Der Anteil an Schülern, die nach Abschluss der zehnten, zwölften oder dreizehnten Klasse „selbstständig und selbstbewusst“ englischsprachige Texte unterschiedlicher Sorten lesen, verstehen, bewerten und produzieren können, ist vergleichsweise klein. Grund für das häufig schwerfällige Erlernen von Englisch (wie auch anderer Fremdsprachen) liegt nicht nur in der Unterscheidung des Vokabulars und der Aussprache von der L1 Deutsch, sondern insbesondere in der Grammatik, denn wo innerhalb der Kategorien Wortschatz und Aussprache mit Unterschieden zum Deutschen gerechnet wird, überwiegen im Bereich der Grammatik augenscheinlich zunächst die Gemeinsamkeiten, was das Erlernen der Unterschiede umso schwerer macht. Diese Arbeit beschäftigt sich mit ebendiesen grammatikalischen Hürden im Erlernen der Fremdsprache Englisch und zeigt anhand von Lernertexten den Einfluss der deutschen Grammatik auf den schriftlichen Erwerb von Englisch als Fremdsprache auf.
Inhaltsverzeichnis
I Einleitung
II Einleitung in wesentliche Aspekte der deutschen Grammatik und ihrer Vermittlung
III Einleitung in wesentliche Aspekte der englischen Grammatik und ihrer Vermittlung
IV Analyse zweier Phänomene auf Basis von Lernertexten
IV.I Zeitformen
IV.II Satzbau
V Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss der deutschen Grammatik auf den schriftsprachlichen Erwerb des Englischen als Fremdsprache. Ziel ist es, anhand von analysierten Lernertexten aufzuzeigen, an welchen Stellen grammatikalische Transferleistungen auftreten und welche Schwierigkeiten diese beim Erwerb der englischen Zeitformen und des Satzbaus verursachen.
- Einfluss der L1 (Deutsch) auf den L2-Erwerb (Englisch)
- Grammatikalische Hürden bei der Zeitformenbildung
- Unterschiedliche Satzstrukturen im Deutschen und Englischen
- Analyse von authentischen Lernertexten zur Fehleridentifikation
- Herausforderungen der Transferleistung für Zweitsprachenlerner
Auszug aus dem Buch
IV Analyse zweier Phänomene auf Basis von Lernertexten
Schauen wir uns nun die in II und III beschriebenen Phänomene anhand eines Textbeispiels an.
Emilia ist in der 10. Klasse. Seit der ersten Klasse hat sie Englischunterricht; seit der dritten, Englisch als Hauptfach mit mindestens drei Stunden pro Woche. Seit ein paar Monaten geht sie zusätzlich zur schulexternen Nachhilfe, um sich auf die mündliche und schriftliche MSA Prüfung vorzubereiten. Für den Unterricht soll sie einen Tagebucheintrag zum vorgegebenen Thema „The relationship between teenagers and parents“ schreiben, der mindestens 200 Wörter umfassen soll. Der Anfang lautet wie folgt:
Dear diary,
I write this in my bedroom. I closed the door because mom and dad shout outside. They make this all the time.
Abgesehen von einigen Missverständnissen auf Wortschatzebene („make“ anstatt von „do“, „mom and dad“ kleingeschrieben), scheinen Emilia besonders die Zeitformen schwerzufallen. Insbesondere die Auseinandersetzung von Simple Present und Present Progressive. Und damit ist sie nicht allein. Während die meisten Englischlerner keine Probleme mit der Bildung beider Formen haben, haben sie Schwierigkeiten mit dem kontextbezogenen
Zusammenfassung der Kapitel
I Einleitung: Vorstellung der Relevanz der englischen Sprache in Deutschland und Definition der Problemstellung im Fremdsprachunterricht.
II Einleitung in wesentliche Aspekte der deutschen Grammatik und ihrer Vermittlung: Darstellung der Grundlagen und der Lehrmethodik der deutschen Grammatik als Basis für den weiteren Erst- und Zweitspracherwerb.
III Einleitung in wesentliche Aspekte der englischen Grammatik und ihrer Vermittlung: Überblick über die historische Einführung des Englischunterrichts und die zentralen grammatikalischen Strukturen.
IV Analyse zweier Phänomene auf Basis von Lernertexten: Anwendung der theoretischen Erkenntnisse auf praktische Beispiele von Lernern zur Untersuchung von Transferfehlern.
IV.I Zeitformen: Detaillierte Untersuchung, wie die deutsche Semantik bei Zeitformen auf das Englische übertragen wird und zu welchen Fehlern dies führt.
IV.II Satzbau: Analyse der Unterschiede in der Adverbialstellung und Satzstruktur zwischen beiden Sprachen anhand von Schülerbeispielen.
V Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Transferproblematik und Empfehlungen für den Unterricht zur Sensibilisierung für Sprachunterschiede.
Schlüsselwörter
Zweitspracherwerb, Grammatik, Transferleistung, Kontrastive Linguistik, Zeitformen, Simple Present, Present Progressive, Satzbau, Adverbialstellung, Lernertexte, L1-Einfluss, Fremdsprachenunterricht, Interferenz, Sprachvergleich, Didaktik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es grundsätzlich in dieser Arbeit?
Die Arbeit untersucht, wie deutsche Muttersprachler beim Erlernen der englischen Sprache durch die vorhandenen Strukturen der deutschen Grammatik beeinflusst werden und welche sprachlichen Hürden dabei entstehen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf dem Sprachvergleich zwischen Deutsch und Englisch, insbesondere bezüglich der Zeitformen und der korrekten Satzstruktur, sowie auf der Analyse von Transferfehlern in Lernertexten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Schüler gelernte grammatikalische Regeln ihrer Muttersprache auf das Englische übertragen und warum dies zu Fehlern führt, wenn die Strukturen nicht deckungsgleich sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine qualitative Analyse von authentischen Lernertexten angewandt, die mit theoretischen Modellen aus der Linguistik und der Zweitspracherwerbsforschung verknüpft wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert spezifisch die Schwierigkeiten von Schülern bei der Anwendung von Zeitformen und der Stellung von Adverbialen im englischen Satzgefüge.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Interferenz, schriftsprachlicher Erwerb, Transferleistung, einfache und progressive Zeitformen sowie syntaktische Regelmäßigkeiten im Satzbau.
Warum fällt Schülern die Unterscheidung von Simple Present und Present Progressive so schwer?
Da es im Deutschen für viele dieser feinen Unterscheidungen nur eine Form gibt, übertragen Schüler die deutsche Logik auf das Englische und nutzen die falsche Zeitform für den jeweiligen Kontext.
Welche Rolle spielt die Satzstruktur beim Spracherwerb?
Die feste Satzstruktur des Englischen, insbesondere die Stellung von Adverbialen, widerspricht oft der im Deutschen gewohnten Flexibilität, was zu Wortstellungsfehlern bei den Lernern führt.
Welches Fazit zieht die Autorin bezüglich des Englischunterrichts?
Die Autorin empfiehlt, Unterschiede zwischen der deutschen und englischen Sprache im Unterricht stärker hervorzuheben, um Schülern zu helfen, die spezifischen grammatikalischen Regeln der Zielsprache besser zu verinnerlichen.
- Arbeit zitieren
- Marie Will (Autor:in), 2020, Der Einfluss der deutschen Grammatik auf den schriftlichen Erwerb von Englisch als Fremdsprache, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1368685