Eine Duale Einkommensteuer, wie sie in Skandinavien in unterschiedlichen Reifegraden seit gut zehn Jahren praktiziert wird, findet in letzter Zeit auch hierzulande vermehrt Aufmerksamkeit.
Gerade Kapitalsteuern stehen in Zeiten der globalisierten Finanzmärkte unter Abwärtsdruck, da sie Aufkommen aus einem als sehr mobil geltenden Faktor generieren sollen, dessen Erträge überdies leicht hinterzogen werden können. Niedrige Steuersätze auf Kapitaleinkommen (im Vergleich zu hohen auf Arbeitseinkommen) gewinnen damit mehr und mehr an Attraktivität und scheinen –zumindest als Zweitbest-Lösung, wenn ein vollständiger Informationsaustausch nicht gewährleistet werden kann- einen Teil der Kapitalerträge in die deutsche Steuerhoheit zurückholen bzw. überhaupt erst attrahieren zu können. Darüber hinaus werden positive allokative Eigenschaften einer niedrigeren Steuer auf Kapitalerträge genannt, wie etwa die Stimulierung der Ersparnisse, die erreicht werden kann, ohne gleich die extreme Form einer vollständigen Konsumsteuer einzuführen.
Allerdings bricht die Duale Einkommensteuer mit dem Prinzip der globalen Besteuerung aller Einkünfte und nach Meinung insbesondere vieler Vertreter des Steuerrechts mit dem Leistungsfähigkeitsprinzip. Darüber hinaus scheint sie auf den ersten Blick ungewollte distributive Implikationen nach sich zu ziehen.
Der Aufbau der Arbeit ist wie folgt: Abschnitt 2 definiert die Duale Einkommensteuer nordischen Typs und grenzt sie gegenüber verwandten und möglicherweise namensgleichen (aber inhaltlich unterschiedlichen) Konzepten ab. Im Abschnitt 3 werden die Begründungen für die Einführung der Dual Income Tax in Skandinavien aufgeführt und erläutert, woran sich im vierten Abschnitt die getroffenen Maßnahmen zur praktischen Umsetzung anschließen. Abschnitt 5 führt einige grundsätzliche in den nordischen Staaten aufgetretene Probleme mit dem neuen Steuersystem auf, anschließend werden im Abschnitt 6 an Hand verschiedener vorhandener empirischer Arbeiten kurz einige Auswirkungen der Dualen Einkommensbesteuerung –in Bezug auf die theoretische Fundierung im dritten Abschnitt- untersucht. In Abschnitt 7 wird ein zusammenfassender Schluss gegeben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Grundlegende Merkmale und Abgrenzung der Dualen Einkommensteuer
3. Begründungen zur Einführung der DIT in den skandinavischen Ländern
3.1 Verbesserte Erfassung und Erhebung
3.2 Verbesserte allokative Eigenschaften der Besteuerung
3.2.1 Investition
3.2.2 Finanzierung
3.2.3 Rechtsformneutralität
3.2.4 Exkurs: Konsumbasierte Steuersysteme
3.2.5 Arbeitsangebot
3.2.6 Konsum, Ersparnis und Inflation
3.2.7 Humankapital
3.3 Verbesserte Position im internationalen Wettbewerb
4. Konkrete Ausgestaltung in den einzelnen Staaten
4.1 Grundsätzliches zur Entwicklung der Steuersätze und der persönlichen Bemessungsgrundlage
4.2 Besteuerung von Unternehmen
4.2.1 Veränderungen hinsichtlich der Bemessungsgrundlage
4.2.2 Die Besteuerung kleiner und mittlerer Unternehmen
4.3 Behandlung einzelner Kapitaleinkommen
4.3.1 Veräußerungsgewinne
4.3.2 Dividenden
4.3.3 Weitere Kapitaleinkommen
4.4 Weitere Entwicklungen im Zuge der Einführung der DIT
4.4.1 Die besondere Rolle Dänemarks
4.4.2 Neuere Vorschläge zur Weiterentwicklung der DIT
5. Ausgewählte Probleme der Dual Income Tax
5.1 Umwidmung von Arbeits- in Kapitaleinkommen
5.2 Internationale Kompatibilität des Vollanrechnungssystems
5.3 Schwierigkeiten des RISK-Modells
5.4 Aspekte der Leistungsfähigkeit
6. Festgestellte Wirkungen der Dual Income Taxation in den skandinavischen Ländern
6.1 Finanzierungs- und Investitionsverhalten der Unternehmen
6.2 Die Reaktion der privaten Haushalte
6.2.1 Sparen und Konsumieren
6.2.2 Arbeitsangebot und Humankapitalbildung
6.3 Gesamtwirtschaftliche Aspekte
6.3.1 Effizienzsteigerungen und Steueraufkommen
6.3.2 Verteilungswirkungen
7. Zusammenfassender Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Diplomarbeit untersucht die Implementierung und die ökonomischen Wirkungen der Dualen Einkommensteuer (Dual Income Tax) in skandinavischen Ländern. Dabei wird analysiert, wie diese Steuersysteme theoretisch begründet sind, welche konkreten Ausgestaltungen gewählt wurden und welche empirischen Ergebnisse sich hinsichtlich Investitionen, Arbeitsangebot und Verteilungsgerechtigkeit feststellen lassen.
- Theoretische Grundlagen und Merkmale der Dualen Einkommensteuer.
- Analyse der Beweggründe für die Einführung des Steuersystems in Skandinavien.
- Detaillierte Untersuchung der Ausgestaltung in verschiedenen Staaten und bei unterschiedlichen Unternehmensgrößen.
- Diskussion von Problemen wie Steuerumgehung und internationaler Kompatibilität.
- Evaluierung der Auswirkungen auf das Investitionsverhalten, private Haushalte und gesamtwirtschaftliche Kennzahlen.
Auszug aus dem Buch
3.1 Verbesserte Erfassung und Erhebung
In aller Regel sind moderne Einkommensteuersysteme (mindestens) einem Trade-off unterworfen: Dem zwischen der möglichst sachgerechten, gleichmäßigen Erfassung der Bemessungsgrundlage und dem Desiderat, die Erhebungskosten (sowohl auf Seiten der Verwaltung als auch des Steuerpflichtigen) möglichst gering zu halten. Wenn eine gleichmäßige Besteuerung der individuellen Leistungsfähigkeit gewährleistet werden soll, so führt dies zwangsläufig dazu, dass mit steigendem Grad an Gleichbehandlung mehr Einzelfälle und Regelungen zu berücksichtigen sind, was zu einer höheren Komplexität des Steuersystems führt. Diese hat – neben dem erwünschten Aspekt der höheren Gleichmäßigkeit- auch einen Effizienzaspekt, der sich darin ausdrückt, dass die Steuerpflichtigen zum einen ihre Entscheidungen möglicherweise steuerinduziert treffen (dazu mehr im Abschnitt 3.2), sich also die Effizienzkosten der Besteuerung erhöhen, zum anderen, dass Steuerplanungs- und -vermeidungsaktivitäten in Gang gesetzt werden, welche wiederum die Erhebungs- bzw. Erfüllungskosten (,,compliance costs“) erhöhen.
Der Schritt zur Dualen Einkommensbesteuerung überrascht insofern (zumindest auf den ersten Blick), als eine relative Benachteiligung der Lohneinkommen angenommenermaßen vor allem Empfänger kleiner Einkommen benachteiligt und es eben gerade die skandinavischen Staaten sind, die von jeher eine hohe Präferenz für eine egalitäre Verteilung von Einkommen und Vermögen und damit eine starke Redistribution durch Steuern haben. Es ist daher keineswegs selbstverständlich oder naheliegend, dass gerade in diesen Ländern die hoch bewertete Umverteilung durch Steuern dem Altar erhöhter erhebungstechnischer Effizienz geopfert wird.
Dies ist aber leicht dadurch erklärbar, dass –zumindest in den Augen der verantwortlichen politischen und wissenschaftlichen Beteiligten- nicht nur eins, sondern beide Ziele nicht oder nur schlecht verwirklicht wurden. Durch die Reform der Besteuerung sollte transparent und mit geringem Aufwand ermittelbar werden, wer wie Steuern zu entrichten hat.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Das Kapitel führt in das Konzept der Dualen Einkommensteuer in Skandinavien ein und erläutert die Motivation für die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit diesem Thema.
2. Grundlegende Merkmale und Abgrenzung der Dualen Einkommensteuer: Hier werden die theoretischen Definitionen und die Abgrenzung zu anderen Steuersystemen wie der synthetischen Einkommensteuer vorgenommen.
3. Begründungen zur Einführung der DIT in den skandinavischen Ländern: Dieses Kapitel analysiert die fiskalischen und ökonomischen Gründe für den Systemwechsel, insbesondere im Hinblick auf Effizienz und Erhebungsaufwand.
4. Konkrete Ausgestaltung in den einzelnen Staaten: Ein detaillierter Überblick über die praktischen Umsetzungen und nationalen Besonderheiten der DIT in den einzelnen skandinavischen Ländern.
5. Ausgewählte Probleme der Dual Income Tax: Diskussion von Schwierigkeiten bei der praktischen Anwendung, wie etwa Umwidmungsanreize und internationale Steuerkompatibilität.
6. Festgestellte Wirkungen der Dual Income Taxation in den skandinavischen Ländern: Empirische Betrachtung der Auswirkungen auf Investitionen, das Verhalten privater Haushalte und makroökonomische Indikatoren.
7. Zusammenfassender Ausblick: Eine abschließende Würdigung des dualen Steuermodells und ein Ausblick auf die Zukunftsfähigkeit dieses Ansatzes im internationalen Standortwettbewerb.
Schlüsselwörter
Duale Einkommensteuer, Skandinavien, Steuerreform, Kapitalbesteuerung, Arbeitseinkommen, Steuereffizienz, Investitionsneutralität, Steuerumgehung, Fiskalpolitik, Umverteilung, Steuersätze, Unternehmensbesteuerung, Finanzierungsneutralität, Einkommenssplitting, Vollanrechnungssystem
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit?
Die Arbeit analysiert das Konzept und die Einführung der Dualen Einkommensteuer (Dual Income Tax) in den skandinavischen Ländern unter Berücksichtigung theoretischer Begründungen und empirischer Wirkungen.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Studie?
Zu den Kernbereichen zählen die Steuergestaltung, die Besteuerung von Unternehmen und Kapitaleinkünften sowie die ökonomischen Reaktionen von Haushalten und Unternehmen auf die Reformen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Erfahrungen mit der Dualen Einkommensteuer zu evaluieren und zu verstehen, warum diese Länder den Schritt weg von der synthetischen Besteuerung hin zur dualen Struktur gewählt haben.
Welche wissenschaftliche Methode wurde gewählt?
Es handelt sich um eine ökonomische Analyse, die theoretische Modelle (wie Investitions- und Finanzierungsneutralität) mit empirischen Beobachtungen und Daten aus den skandinavischen Ländern kombiniert.
Welche Inhalte stehen im Hauptteil der Arbeit im Fokus?
Der Hauptteil befasst sich mit der konkreten Ausgestaltung in den Staaten, den Problemen bei der Umsetzung, wie etwa der Umwidmung von Einkommensarten, sowie der Analyse tatsächlicher ökonomischer Auswirkungen.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit am besten?
Begriffe wie Dual Income Tax, Investitionsneutralität, Steuereffizienz, Skandinavien, Kapitalbesteuerung und Steuerreform stehen im Zentrum der Untersuchung.
Wie unterscheidet sich die DIT von einer klassischen Einkommensteuer?
Die Duale Einkommensteuer trennt konsequent zwischen der Besteuerung von Arbeitseinkommen (progressiv) und Kapitaleinkommen (meist proportional zu einem niedrigeren Satz).
Welche Rolle spielt die internationale Kompatibilität in der Arbeit?
Ein wichtiger Aspekt ist die Frage, wie sich das Steuersystem im internationalen Wettbewerb behauptet und ob es zu Konflikten bei der grenzüberschreitenden Besteuerung von Dividenden kommt.
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- Dr. Martin Duensing (Author), 2004, Der skandinavische Schritt zur Dualen Einkommensteuer, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132836