwörter
Familiennamen, Rufnamen, Patronymika, Namenforschung, Onomastik, Wohnstättennamen, Berufsnamen, Übernamen, Etymologie, Namensgeschichte, Sozialgeschichte, Zweinamigkeit, Namengebung, Personenidentifizierung, Sprachwissenschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit behandelt die geschichtliche Entwicklung und die linguistische Kategorisierung von deutschen Familiennamen, von ihren Anfängen als Beinamen bis zur Etablierung als erblicher Identifikator.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentral sind der Übergang von der Einnamigkeit zur Zweinamigkeit, die soziokulturellen Beweggründe für die Namensbildung sowie die Klassifizierung der Namen in fünf spezifische Bildungsbereiche.
Welches ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die systematische Herleitung von Familiennamen aus Rufnamen, Wohnort, Herkunft, Beruf und Übernamen aufzuzeigen und deren Wert für die historische Namenforschung zu verdeutlichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Autorin verwendet eine deskriptiv-historische Methodik, die auf der Analyse von urkundlichen Belegen, historischen Namenswörterbüchern und der Interpretation von Fachliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die fünf Bedeutungskategorien, wobei jede Gruppe (Rufnamen, Herkunft, Wohnstätte, Beruf/Stand und Übernamen) anhand zahlreicher etymologischer Beispiele erläutert wird.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Onomastik, Namengeschichte, Patronymika, Wohnstättennamen und soziale Differenzierung geprägt.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen Herkunftsnamen und Wohnstättennamen?
Herkunftsnamen bezeichnen die Herkunft von Zugezogenen aus einem anderen Ort, während Wohnstättennamen den konkreten Wohnsitz von Einheimischen innerhalb eines Siedlungsraumes beschreiben.
Welche Bedeutung haben "Satznamen" innerhalb der Gruppe der Übernamen?
Satznamen sind eine spezifische Untergruppe, die aus einem ganzen Satz (oft mit einem Verb im Imperativ) entstanden sind und durch ihre Kürze und Spontanität im 14. und 15. Jahrhundert besonders populär waren.
Warum spielt die soziale Stellung bei der Familiennamenentstehung eine Rolle?
Der Adel und das städtische Patriziat nutzten Familiennamen früh zur Sicherung von Privilegien und zur bewussten Abgrenzung von niedrigeren sozialen Schichten, was die gesellschaftliche Bedeutung des Namens unterstrich.
- Arbeit zitieren
- Angela Lintzen (Autor:in), 2007, Die Entstehung und Entwicklung von Familiennamen in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/137729