„Das bürgerliche Lustspiel ‚Die Hose’ nimmt in Sternheims Werk eine Stellung ein, die [mit] derjenigen des ‚Urteils’ für Kafkas Entwicklung vergleichbar ist.“ Carl Sternheim beginnt am 7. Juli 1909 mit der ersten Niederschrift des bürgerlichen Lustspiels „Der Riese“. Am 1. September 1910 schließt er die Bearbeitung ab und veröffentlicht sie Ende 1910 unter dem Titel „Die Hose“. Max Reinhardt nimmt die Komödie im Oktober 1910 zur Uraufführung im Deutschen Theater an. Der Inhalt: Ein unbescholtenes Bürgerweib, das die ‚Unaussprechlichen’ verliert, wodurch zwei lüsterne Untermieter magnetisch angelockt werden, um ihr den Hof zu machen, und ihr Ehemann, der kleine Beamte Theobald Maske, der seine Neigungen unter der Tarnkappe seiner Unscheinbarkeit zu verbergen gelernt hat, und die Fähigkeit besitzt, aus diesem ‚Unglück’ mehrfach Kapital zu schlagen und wie ein ‚Riese’ den Sieg über sein Weib davonzutragen, dieser Stoff war ganz darauf angelegt, die getarnte Wohlanständigkeit und Prüderie der wilhelminischen Bürger zu schockieren und als Schein zu entlarven.
Gliederung
1. Einleitung
2. Techniken der Figurencharakterisierung in Sternheims Komödie „Die Hose“, dargestellt am Beispiel des Ehepaars Maske
2.1 Figurale Charakterisierung
2.1.1 Explizite figurale Charakterisierung
2.1.1.1 Eigenkommentar im Dialog
2.1.1.1.a Theobald Maske
2.1.1.1. b Luise Maske
2.1.1.2 Eigenkommentar im Monolog Luise Maske
2.1.1.3 Fremdkommentar im Dialog
2.1.1.3.1 Fremdkommentar im Dialog in praesentia
2.1.1.3.2. Fremdkommentar im Dialog in absentia
2.1.2. Implizite figurale Charakterisierung
2.1.2.1 Außersprachliche figurale Charakterisierung
2.1.2.1. a Theobald Maske
2.1.2.1. b Luise Maske
2.1.2.2 Sprachliche figurale Charakterisierung
2.1.2.2. a Theobald Maske
2.1.2.2. b Luise Maske
2.2. Auktoriale Charakterisierung
2.2.1. Explizit auktoriale Charakterisierung – Sprechender Name
2.2.1.1 Theobald Maske
2.2.1.2 Luise Maske
2.2.2. Implizit auktoriale Charakterisierung
2.2.2.1 Korrespondenz und Kontrast
2.2.2.1.a Theobald Maske
2.2.2.1.b Luise Maske
2.2.2.2 Implizit charakterisierender Name
3. Zusammenfassung und Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Techniken der Figurencharakterisierung in Carl Sternheims Komödie „Die Hose“, wobei der Fokus gezielt auf dem Ehepaar Maske liegt, um deren ambivalente Charaktergestaltung und gesellschaftliche Positionierung im Drama zu analysieren.
- Analyse der expliziten und impliziten figuralen Charakterisierung.
- Untersuchung der auktorialen Charakterisierung durch sprechende Namen und Kontrastfiguren.
- Deutung der Rolle von Theobald Maske als „Riese“ im Spießerheim.
- Betrachtung der psychologischen und sozialen Dynamik zwischen den Ehepartnern.
- Evaluation des ausbleibenden „Happy Ends“ im Kontext gesellschaftlicher Krisen.
Auszug aus dem Buch
2.1.1.1.a Theobald Maske
Theobald Maske trifft im Stück häufig Selbstaussagen. Bei diesen geht es hauptsächlich um seinen Beruf, um seine Vorliebe für Ordnung, seine Bildung sowie um seine Einstellung zum Triebhaften.
Theobald bezeichnet sich selbst als kleinen Mann, als „einfache[n] Beamte[n]“6. Er betrachtet diesen Beruf als vom Schicksal gegeben und verdient 700 Taler. Theobald macht über seinen Beruf eine treffende Selbstdeutung, die er jedoch Mandelstam zuweist: „THEOBALD: So sind Sie [Mandelstam] ein Opfer ihres Berufs.“7 Dass dies eher auf ihn als auf den Barbier zutrifft, kann man aus der Reaktion Theobalds auf das Missgeschick seiner Frau deuten: „THEOBALD: Das Herz stand still. Jedem Aufsehen abhold, wie du weißt.“8. Theobald lebt in einer Gesellschaft, in der nur der zählt, der nicht aus der Menge heraussticht, denn „[sobald] die Anonymität verschwindet, verliert der Beamte seine Macht.“9
Maske ist sehr ordnungsliebend, achtet auf Genauigkeit. Auch das schiebt er auf seinen Beruf: „THEOBALD: [...] Das Ungenaue ist der Umweg. Von morgens neun bis nachmittags drei habe ich amtliche Schriften vor mir. Wollte ich da ungenau sein?“10 Maske ist aus Berufsgründen genau, aber er benutzt selbst den Umweg gerne, zum Beispiel geht er aus dem Haus, um zu hören, was geschwatzt wird. Am Ende hebt er als einziger die Ordnung auf, in dem er ein Verhältnis mit Frau Deuter anfängt. Jedoch macht ihn seine Ordnungsliebe nicht zum individuellen Charakter, er überträgt sie lediglich von seiner beruflichen Rolle in seine bürgerliche Stube, „ein Riese – so der ursprüngliche Titel des Stücks – im Spießerheim, ein Zwerg aber wie alle anderen unter der Fuchtel der Obrigkeit.“11 Theobald liebt die Regelmäßigkeit. Er findet Halt in seinem Stübchen und sperrt sich gegen das Veränderliche:
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung verortet das Lustspiel „Die Hose“ in Sternheims Gesamtwerk und definiert den methodischen Rahmen sowie die thematische Eingrenzung auf das Ehepaar Maske.
2. Techniken der Figurencharakterisierung in Sternheims Komödie „Die Hose“, dargestellt am Beispiel des Ehepaars Maske: Dieser Hauptteil analysiert detailliert die verschiedenen Verfahren der Figurenzeichnung, unterteilt in figurale und auktoriale Charakterisierungsweisen.
2.1 Figurale Charakterisierung: Dieser Abschnitt untersucht, wie sich die Figuren Theobald und Luise Maske selbst darstellen sowie wie sie durch andere Figuren wahrgenommen und kommentiert werden.
2.1.1 Explizite figurale Charakterisierung: Untersuchung der direkten Selbstauskünfte durch Dialoge und Monologe sowie die Fremdeinschätzungen durch Dritte.
2.1.2. Implizite figurale Charakterisierung: Betrachtung der indirekten Charakterisierung durch außersprachliches Verhalten und sprachliche Eigenheiten.
2.2. Auktoriale Charakterisierung: Analyse der Autorengestaltung durch den Einsatz sprechender Namen sowie durch Korrespondenzen und Kontraste zwischen den Figuren.
3. Zusammenfassung und Schluss: Das Kapitel reflektiert die Anwendbarkeit von Pfisters Charakterschema auf das Stück und fasst die Bedeutung der Figurenkonstellation für die Interpretation des ausbleibenden Happy Ends zusammen.
Schlüsselwörter
Carl Sternheim, Die Hose, Figurencharakterisierung, Theobald Maske, Luise Maske, Biedermeier, Spießertum, Tarnkappe, Gesellschaftskritik, Dramenanalyse, Mannfred Pfister, Ambivalenz, Triebnatur, Komödie, Wilhelminismus
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der detaillierten Analyse der Figurencharakterisierung in Carl Sternheims Komödie „Die Hose“.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die Konzepte der figuralen und auktorialen Charakterisierung, das Spannungsfeld zwischen Maskierung und Identität sowie die soziale Rolle des Ehepaars Maske.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die spezifischen Techniken aufzuzeigen, mit denen Sternheim seine Protagonisten zeichnet und wie diese zur Gesamtaussage des Stücks beitragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Analyse erfolgt textanalytisch unter Anwendung des Dramen-Charakterisierungsschemas nach Manfred Pfister.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung der expliziten und impliziten figuralen Charakterisierung sowie eine Analyse auktorialer Mittel, insbesondere sprechender Namen und Figurengegensätze.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind unter anderem „Tarnkappe“, „bürgerliche Ordnung“, „Ambivalenz“, „Scheinbildung“ und „gesellschaftliche Anpassung“.
Welche Funktion hat die „Maske“ im Namen des Protagonisten?
Der Name fungiert laut Arbeit als „Puffer“ zwischen Individuum und Gesellschaft, der es Theobald ermöglicht, sich anzupassen, während er im Geheimen seine eigenen Interessen verfolgt.
Wie unterscheidet sich die Darstellung von Luise Maske von ihrem Ehemann?
Während Theobald als aktiver, wenngleich „beschränkter“ Pragmatiker dargestellt wird, zeichnet sich Luise primär durch Passivität, romantische Sehnsüchte und eine „Sprachohnmacht“ aus.
- Arbeit zitieren
- Doreen Kötschau (Autor:in), 2009, Carl Sternheim 'Die Hose', München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/130907