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Das Fernsehen als Mittel der Staatskommunikation und der ideologischen Apologetik in der DDR

Am Beispiel der Krimiserie „Polizeiruf 110“

Title: Das Fernsehen als Mittel der Staatskommunikation und der ideologischen Apologetik in der DDR

Master's Thesis , 2009 , 113 Pages , Grade: Sehr gut (16,5/20 Pkt.)

Autor:in: Torsten F. Barthel (Author)

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Das Thema steht im Schnittpunkt mediengeschichtlicher, -politischer und -rechtlicher Fragestellungen. Zunächst werden die ideologischen und rechtlichen Grundlagen der staatlichen Kommunikation durch das Fernsehen der DDR dargestellt. Die Verfassung der DDR, die einfachen Gesetze wie etwa das StGB (DDR) und untergesetzliche Rechtsnormen bestimmten den Handlungsrahmen. Von faktisch wesentlich größerer Bedeutung war die konkretisierende Ausgestaltung des durch die marxistisch-leninistisch geprägte Staatsideologie determinierten Programmauftrags des Fernsehens durch die Politik der SED, insbesondere durch Parteitagsbeschlüsse und Entscheidungen des ZK. Dabei hat eine Abkehr weg von der offensichtlichen Indoktrination hin zu einer Ideologisierung des Massenpublikums durch Elemente der Unterhaltung stattgefunden. Dieser Weg lässt sich exemplarisch anhand der Fernseh-Krimireihe „Polizeiruf 110“ nachzeichnen. Zu betrachten sind hier Programminhalte, -auftrag und -ästhetik. Paradigmatisch lassen dabei sich die Charakteristika des DDR-Mediensystems, nämlich Planung, Lenkung und Kontrolle der Medien durch den Staats- und Parteiapparat, nachweisen. Die Funktion der Massenmedien in der DDR wurde von den Akteuren des Systems als Herrschaftsmittel gesehen: „Die sozialistischen Massenmedien leisten als Führungs- und Kampfinstrumente der Partei der Arbeiterklasse und des sozialistischen Staates ihren Beitrag zur Veränderung der gesellschaftlichen Wirklichkeit mittels spezifischer journalistischer bzw. künstlerischer Mittel.“ Von Interesse ist in diesem Zusammenhang die Überlegung, ob die große Popularität der Sendereihe nicht auch mit einer eine „Ersatzöffentlichkeit“ schaffenden, politisch unterdrückte gesellschaftliche Probleme diskutierenden Ventilwirkung in der publizistischen Enge der DDR-Gesellschaft zu erklären sein kann. Möglicherweise eröffnete der Fernseh-Krimi eine Nische in der streng SED-reglementierten Medienlandschaft der DDR. Der Verfasser hat sich mit seiner Arbeit sein Ziel erreicht, die publizistischen Wirkungsabsichten sowie das Gelingen bzw. Misslingen der staatskommunikativen Instrumentalisierung des Mediums Fernsehen im Kontext der allgemein-politischen und gesellschaftlichen Entwicklungslinien der sozialistischen Gesellschaft der DDR zu hinterfragen. Denn die medienhistorische Forschung soll sich nicht in der These vom DDR-Fernsehen als Machtinstrument der SED erschöpfen, sondern das Medium vielmehr in seiner Gesamtheit betrachten.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Fragestellung und Zielsetzung

1.2 Forschungsinteresse und -methodik

1.3 Sendereihe „Polizeiruf 110“

2. Hauptteil

2.1 Begriff und Ziele der Staatskommunikation

2.2 Geistig-politische Beeinflussung der Willensbildung

2.3 Mittel der Agitation zum Zwecke der Apologetik

2.4 Medienlenkung und -Kontrolle in der DDR

2.4.1 Rechtliche Grundlagen der zentralen Medienlenkung im Fernsehen

2.4.2 Ideologische Medienlenkung und -Kontrolle im Fernsehen

2.4.3 Spezifische Veränderungen in der Fernsehpolitik ab 1970

2.5 Entstehungsphase und Konzeption der Sendereihe „Polizeiruf 110“

2.6 Erscheinungsformen von Kriminalität und ihre Ursachen in der Reihe „Polizeiruf 110“

2.7 Gattungsbegriff „Sozialistischer Kriminalfilm im Fernsehen“

2.7.1 Didaktischer Ansatz

2.7.2 Unterhaltender Ansatz

2.8 Produktionsbedingungen der Reihe „Polizeiruf 110“

2.8.1 Aufgaben des (Chef-) Dramaturgen

2.8.2 Weitere Beteiligte

2.8.3 Zusammenarbeit mit dem Ministerium des Innern

2.8.4 Abnahmeentscheidung

2.8.5 Kontrolle durch das Ministerium für Staatssicherheit

2.8.6 Konsequenzen staatlicher Einflussnahme

2.9 Materielle Gegenstände der Reihe „Polizeiruf 110“

2.10 „Polizeiruf 110“-Ermittler als Idealbild der Deutschen Volkspolizei

2.11 Zuschauerbindungsstrategie

2.12 Tatsächlicher Eintritt der intendierten Wirkungen beim Zuschauer

2.12.1 Sehbeteiligung

2.12.2 Inhaltliche Wirkungen in Gestalt einer Ersatzöffentlichkeit

2.12.3 Aufarbeitung der DDR-Wirklichkeit in der Wendezeit 1989/90

3. Ergebnis

Zielsetzung & Themen

Die Masterarbeit untersucht, inwiefern das Fernsehen der DDR und insbesondere die Kriminalfilmreihe „Polizeiruf 110“ als Instrumente der staatlichen Ideologievermittlung und Staatskommunikation genutzt wurden. Die zentrale Forschungsfrage hinterfragt, wie das Medium trotz ideologischer Lenkung und Kontrolle eine hohe Zuschauerpopularität erreichen konnte und welche Rolle die Reihe bei der ideologischen Apologetik sowie bei der Schaffung einer „Ersatzöffentlichkeit“ innerhalb der DDR spielte.

  • Instrumentalisierung des Fernsehens als Herrschaftsmittel
  • Rechtliche und ideologische Medienlenkung in der DDR
  • Konzeption und Produktionsbedingungen der Reihe „Polizeiruf 110“
  • Spannungsfeld zwischen ideologischem Programmauftrag und Publikumsbedürfnissen
  • Die Rolle der „Polizeiruf 110“-Ermittler als staatliche Idealbilder

Auszug aus dem Buch

2.4.2 Ideologische Medienlenkung und -Kontrolle im Fernsehen

Das Fernsehen wie auch die anderen Massenmedien galten neben dem Partei und Staatsapparat als eine der tragenden Säulen der SED-Herrschaft, als „Herrschaftsinstrumente“, als Propagandainstitutionen. Die besondere Rolle des Fernsehens in der sozialistischen Gesellschaft wurde darin gesehen, dass sich Millionen Zuschauer gleichzeitig auf den gesellschaftlichen Gesamtwillen beziehen könnten, dessen bewusster Träger die SED als marxistisch-leninistische Partei war. Das Fernsehen diente daher zur Herausbildung „sozialistischer Persönlichkeiten“.

„Zentrale Lenkung, Koordinierung und gezielte Abstimmung der Medien im Sinne einer optimierten Durchsetzung des Parteiwillens waren [...] das Prinzip.“ Die DDR-Öffentlichkeit war also nicht als herrschaftsfreier Raum zu sehen, vielmehr war ihr zentrales Merkmal „die über Informations- und Meinungsmonopol der SED und des Staates angestrebte und tendenziell erreichte absolute Herrschaft über die öffentlichen Räume.“

Wichtigste Orte der Medienlenkung durch die SED-Führung sind von Beginn der DDR an bis 1989 das Politbüro der SED unter Leitung des Generalsekretärs Erich Honecker (Abteilung Massenagitation) und die zuständigen ZK-Sekretariate. Die Leitlinien der Medienpolitik wurden durch das Politbüro vorgegeben und durch das ZK-Sekretariat für Agitation und Propaganda umgesetzt. Auf staatlicher Ebene koordinierte das Presseamt beim Vorsitzenden des Ministerrates die von der SED ausgegebenen Richtlinien zur Lenkung der Medien. Dem Presseamt war auch das Staatliche Komitee für Fernsehen (SKF) unterstellt, an das das Presseamt direkte Weisungen erteilte.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Arbeit verortet die Sendereihe „Polizeiruf 110“ im Kontext der medienpolitischen und rechtlichen Rahmenbedingungen der DDR und skizziert das Forschungsziel der ideologischen Instrumentalisierung.

2. Hauptteil: Dieser Abschnitt analysiert tiefgehend die theoretischen Grundlagen der Staatskommunikation, die Lenkungsmechanismen der SED, die Entstehungsgeschichte des „Polizeiruf 110“ sowie dessen Funktion als ideologisches Erziehungsmittel und als „Ersatzöffentlichkeit“ für die DDR-Bürger.

3. Ergebnis: Das Fazit bestätigt die umfassende Instrumentalisierung der Reihe, stellt jedoch fest, dass die erhoffte totale ideologische Bindung an das System trotz hoher Popularität nicht vollständig erreicht wurde.

Schlüsselwörter

DDR-Fernsehen, Polizeiruf 110, Staatskommunikation, Medienlenkung, SED, Kriminalfilm, Sozialistischer Realismus, Agitation, Propaganda, Ersatzöffentlichkeit, Ideologische Apologetik, Volkspolizei, Medienkontrolle, Zuschauerforschung, Systemstabilität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Masterarbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht das DDR-Fernsehen als Herrschaftsinstrument, wobei der Fokus auf der Krimiserie „Polizeiruf 110“ liegt, um die staatliche Lenkung und ideologische Kommunikation der SED zu analysieren.

Welches sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Schwerpunkte liegen auf den rechtlichen Grundlagen der Medienlenkung, der Rolle der Stasi und der SED, der Konzeption der Krimireihe sowie der tatsächlichen Wirkung der Sendungen auf das Publikum.

Was ist das primäre Forschungsziel?

Ziel ist es zu hinterfragen, wie die staatliche Instrumentalisierung des Fernsehens im DDR-System funktionierte und warum die Serie trotz systemkonformer Ausrichtung eine so hohe Popularität beim Zuschauer genoss.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?

Die Arbeit basiert auf einer umfangreichen Auswertung primärer Quellen, insbesondere Archivmaterialien des Deutschen Rundfunkarchivs und des Bundesarchivs, sowie einer Analyse der Fachliteratur.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Begriffsbestimmung, die Darstellung der Medienkontrollstrukturen, die Entstehungs- und Produktionsgeschichte der Serie sowie eine detaillierte Analyse der Kriminalitätsdarstellung im Kontext der Staatsideologie.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen gehören „Staatskommunikation“, „ideologische Apologetik“, „Ersatzöffentlichkeit“, „Medienlenkung“ und „sozialistischer Kriminalfilm“.

Wie bewerteten die Zuschauer die Serie „Polizeiruf 110“?

Die Resonanz war mit durchschnittlich über 50 % Sehbeteiligung hervorragend. Die Zuschauer nahmen die Serie oft als „Ersatzöffentlichkeit“ wahr, die Probleme thematisierte, die in den staatlichen Medien sonst tabuisiert wurden.

Was bedeutet der Begriff „Ersatzöffentlichkeit“ im Kontext dieser Arbeit?

Der Begriff beschreibt die Ventilwirkung der Serie: Da die Presse in der DDR streng zensiert war, konnten im Rahmen der Kriminalfilme gesellschaftliche Probleme – wie etwa Alkoholkonsum oder Alltagskonflikte – diskutiert werden, was vom Publikum als authentischer wahrgenommen wurde.

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Details

Title
Das Fernsehen als Mittel der Staatskommunikation und der ideologischen Apologetik in der DDR
Subtitle
Am Beispiel der Krimiserie „Polizeiruf 110“
College
Johannes Gutenberg University Mainz  (Mainzer Medieninstitut)
Grade
Sehr gut (16,5/20 Pkt.)
Author
Torsten F. Barthel (Author)
Publication Year
2009
Pages
113
Catalog Number
V130707
ISBN (eBook)
9783640361410
ISBN (Book)
9783640361571
Language
German
Tags
Fernsehen Mittel Staatskommunikation Apologetik Beispiel Krimiserie Sehr
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Torsten F. Barthel (Author), 2009, Das Fernsehen als Mittel der Staatskommunikation und der ideologischen Apologetik in der DDR , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/130707
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