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Analyse von Phone-In Sendungen als Orte der unmittelbaren Selbstoffenbarung am Beispiel der Radio- und Fernsehsendung "Domian"

Title: Analyse von Phone-In Sendungen als Orte der unmittelbaren Selbstoffenbarung am Beispiel der Radio- und Fernsehsendung "Domian"

Term Paper (Advanced seminar) , 2007 , 28 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Kristina Hötte (Author)

Communications - Mass Media
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"Der angewachsene Fernseher lässt sich kollektiv nicht mehr abschalten, ohne dass wir fürchten müssen, halbblind zu werden. Denn: heute gibt es Segmente von Wirklichkeit, die nur deshalb wirklich (und wahr) sind, weil sie auf dem Bildschirm des Fernsehens erscheinen. Die wirkliche Wirklichkeit findet im Fernsehen statt." (Christopher Tholen: Talkshow als Selbstbekenntnis)
Jeden Tag laufen in Deutschland unzählige Talkshows, angefangen bei dem morgendlichen „Frühstücksfernsehen“ über die mittägliche „Oliver Geißen“ Show bis zum Late Night Talker „Beckmann“. Alle haben sie eines gemeinsam, sie wollen dem Publikum, zum Zwecke der Befriedigung voyeuristischer Begierden, das Innenleben unserer Mitmenschen, egal ob prominent oder nicht, auf dem Präsentierteller anrichten, auf das sich jeder den Sensationshappen rauspicke, der ihn interessiert.
Das klingt so, als wenn das Publikum an seinem Ruf schuld sei, indem es den Moderator als seinen Vertreter aussendet, den Gast dazu zubringen, sich für die Zuschauer zu prostituieren. Doch ganz so einfach ist es nicht, denn auch wenn dem Geständigen das Ausmaß seiner Offenbarung vielleicht nicht so bewusst ist, haben die Menschen heute ein starkes Interesse daran, Details aus ihrem Privatleben preiszugeben, ihr Inneres nach Außen zu kehren. Und die Zuschauer lassen die Flut der alltäglichen Probleme, mit denen sie medial konfrontiert werden, bereitwillig über sich zusammenbrechen. Lieber beim Konsumieren fremden Lebens untergehen, als sich aus dem Meer der Geständnisse ans Ufer der eigenen Identität zu retten.
Im Rahmen dieser Abhandlung habe ich mich mit dem Format Domian auseinandergesetzt, das bis auf sonntags täglich bimedial im WDR und auf 1Live gesendet wird.
Hingegen vieler anderer Talkshows hat sich Domian seit der Erstausstrahlung 1995 zu einer festen Institution etabliert mit konstant guten Einschaltquoten. Durchschnittlich rufen zu jeder Sendung, sei es mit thematischer Festlegung oder nicht, 40 bis 60.000 Menschen an, von denen etwa einhundert bis zu den Rechercheuren weitergeleitet werden, die wiederum die zehn interessantesten und geprüften Fälle zu Domian ins Studio durchstellen, damit sie sich ihre Sorgen von der Seele reden können.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Selbstoffenbarung bei Domian – Austausch von Intimitäten zwischen Exhibitionisten und Voyeuren

a.) Einleitung

b.) Talkshow Genres und ihre Charakteristika

c.) Domian – das Talk-Radio

d.) Seelenstriptease am Telefon - Exhibitionisten

e.) Der Blick durch das Schlüsselloch – Voyeure

f.) Therapie oder Bloßstellung

g.) Die Rolle des Moderators – Domian als Spielleiter und Therapeut

h.) Kirchliche Beichte vs. mediale Bekenntnisse oder: das Verhältnis von Innen und Außen

2. Das Talk-Radio – Privatheit im öffentlichen Raum

Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit analysiert die Sendung "Domian" als ein mediales Format, das durch den Austausch von Intimitäten zwischen Anrufern und dem Moderator neue Formen der "medialen Beichte" schafft. Dabei wird untersucht, wie das Spannungsfeld zwischen exhibitionistischen Bedürfnissen der Anrufer und voyeuristischen Interessen der Zuschauer sowie die Rolle des Moderators als therapeutische Instanz die Struktur der Sendung und die Wahrnehmung von Privatheit im öffentlichen Raum prägen.

  • Die Dynamik der Selbstoffenbarung im medialen Kontext
  • Die komplementäre Beziehung zwischen Exhibitionisten und Voyeuren
  • Die Inszenierung von Intimität im öffentlichen Fernseh- und Radioformat
  • Die Rolle des Moderators als Spielleiter und Therapeut
  • Der Vergleich zwischen traditioneller kirchlicher Beichte und modernen medialen Bekenntnissen

Auszug aus dem Buch

Seelenstriptease am Telefon – Exhibitionisten

Würde man die Sendung Domian im marktwirtschaftlichen Sinne beschreiben, könnte man sagen, dass hier das Verhältnis von Angebot und Nachfrage optimal abgestimmt ist. Es gibt genug Menschen, die sich täglich bei Domian selbstoffenbaren und ihren Kummer von der Seele reden wollen, denn es „gibt fast keine Minorität, die in der Talkshow nicht Gehör fände“ und auf der anderen Seite, interessieren sich viele Menschen für die Probleme anderer und die angebotenen Lösungsansätze Domians. Exhibitionisten und Voyeure bedienen sich also gegenseitig, es existiert ein ausgeglichenes Geben und Nehmen. Der Exhibitionist gibt das Wissen über einen bedeutenden Teil seines Privatlebens preis, das dann nicht mehr ihm allein, sondern tausend anderen Menschen mitgehört und erntet dafür das Interesse einer großen Zuschauermenge. „Wer in den Medien auftritt, ist sich also bewußt, daß sein Auftritt potentiell von jedermann registriert wird; er ist kein Privatmensch mehr, sondern eine öffentlich gewordene Person.“

Im Gegenzug tauscht der Voyeur einen Teil seiner privaten Zeit für das von Domian herausgekitzelte Geständnis des Betroffenen und bewundert oder verabscheut das Problem, gibt ihm aber auf jeden Fall die Aufmerksamkeit, wegen der der Hilfesuchende überhaupt angerufen hat. „Die Zeugen beglaubigen für den einen Moment, indem sie sich auf ‚mich’ konzentrieren, meine Bedeutung und Unverwechselbarkeit.“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Selbstoffenbarung bei Domian – Austausch von Intimitäten zwischen Exhibitionisten und Voyeuren: Dieses Kapitel bildet den Hauptteil der Analyse und untersucht die verschiedenen Facetten der Sendung, von den Genres über die Rollen der Anrufer und Zuschauer bis hin zur therapeutischen Funktion des Moderators und den Parallelen zur Beichte.

2. Das Talk-Radio – Privatheit im öffentlichen Raum: In diesem Kapitel wird das Format in einen breiteren medientheoretischen Kontext eingeordnet und diskutiert, wie durch die mediale Inszenierung von Privatheit öffentliche Räume verändert werden.

Zusammenfassung: Der abschließende Teil bündelt die Erkenntnisse über die wechselseitige Abhängigkeit von Exhibitionisten und Voyeuren sowie die gesellschaftliche Bedeutung des Formats als Institution für Menschen in schwierigen Lebenslagen.

Schlüsselwörter

Domian, Talkshow, Selbstoffenbarung, Exhibitionismus, Voyeurismus, Medien, Privatheit, Öffentlichkeit, Therapeut, mediale Beichte, Kommunikation, Authentizität, Telefon, Radio, Fernsehen

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?

Die Arbeit analysiert die Phone-In-Sendung "Domian" als einen besonderen Ort medialer Selbstoffenbarung, in dem die Grenze zwischen Privatsphäre und Öffentlichkeit fließend wird.

Welche Rollen nehmen die Beteiligten ein?

Die Anrufer agieren als Exhibitionisten, die ihre Probleme öffentlich machen möchten, während die Zuschauer die Rolle des Voyeurs einnehmen, der an fremden Lebensgeschichten teilhat.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Es soll untersucht werden, wie sich der Austausch von Intimitäten in einem Massenmedium vollzieht und welche psychologischen und medienstrukturellen Effekte dabei zwischen Anrufer, Moderator und Publikum entstehen.

Welche methodische Herangehensweise wird gewählt?

Die Arbeit stützt sich auf medienwissenschaftliche Literatur und diskursanalytische Ansätze, um die Interaktionsstrukturen der Sendung "Domian" zu dekonstruieren.

Welche inhaltlichen Schwerpunkte werden im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden die Charakteristika der Talkshow-Genres, die Motivationen der Anrufer, die Rolle des Moderators als Spielleiter und Therapeut sowie der Vergleich zu kirchlichen Beichtritualen beleuchtet.

Welche Charakteristika definieren die Arbeit?

Die Arbeit zeichnet sich durch die Verknüpfung von medientheoretischen Diskursen (wie der "Tyrannei der Intimität") mit der konkreten Analyse eines spezifischen, langjährigen Radio- und Fernsehformats aus.

Wie beeinflusst der Moderator die Interaktion bei Domian?

Domian nimmt eine zentrale, fast therapeutische Rolle ein, indem er durch empathisches Nachfragen und eine offene Haltung den Anrufer dazu bewegt, sich zu öffnen, während er gleichzeitig die Sendungsstruktur als Spielleiter wahrt.

Wird die Rolle des Voyeurs in der Arbeit als statisch betrachtet?

Nein, die Arbeit stellt dar, dass der Voyeur in seiner Rolle "brüchig" ist, da er Teil einer amorphen Zuschauermasse ist und sich theoretisch jederzeit durch einen Anruf selbst in einen Exhibitionisten transformieren kann.

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Details

Title
Analyse von Phone-In Sendungen als Orte der unmittelbaren Selbstoffenbarung am Beispiel der Radio- und Fernsehsendung "Domian"
College
University of Paderborn
Course
Im Beichtstuhl der Medien: Geständnispraktiken und Bekenntnisrituale
Grade
2,0
Author
Kristina Hötte (Author)
Publication Year
2007
Pages
28
Catalog Number
V127973
ISBN (eBook)
9783640345304
ISBN (Book)
9783640345144
Language
German
Tags
Exhibitionismus Voyeurismus Domian Talkshow Beichte Öffentlichkeit Privatheit
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Kristina Hötte (Author), 2007, Analyse von Phone-In Sendungen als Orte der unmittelbaren Selbstoffenbarung am Beispiel der Radio- und Fernsehsendung "Domian", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/127973
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