Ziel dieser Arbeit wird es sein, am Beispiel von Präpositionalgruppen (als Form in einem Satz) zu eruieren, dass diese eine mögliche Ursache für mehrdeutige Sätze darstellen können. Dazu werden mithilfe syntaktischer Analysen diese verschiedenen Deutungen mit unterschiedlichen Funktionen der Präpositionalgruppen erklärt und diskutiert. Im ersten Kapitel finden sich grundlegende theoretische Annahmen zu jenen Präpositionalgruppen, wobei hierfür die DUDEN- und Eisenberg-Grammatik herangezogen wird. Anhand von drei Beispielsätzen wird im zweiten und Hauptkapitel versucht, die Mehrdeutigkeiten syntaktisch zu analysieren, d.h. aufzuzeigen, welche zwei Sichtweisen die Sätze eröffnen (junge und alte Frau). Am Ende der Arbeit bleibt zu klären, inwieweit die Mehrdeutigkeit jener Sätze ebenso gleichwertig sind wie die der Sichtweisen auf das Kippbild der zwei Frauen oder tatsächlich mehr oder weniger gute Formulierungen (Sätze) vorliegen.
Betrachtet man die Zeichnung ein erstes Mal, ist eine alte Frau zu erkennen. Ohne, dass sich das Bild verändert, sieht man im nächsten Moment eine junge Frau, die sich vom Betrachter abwendet (Anhang 1). Das berühmte Kippbild vereint zwei verschiede Ansichten, zwischen denen der Betrachter bewusst wechseln kann (vgl. Glossar der Bildphilosophie). Es liegen sozusagen zwei Deutung einer Zeichnung vor: Sie ist mehrdeutig. Dabei sind beide Deutungen der Formen, die die Zeichnung präsentiert, gleichermaßen gültig, d.h. die präskriptive Annahme einer ‚richtigen‘ Sichtweise erweisen sich an dieser Stelle als überflüssig. Und so offenbart auch Sprache als Zeichensystem Formen, die dem Rezipienten mehr oder weniger eindeutig erscheinen können. Dabei kann ein Satz durchaus als Bild verstanden werden, welches verschiedene sprachliche Zeichen in einer bestimmten Form funktional zueinander in Relation setzt und sich in dieser Form als Bild dem Rezipienten präsentiert. Die Deutung dieses Bildes als Satz kann dabei in einigen Fällen ebenso mehrdeutig ausfallen, d.h. es ist dem Rezipienten möglich, zwei Lesarten eines Satzes ausfindig zu machen und dies ohne, dass die Form der einzelnen Satzteile und damit der Satz verändert wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theorie
2.1 Präpositionalgruppen in der Duden-Grammatik
2.2 Präpositionalgruppen in der Eisenberg-Grammatik
2.3 Vergleichende Zusammenfassung
3. Exemplarische Analysen
3.1 Satz 1: Straftaten durch die Polizei
3.1.1 Analyse
3.1.2 Diskussion
3.2 Satz 2: Polizei mit Schlagstöcken
3.2.1 Analyse
3.2.2 Diskussion
3.3 Satz 3: Staatsanwaltschaft in Clownskostümen
3.3.1 Analyse
3.3.2 Diskussion
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwiefern die syntaktische Struktur von Präpositionalgruppen zur Mehrdeutigkeit von Sätzen beitragen kann. Dabei wird analysiert, wie unterschiedliche Lesarten durch die funktionale Zuweisung der Präpositionalgruppen als adverbiale Angabe oder Präpositionalattribut entstehen und ob sich diese Mehrdeutigkeiten durch syntaktische Umstellungen auflösen lassen.
- Syntaktische Mehrdeutigkeit durch Präpositionalgruppen
- Funktionale Analyse: Adverbiale Angabe vs. Präpositionalattribut
- Einfluss des Weltwissens des Rezipienten auf die Interpretation
- Analyse und Diskussion realer und konstruierter Beispielsätze
- Ansätze zur Vermeidung von Unklarheiten durch Umformulierung
Auszug aus dem Buch
3.1 Satz 1: Straftaten durch die Polizei
Es handelt sich bei dem Satz zunächst um eine Passivkonstruktion, genauer um ein werden-Passiv, bei dem der Agens i.d.R. wegfällt, in diesem Falle jedoch als PrGr durch die Polizei als fakultatives Element dem Satz beigefügt wurde. Die gewählte Platzierung dieser PrGr im Satz hinter die Konstituente von Straftaten hat zwei mögliche Lesarten zur Folge.
Die PrGr durch die Polizei könne zunächst als adverbiale Angabe analysiert werden, die den Sachverhalt näher beschreibt, d.h. in diesem Fall angibt, auf welche Art das Videoüberwachen in diesem Bereich durchgeführt wird. In diesem Fall kann von einer modalen Funktion der PrGr als Adverb gesprochen werden: durch die Polizei modifiziert videoüberwachen (Abb. 1).
In einer zweiten möglichen Analyse der PrGr fungiert diese als Präpositionalattribut mit Bezug auf das Substantiv Straftaten, d.h. dieses wird durch die PrGr modifiziert. Da die Valenz des Substantivs eine PrGr mit durch als fakultatives Attribut zulässt, ist es auch rein syntaktisch zulässig, dass die Polizei in diesem Falle als Ursache für die Straftaten gilt. Anders als in Analyse 1 ist die PrGr Teil der übergeordneten PrGr zur Verhütung von Straftaten (Abb. 2).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Thema der syntaktischen Mehrdeutigkeit am Beispiel von Präpositionalgruppen, motiviert durch den Vergleich mit Kippbildern.
2. Theorie: Theoretische Grundlagen zu Präpositionalgruppen basierend auf der Duden- und Eisenberg-Grammatik, mit Fokus auf deren Funktionen als adverbiale Angabe oder Präpositionalattribut.
3. Exemplarische Analysen: Detaillierte syntaktische Untersuchung dreier Beispielsätze, bei denen die Position und Funktion von Präpositionalgruppen zu unterschiedlichen Lesarten führt.
4. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse, welche aufzeigt, dass Mehrdeutigkeit stark von der individuellen Interpretation des Rezipienten abhängig ist.
Schlüsselwörter
Präpositionalgruppe, Syntax, Mehrdeutigkeit, Adverbiale Angabe, Präpositionalattribut, Sprachanalyse, Grammatik, Linguistik, Lesarten, Satzstruktur, Weltwissen, Rezipient, Passivkonstruktion, Aktivkonstruktion, Bedeutung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der syntaktischen Mehrdeutigkeit in deutschen Sätzen, die durch die Verwendung von Präpositionalgruppen hervorgerufen wird.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder sind die funktionale Differenzierung zwischen adverbialen Angaben und Präpositionalattributen sowie deren Einfluss auf die Deutbarkeit von Sätzen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu eruieren, inwiefern Präpositionalgruppen eine Ursache für die Mehrdeutigkeit von Sätzen darstellen und wie diese syntaktisch erklärt werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine deskriptive, syntaktische Analyse auf Basis bestehender grammatiktheoretischer Ansätze (Duden- und Eisenberg-Grammatik) angewandt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert drei spezifische Beispielsätze, bei denen die Mehrdeutigkeit der Präpositionalgruppen exemplarisch aufgeschlüsselt und diskutiert wird.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Präpositionalgruppe, syntaktische Mehrdeutigkeit, adverbiale Angabe, Präpositionalattribut und individuelle Interpretation.
Wie beeinflusst das Vorwissen den Leser bei der Deutung des Satzes über die Polizei?
Die Arbeit legt dar, dass die Erwartungshaltung und das Weltbild des Rezipienten darüber entscheiden, ob die Polizei als Akteur der Überwachung oder als Ursache der Straftaten wahrgenommen wird.
Warum wird im Fazit ein Vergleich zu Kippbildern gezogen?
Der Vergleich dient zur Illustration, dass Sätze, ähnlich wie optische Phänomene, verschiedene gleichzeitig existierende, aber in der Bewertung ungleiche Lesarten zulassen können.
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- Eva Renz (Autor), 2022, Darstellung der Mehrdeutigkeit von Sätzen am Beispiel von Präpositionalgruppen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1337532