Die Arbeit behandelt die Entwicklung der kaiserlichen Flotte und ihres Offizierskorps. Ausschlaggebende dabei die strategische Planung durch Admiral Tirbitz und deren Scheitern. Eingegangen wird inhaltlich auf die britische Seeblockade und Überlegenheit und die daraus resultierende weitestgehende deutsche Inaktivität zur See. Schwerpunkt bildet die Reaktion der Marineführung zum abzusehenden Kriegsende und unter der Gefahr einer kampflosen Auslieferung der Flotte. Die Arbeit setzt sich dahingehend auseinander mit, dem Zustand der Flotte im Jahr 1918, ihrer Stärke und Kampfkraft, den Offizieren und Mannschaften. Schließlich wird ausführlich Bezug genommen auf die Planungen der Marineführung bezüglich der beabsichtigten Schlacht, ihren Erfolgsaussichten und den Ursachen ihrer Verhinderung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Beurteilung der Quellenlage
3. Die kaiserlichen deutschen Marine bis 1914
3.1. Die Historie der Flotte
3.2. Strategisches Konzept - Tirpitz Plan und Risikogedanke
3.3. Flotte und Gesellschaft
3.4. Deutsch – englischer Rüstungswettlauf und Dreadnought - Schock
3.5. Scheitern eines Konzepts – Scheitern einer Flotte
4. Das Offizierskorps der kaiserlichen Marine
4.1. Auswahl und Zusammensetzung
4.2. Ausbildung - Drill und Gehorsam
4.3. Privatleben und gesellschaftliche Stellung
4.4. Politische Erziehung und Haltung im Dienst
5. Plan und Realität – Die Hochseeflotte im Weltkrieg
5.1. Skagerrak
5.2. Untätigkeit und ihre Folgen
5.3. Matrosenaufruhr 1917
5.4. Die Lage im Jahr 1918
6. Die Seekriegsleitung wird geschaffen
7. Das Waffenstillstandersuchen und seine Folgen
8. Der Operationsplan Nr. 19
8.1. Planungen und Ziele
8.2. Vorgesehener Verlauf des Unternehmens
9. Aufstand der Matrosen und Scheitern
10. Argumentationen Pro und Kontra - Chancen
11. Beurteilung des Flottenvorstoßes
12. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Hintergründe und Motivlagen des für Ende Oktober 1918 geplanten Vorstoßes der deutschen Hochseeflotte. Dabei wird analysiert, ob es sich um eine militärisch motivierte Operation zur Unterstützung der Heeresleitung, ein politisches Kalkül zur Sabotage der Friedensverhandlungen oder eine Art Selbstmordaktion zur Rettung der Ehre des Offizierskorps handelte.
- Entwicklung und Strategie der kaiserlichen Marine unter Admiral von Tirpitz
- Strukturen, Ausbildung und politische Ausrichtung des Seeoffizierskorps
- Die Passivität der Hochseeflotte im Ersten Weltkrieg und ihre Auswirkungen auf die Stimmung der Besatzungen
- Die Rolle der Seekriegsleitung und der Operationsplan Nr. 19 im Kontext der drohenden militärischen Niederlage
- Der Zusammenhang zwischen dem Flottenvorstoß, den Matrosenmeutereien und der Novemberrevolution
Auszug aus dem Buch
3.2. Strategisches Konzept - Tirpitz Plan und Risikogedanke
Eine Änderung in all diesen Fragen zeichnete sich durch das Zusammentreffen des Kaisers mit einem Marineoffizier ab dessen späterer Ruf als Baumeister der kaiserlichen Flotte als gerechtfertigt angesehen werden kann.
Adolf von Tirpitz, geboren 1849, wurde 1865 Marinekadett und nahm anfangs die übliche Laufbahn eines Seeoffiziers. Genügen soll hierzu, dass der technisch aufgeschlossene und versierte Offizier ab 1886 die Funktion des Inspektors der Torpedowaffe übernahm und maßgeblichen Anteil an der Weiterentwicklung dieser Waffen und deren Schiffe nahm. In dieser Funktion erhielt er erstmals auch Gelegenheit beim Kaiser Vortrag über seine Ansichten zu technischen, taktischen und strategischen Entwicklungen zu halten. (Vergl. Salewski, 1979, S. 24)
V.R. Berghahn verweist (1971, S. 46) darauf, dass es hier nicht ein rein deutsches Problem gab. Die stürmische technische Weiterentwicklung des Schiffsmaterials Ende des 19. Jahrhunderts brachte grundlegende Veränderungen mit sich. Den Wandel von Segel zum Dampfantrieb welcher die Schiffe unabhängiger vom Wetter machte, aber auch abhängig von Kohlenstationen. Die Verstärkung der Artillerie Bewaffnung, welche die Gefechtsentfernungen vergrößerte, Schließlich der Ersatz von Holz als Baumaterial durch Eisen und Stahl. Hinzu kamen die Erprobung und erster Einsatz neuer Waffen, von Torpedo und Mine und deren Trägern. Schließlich das U-Boot. All diese Veränderungen erzwangen auch neue taktische und strategische Vorstellungen. Auch Tripitz hatte sich einer solch neuen Vorstellung bedingungslos angeschlossen. Nach Sebastian Rojek (2017, S. 59) hatte Tirpitz schon zwischen 1892 und 1895 seine Positionen über die zukünftige Struktur der kaiserlichen Flotte entwickelt und in mehreren Druckschriften Pläne zur seemilitärischen Aufrüstung der Flotte vorgestellt. Diese hatten zum Ziel die Flotte zu einem Mittel auszubauen welches Deutschland den Weg zu einer international geachteten Weltmachtstellung ebnen würde.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Stellt das Forschungsziel vor, die Hintergründe und Thesen zum geplanten Flottenvorstoß Ende 1918 kritisch zu analysieren.
2. Beurteilung der Quellenlage: Diskutiert die Relevanz von nachkriegszeitlichen Auswertungen, persönlichen Aufzeichnungen und dem Ausschluss DDR-basierter Forschungsmaterialien.
3. Die kaiserlichen deutschen Marine bis 1914: Analysiert die Genese der Flotte, das Tirpitzsche Konzept und den deutsch-englischen Rüstungswettlauf bis zum Scheitern der ursprünglichen Strategie.
4. Das Offizierskorps der kaiserlichen Marine: Beleuchtet die Auswahl, Ausbildung und politische Prägung der Offiziere, die maßgeblich zu deren isolationistischem Selbstbild beitrug.
5. Plan und Realität – Die Hochseeflotte im Weltkrieg: Beschreibt die Diskrepanz zwischen der ursprünglichen Strategie und der tatsächlichen inaktiven Rolle der Schlachtflotte während des Krieges.
6. Die Seekriegsleitung wird geschaffen: Behandelt den Führungswechsel in der Marine 1918, der eine zentralisierte Steuerung und eine aggressivere Strategie forcieren sollte.
7. Das Waffenstillstandersuchen und seine Folgen: Analysiert die Reaktion der Marineführung auf die drohende Niederlage und das Waffenstillstandsgesuch der Heeresleitung.
8. Der Operationsplan Nr. 19: Dokumentiert die spezifischen Planungen für den geplanten letzten Vorstoß der Flotte gegen England.
9. Aufstand der Matrosen und Scheitern: Schildert, wie der Widerstand der Besatzungen den Angriff am 29./30. Oktober 1918 verhinderte und die folgende Revolution einleitete.
10. Argumentationen Pro und Kontra - Chancen: Diskutiert die theoretischen Erfolgsaussichten und die technische sowie personelle Lage der Flotte bei Kriegsende.
11. Beurteilung des Flottenvorstoßes: Bewertet die verschiedenen Thesen, ob es sich um letzte Ehrenrettung oder politisches Kalkül handelte.
12. Fazit: Fasst zusammen, dass die Flottenführung die politische Sprengkraft ihres Handelns unterschätzte und das Scheitern eine Folge langfristiger struktureller Probleme war.
Schlüsselwörter
Hochseeflotte, Erster Weltkrieg, Seekriegsleitung, Admiral Reinhard Scheer, Tirpitz-Plan, Matrosenaufstand, Waffenstillstand, Marineoffizierskorps, Flottenvorstoß, Oktober 1918, U-Boot-Krieg, deutsche Novemberrevolution, Strategie, militärische Niederlage, Ehre.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es grundsätzlich in dieser Arbeit?
Die Masterarbeit analysiert die Hintergründe des geplanten, aber gescheiterten Flottenvorstoßes der deutschen Hochseeflotte gegen England im Oktober 1918 und dessen Auswirkungen auf das Ende des Ersten Weltkriegs.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Untersuchung umfasst die Strategieentwicklung der kaiserlichen Marine, das Selbstverständnis des Offizierskorps, die Auswirkungen der Inaktivität der Flotte sowie das politische Klima in der Endphase des Krieges.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die verschiedenen Thesen zum "Warum" dieses letzten geplanten Flotteneinsatzes kritisch gegeneinander abzuwägen: Ging es um eine militärische Notwendigkeit, politische Sabotage oder eine Frage der militärischen Ehre?
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die Primärquellen, Tagebuchaufzeichnungen, Berichte des Reichstagsuntersuchungsausschusses sowie die relevante Nachkriegsliteratur und zeitgeschichtliche Forschung ausgewertet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die historische Entwicklung der Marine, die Ausbildung ihres Offizierskorps, die Rolle der Seekriegsleitung bei der Initiierung des Angriffsplans Nr. 19 sowie die Revolte der Matrosen, die diesen Plan vereitelte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter sind u.a. Hochseeflotte, Seekriegsleitung, Matrosenaufstand, Flottenvorstoß 1918, Admiral Scheer und die ideologische Prägung des Offizierskorps.
Warum wird der "Tirpitz-Plan" so detailliert betrachtet?
Weil der gesamte Flottenaufbau und die damit verbundene Strategie auf den Tirpitz-Plan zurückgehen, dessen Scheitern im Weltkrieg die notwendige Bedingung für die verzweifelten Aktionen im Herbst 1918 darstellte.
Wie bewertet der Autor die Rolle des Offizierskorps?
Der Autor zeigt auf, dass das Offizierskorps durch eine erziehungsbedingte Isolation und eine reaktionäre politische Grundeinstellung kaum in der Lage war, die soziale Realität der Mannschaften wahrzunehmen, was die Entfremdung und den späteren Aufstand massiv beförderte.
- Arbeit zitieren
- Fred Göllnitz (Autor:in), 2022, Der geplante Vorstoß der deutschen Hochseeflotte im Oktober 1918 und sein Scheitern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1338763