Besonders angeregt durch Birger Priddats Essays in "Moralischer Konsum" (1998) mit Verbindungen zu Erving Goffmans ethnografischen Beobachtungen ist es ein wesentlicher Bestandteil der Hausarbeit, herauszufinden, ob und wie es einen moralischen Konsum geben kann (moralisch im Sinne von sittlich, sozial erwünscht, der Gemeinschaft dienlich) und welche Optionen in der Interaktion mit Unternehmen als Interaktionspartner vorliegen (können).
Umgekehrt möchte ich sowohl der Frage nachgehen, wie Unternehmen mit Konsumenten über rein monetäre Kontakte hinaus in Verbindung treten als auch wie und warum diese Interaktionen positiv angenommen oder abgelehnt (negativ angenommen) werden können (diese Annahme bzw. Ablehnung bezeichne ich als Anschluss- und Ausschlusskommunikation). Andere Interaktionsteilnehmer außerhalb dieser zwei werden daher nur marginal angeschnitten.
Zu Beginn meiner Arbeit an dem Thema war ich sehr darauf bedacht, die Entstehung und die möglichst objektiven Gründe für unternehmerische Verantwortung wie sie sich – zumindest offiziell – in Form der Corporate Social Responsibility (CSR) entwickelt haben, herauszuarbeiten und mit Interaktionen und deren Ritualen zu verknüpfen. Letztendlich stellte sich mir aber die Frage nach dem Grad eines derartigen Erkenntnisgewinns auf einer Makroebene, losgelöst von alltäglichen Prinzipien und Erfahrungswelten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Idee der unternehmerischen Verantwortung
3 Interaktionsrituale – zwischen Angebot und Nachfrage
3.1 Konsum in der Interaktion mit dem Markt
3.1.1 Konsumenten und Requisiten
3.1.2 Konsum und Moral
3.2 Warum Unternehmen Verantwortung übernehmen
4 Anschluss- versus Ausschlussfähigkeit
4.1 Ausschlussfähigkeit
4.2 Anschlussfähigkeit
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, inwiefern unternehmerische soziale Verantwortung als ein soziales Interaktionsritual verstanden werden kann, das über rein monetäre Austauschbeziehungen hinausgeht, um moralische Anforderungen zwischen Unternehmen und Konsumenten zu erfüllen oder zu missachten.
- Verknüpfung von ökonomischem Handeln und sozialer Verantwortung
- Analyse von Konsum als moralischer Handlungsprozess
- Die Rolle von Imagepflege und Interaktionsstrategien
- Konzept der Anschluss- und Ausschlusskommunikation
- Einfluss von Marktdruck und Wahlmöglichkeiten auf moralisches Verhalten
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Konsumenten und Requisiten
Warum also ist die Idee der gesellschaftlichen, ökologischen und sonstigen Verantwortung in die Prinzipien der einfachen Erwirtschaftung von Geldmitteln, getragen durch einen Nachfragemarkt, eingekehrt?
Zunächst seien die Konsumenten und ihre Interaktionsmöglichkeiten (real oder angedacht) zu betrachten: Einerseits ist jeder Mensch in ein soziales Gefüge eingebunden und andererseits auf seine momentanen Handlungen bedacht (vgl. Goffman 1994, S.12). Daraus resultiert, dass er sich sowohl seiner näheren Umgebung verpflichtetet als auch über seine Ansichten, Anschauungen und Lebenseinstellungen definiert, die über die direkte Interaktion hinausgehen.
Das, was ihn umgibt, das heißt, insbesondere die Requisiten (vgl. u. a. Ullrich 2006, S. 53ff.) die er sich zu seiner Selbstdarstellung (ob bewusst oder unbewusst) anschafft, trägt ebenso wie seine Handlungen zu einem vermittelten Image bei.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung des Forschungsinteresses, unternehmerische Verantwortung und soziale Interaktionen mit den Ansätzen von Priddat und Goffman zu verbinden.
2 Die Idee der unternehmerischen Verantwortung: Darlegung der theoretischen Konzepte von Corporate Social Responsibility (CSR) und der Veränderung hin zur Annäherung an diverse Stakeholder.
3 Interaktionsrituale – zwischen Angebot und Nachfrage: Untersuchung des Konsums als soziales Handeln und der Gründe, warum Unternehmen in ein moralisches Image investieren.
4 Anschluss- versus Ausschlussfähigkeit: Analyse konkreter Kommunikationsrisiken bei Diskrepanzen zwischen kommunizierten Werten und tatsächlicher Unternehmensrealität.
5 Fazit: Zusammenfassende Bewertung, dass Konsum moralisch geprägt ist und Unternehmen durch Imagepflege in interaktiven Austauschprozessen agieren.
Schlüsselwörter
Gesellschaftliche Verantwortung, Corporate Social Responsibility, CSR, Interaktionsritual, Konsum, Moral, Anschlussfähigkeit, Ausschlussfähigkeit, Imagepflege, Stakeholder, Wertekommunikation, Konsumenten, Soziale Interaktion, Markt, Nachhaltigkeitsberichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie unternehmerische Verantwortung innerhalb von sozialen Interaktionsprozessen zwischen Unternehmen und Konsumenten kommuniziert und wahrgenommen wird.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Arbeit fokussiert sich auf die Verbindung von Konsumverhalten, moralischen Anforderungen und strategischer Imagepflege von Unternehmen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu ergründen, ob und wie moralischer Konsum möglich ist und durch welche Interaktionsstrategien Unternehmen versuchen, die Anschlussfähigkeit bei ihren Stakeholdern zu sichern.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär angewandt?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung auf Basis soziologischer Begriffe, insbesondere unter Rückgriff auf die Interaktionstheorien von Erving Goffman und die Systemtheorie, ergänzt durch Beispiele aus der Unternehmenspraxis.
Was bildet den Schwerpunkt des Hauptteils?
Der Hauptteil behandelt die Verschränkung von Konsumverlangen und moralischen Erwartungen sowie die Konsequenzen, wenn ein Unternehmen durch seine Handlungen Diskrepanzen zur kommunizierten Verantwortung aufweist.
Durch welche Schlüsselbegriffe ist die Arbeit charakterisiert?
Zu den prägenden Begriffen gehören CSR, Interaktionsrituale, Anschluss- und Ausschlussfähigkeit sowie Wertekommunikation.
Wie spielt das Konzept der "Ausgleichshandlung" im Fallbeispiel Shell eine Rolle?
Eine Ausgleichshandlung dient Unternehmen dazu, nach einem Kommunikationsbruch oder Fehlverhalten verloren gegangenes Vertrauen durch sichtbare Anpassungen oder symbolische Akte wiederzugewinnen.
Warum wird die Deutsche Bahn als Beispiel für Anschlussfähigkeit herangezogen?
Die Deutsche Bahn verdeutlicht, dass eine Diskrepanz zwischen werblichen Versprechen zum "ressourcenschonenden Bahnfahren" und der realen Servicequalität die Anschlussfähigkeit bei den Konsumenten gefährden kann.
- Quote paper
- Lilie Basel (Author), 2009, Gesellschaftliche Verantwortung als Interaktionsritual, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1337475