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Wenn Erinnern Schuld ist

Rekonstruktion und Bewertung von Erinnerung in Christa Wolfs "Kindheitsmuster"

Titre: Wenn Erinnern Schuld ist

Dossier / Travail , 2006 , 25 Pages , Note: A

Autor:in: Anna Milena Jurca (Auteur)

Philologie Allemande - Divers
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„Wie sind wir so geworden, wie wir heute sind?“ (307) ist die zentrale Frage in
Christa Wolfs "Kindheitsmuster". Sie ist der Überschneidungspunkt der beiden Kerndiskurse Erinnerung und Vergangenheit – verbunden mit dem Versuch, sie in der Dialektik von Subjektivität und Objektivität beider Sphären zu verstehen: Was ist die eigene Vergangenheit und wie wird sie erinnert? Was ist allgemeine Geschichte und wie funktioniert die nachträgliche Auseinandersetzung mit ihr?
Die These der Arbeit ist, dass sich an dem Überschneidungspunkt des Erinnerungs- und Geschichtsdiskurses im Zusammenhang mit der „problematischen“ Vergangenheit der NS-Zeit die Frage der Schuld stellt – Schuld nicht im Sinne der Verantwortung an konkreten Verbrechen, sondern im Sinne einer Untersuchung des eigenen Gewissens auf Handeln, Unterlassen, Überzeugungen und Gefühle sowie des Stellens der Frage nach einem Schuldgefühl in der Vermittlung zwischen subjektiver Vergangenheitserfahrung und einem kollektiven moralischen Gewissen, dass die Geschichte bewertet. Die Arbeit untersucht die Erinnerung unter besonderer Berücksichtigung der Frage, inwieweit die Durcharbeitung und Rekonstruktion der eigenen Erinnerung auch Auseinandersetzung mit Schuld ist.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Theoretische Grundlagen

a) Psychoanalyse: Erinnern als Prozess, Wiederholung und Übertragung

b) Kritische Geschichtstheorie: Geschichte als Rhetorik, Dialog und Kontext

III. Erinnern und Schuld in Kindheitsmuster

a) Erinnerungsarchäologie

b) Die dialogische Struktur des Erinnerns

c) Die Dynamik von Erinnerung und Bewertung

d) Erinnerung vor der Folie des kollektiven sozialen Gewissens

e) Erinnerungsarbeit als Auseinandersetzung mit Schuld

f) Die Dialektik von Bewusstlosigkeit und Schuld

IV. Schluss

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht den Roman "Kindheitsmuster" von Christa Wolf vor dem Hintergrund der psychoanalytischen Theorie und der kritischen Geschichtstheorie, um zu ergründen, wie die Rekonstruktion persönlicher Erinnerungen untrennbar mit der Auseinandersetzung mit individueller und kollektiver Schuld verknüpft ist.

  • Psychoanalytische Ansätze zur Struktur des Erinnerns, Verdrängens und Wiederholens.
  • Die Rolle von Geschichtstheorie und Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart.
  • Untersuchung des Konzepts der "Mitverantwortung" im Nationalsozialismus.
  • Analyse der narrativen Spaltung des Ich als Mittel der Selbstreflexion.
  • Verhältnis zwischen persönlicher Erinnerung und dem kollektiven sozialen Gewissen.

Auszug aus dem Buch

c) Die Dynamik von Erinnerung und Bewertung

Die Kommentare auf einer Ebene über eine andere und einer „Person“ über eine der anderen sind Relativierungen und Beiträge zu einer umfassenderen Diskussion. Die Distanz, die durch die Hilfskonstruktionen einer Spaltung in unterschiedliche Teilpersonen (ich, du, sie) und Zeiteinheiten (Gegenwart, Vergangenheit) gewonnen wird, ist eine Chance der Selbstkritik und der Vermittlung bzw. möglichen „Versöhnung“ (241) der „heutigen Person [...] mit jener vergangenen“ (241), ohne jedoch ein vernichtendes Urteil über die Kindheit zu fällen, die weder zu verdrängen noch zu vergessen ist, will man sie als Objekt einer tieferen Auseinandersetzung betrachten, wie Wolf es tut, und im Sinne einer a-moralischen musealen und kontextfreien Zeit-Zone.

Das Hin- und Herwechseln zwischen Erzählebenen und Zeitzonen, zwischen den Erinnerungsschichten und Geschichtsebenen ist nicht einfach ein Betreten verschiedener Räume, sondern mit Hindernissen, Widerständen und Irritation verbunden. Die Gründe dafür finden sich an Wolfs Art, mit „Historie“ und eigener Geschichte umzugehen: „Historisieren“ bedeutet nicht verfremden und wegrücken, d.h. mit Dokumenten die Zeitgeschichte als ein ohne Bezug zum ich und zur Gegenwarte vergangenes Kräftefeld zu beschreiben, sondern im Gegenteil „wieder heranzurücken, die agierenden und nicht agierenden Individuen – und – noch einmal sichtbar zu machen und auf ihre Motive, ihre Verantwortlichkeit zu befragen.“ Diesem Ziel ist auch Wolfs Prinzip der subjektiven Authentizität verpflichtet: „[...] ich kann nur hoffen, deutlich gemacht zu haben, dass sie [die subjektive Authentizität] die Existenz der objektiven Realität nicht nur nicht bestreitet, sondern gerade eine Bemühung darstellt, sich mit ihr produktiv auseinander zu setzen.“

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Die Einleitung etabliert die zentrale Fragestellung nach der eigenen Vergangenheit und der Dialektik zwischen Subjektivität und Objektivität im Kontext des Romans.

II. Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel erläutert die methodischen Ansätze, insbesondere die psychoanalytische Sicht auf Erinnerung und die kritische Geschichtstheorie.

III. Erinnern und Schuld in Kindheitsmuster: Der Hauptteil analysiert die spezifische Erinnerungsarchäologie, die dialogische Ich-Struktur und die Auseinandersetzung mit Mitverantwortung und kollektivem Gewissen.

IV. Schluss: Der Schlussteil fasst die Verflechtung von Erinnerung und Schuld zusammen und konstatiert, dass der Prozess der Ich-Rekonstruktion prinzipiell unabschließbar ist.

Schlüsselwörter

Kindheitsmuster, Christa Wolf, Erinnerung, Schuld, Mitverantwortung, Psychoanalyse, Geschichtstheorie, Identität, Verdrängung, Autobiographie, Subjektive Authentizität, Erinnerungsarbeit, Nationalsozialismus, Bewusstsein, Selbstreflexion.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der vorliegenden Arbeit im Kern?

Die Arbeit untersucht in Christa Wolfs "Kindheitsmuster", wie die Protagonistin ihre eigene Vergangenheit rekonstruiert und in welchem Verhältnis dieser Prozess zur Auseinandersetzung mit Schuld steht.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die zentralen Felder sind die Psychoanalyse des Erinnerns, die kritische Geschichtstheorie, die Rolle der Sprache sowie die Dialektik zwischen persönlicher Vergangenheit und kollektivem Gewissen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Wolf durch die Durcharbeitung ihrer Erinnerungen eine Form der Mitverantwortung statt einfacher Mitschuld thematisiert und dabei die Grenzen ihres eigenen Ich auslotet.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?

Die Untersuchung nutzt psychoanalytische Konzepte wie Übertragung und Wiederholung sowie Ansätze der Geschichtstheorie, um den "dialogischen Austausch" zwischen den verschiedenen Erzählebenen des Romans zu analysieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil widmet sich der Erinnerungsarchäologie, der Spaltung des Ich in verschiedene Identitätspersonen sowie der kritischen Prüfung des kollektiven sozialen Gewissens im Kontext des Nationalsozialismus.

Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Erinnerungsarchäologie, Mitverantwortung, subjektive Authentizität, Hilfskonstruktionen und der dialogische Charakter des Erzählens.

Welche Rolle spielt der Begriff des "Musters" im Werk?

Das "Muster" dient als zentrale Metapher für die gesellschaftliche Prägung und das Durchspielen von Verhaltensweisen, deren Determinierung und Handlungsspielraum im Roman kritisch hinterfragt werden.

Wie wird die Hypnose im Roman interpretiert?

Die Hypnose wird als Metapher für die fatale Verkettung von Fremdbestimmung, Bewusstlosigkeit und dem Verlust von Erinnerung gelesen, die für die Analyse der Täter- und Mitläuferstrukturen im Nationalsozialismus zentral ist.

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Résumé des informations

Titre
Wenn Erinnern Schuld ist
Sous-titre
Rekonstruktion und Bewertung von Erinnerung in Christa Wolfs "Kindheitsmuster"
Université
Georgetown University  (German Department)
Cours
Autobiographical Fiction - Fictional Autobiography
Note
A
Auteur
Anna Milena Jurca (Auteur)
Année de publication
2006
Pages
25
N° de catalogue
V127396
ISBN (ebook)
9783640347629
ISBN (Livre)
9783640347322
Langue
allemand
mots-clé
Wenn Erinnern Schuld Rekonstruktion Bewertung Erinnerung Christa Wolfs Kindheitsmuster
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Anna Milena Jurca (Auteur), 2006, Wenn Erinnern Schuld ist, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/127396
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Extrait de  25  pages
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