Im Hinblick auf die im Rahmen dieser Seminararbeit betrachtete Textsorte „Anleitung“
kann davon ausgegangen werden, dass die Möglichkeit des Verstoßes gegen und des
Missbrauchs von Konventionen keine Rolle spielt, weshalb eine Konzentration auf die
Einhaltung der Konventionen legitim erscheint. Um aber die Konventionen einer Textsorte
einhalten zu können, müssen diese erst einmal festgestellt werden. Hierzu ist eine
empirische Analyse geeigneter Texte notwendig, und an eben diesem Punkt setzt die
Arbeit von Horn-Helf an.
Im Rahmen dieser Seminararbeit sollen zwei der vielen von Horn-Helf identifizierten
Faktoren, nämlich die Verwendung von bildlichen Darstellungen und ihrer Funktion,
genauer untersucht werden, indem ihre Erkenntnisse auf je eine Anleitung aus dem
deutschen beziehungsweise US-amerikanischen Kulturkreis angewendet werden, um
festzustellen, inwiefern interkulturelle Differenzen bei der Verwendung von bildlichen Darstellungen bestehen. Natürlich lassen sich aus einem quantitativ stark begrenzten
Korpus von gerade einmal zwei Texten keine allgemeingültigen Textsortenkonventionen
ableiten, aber als Übung mit dem Ziel, das Bewusstsein der Übersetzenden für eventuelle
Unterschiede in den Konventionen verschiedener Makrokulturen zu schärfen, ist diese Art
der Analyse durchaus hilfreich und berechtigt.
Zudem ist an dieser Stelle anzumerken, dass die funktionale und qualitative Klassifizierung
sowie die quantitative Erfassung der Abbildungen beider Anleitungen in Teamarbeit
durchgeführt wurde. Mit der US-amerikanischen Anleitung befasste sich der Autor,
während die Klassifizierung und Erfassung der Abbildungen der deutschen Anleitung von
Frau Helene Ellenschläger durchgeführt wurde.
Inhaltsverzeichnis
1 Vorbemerkung
2 Analyse
2.1 Vorstellung des Analysekorpus
2.2 Analyseparameter
2.2.1 Abbildungsfunktion
2.2.2 Darstellungsformen
3 Auswertung
3.1 US-amerikanische Anleitung
3.1.1 Darstellungsformen
3.1.2 Abbildungsfunktion
3.2 Deutsche Anleitung
3.2.1 Darstellungsformen
3.2.2 Abbildungsfunktion
4 Translatorische Behandlung
4.1 Darstellungsformen
4.2 Abbildungsfunktion
5 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht interkulturelle Unterschiede in der Verwendung und Funktion von bildlichen Darstellungen in technischen Anleitungen. Ziel ist es, basierend auf einem Vergleich zwischen deutschen und US-amerikanischen Textsortenkonventionen, den Handlungsspielraum für Übersetzer bei der Anpassung dieser Elemente zu evaluieren und aufzuzeigen, inwieweit eine Angleichung an die Zielkultur praktisch umsetzbar ist.
- Analyse von Textsortenkonventionen in technischen Dokumentationen
- Kategorisierung von Darstellungsformen (Photos, Zeichnungen, Diagramme, Schemata)
- Klassifikation der Abbildungsfunktionen (komplementär, illustrativ, autonom, isoliert)
- Vergleich der bildlichen Präferenzen in US-amerikanischen und deutschen Anleitungen
- Bewertung der translatorischen Anpassungsmöglichkeiten und ihrer praktischen Umsetzbarkeit
Auszug aus dem Buch
2.2.2 Darstellungsformen
Die Klassifikation bildlicher Darstellungen ist theoretisch durchaus fundiert und liefert wertvolle Indikatoren dafür, wie eine bildliche Darstellung zu klassifizieren ist, allerdings offenbaren sich in der Praxis der Klassifizierung einige Schwierigkeiten bezüglich der konkreten Zuordnung der bildlichen Darstellungen in die eine oder andere Kategorie. Die Unterschiede zwischen den Kategorien bildlicher Darstellungen – in der Theorie klar und deutlich gezeichnet – zeigen sich in der Realität weniger eindeutig, so dass erhebliche Grauzonen, Überschneidungen und Kombinationen einzelner Darstellungsformen zu Tage treten und die vermeintlich simple korrekte Zuordnung einer konkreten bildlichen Darstellung recht problematisch wird. Im Folgenden werden die in den Anleitungen präsenten Darstellungsformen detailliert dargestellt und anhand von Beispielen graphisch illustriert.
Bildliche Darstellungen lassen sich zunächst in zwei große Klassen einteilen, und zwar in Photos und Zeichnungen. Photos bilden einen Gegenstand in allen seinen Details ab. Zu den Fotos werden auch sogenannte Photozeichnungen gezählt, bei denen es sich um Abbildungen handelt, „die im wesentlichen photographische Elemente enthalten.“
Zusammenfassung der Kapitel
1 Vorbemerkung: Die Einleitung definiert das Forschungsinteresse an Textsortenkonventionen in Anleitungen und begründet die empirische Analyse von Bildverwendung als Beitrag zur interkulturellen Kompetenz von Übersetzern.
2 Analyse: In diesem Kapitel werden das Analysekorpus (zwei Messgeräte-Anleitungen) sowie die theoretischen Kriterien zur Klassifizierung von Abbildungsfunktionen und Darstellungsformen vorgestellt.
3 Auswertung: Dieser Abschnitt präsentiert die empirischen Ergebnisse zur Häufigkeit und Funktion von Abbildungen in der US-amerikanischen sowie in der deutschen Anleitung getrennt voneinander.
4 Translatorische Behandlung: Hier wird diskutiert, ob und wie die identifizierten Unterschiede in den Darstellungsweisen bei einer Übersetzung in die jeweilige Zielkultur angeglichen werden sollten.
5 Zusammenfassung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass die Angleichung bildlicher Konventionen bei Übersetzungen aufgrund inhaltlicher Inkompatibilitäten und rechtlicher Bedenken oft nicht sinnvoll ist.
Schlüsselwörter
Technische Dokumentation, Anleitung, Textsortenkonventionen, Abbildungsfunktion, Darstellungsformen, interkulturelle Unterschiede, Übersetzungswissenschaft, Bild-Text-Gemeinschaft, Technical Writing, Visualisierung, Messgeräte, Fachübersetzung, Semantik, Kommunikation, Kulturdifferenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie technische Anleitungen in verschiedenen Kulturen visuelle Elemente nutzen und welche Rolle diese für das Verständnis der Anleitungen spielen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Klassifizierung bildlicher Darstellungsformen, die funktionale Beziehung zwischen Text und Bild sowie die interkulturelle Analyse von Konventionen in der technischen Dokumentation.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es festzustellen, ob es signifikante Unterschiede in der Bildverwendung zwischen US-amerikanischen und deutschen Anleitungen gibt und ob Übersetzer diese Unterschiede aktiv angleichen sollten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine empirische, korpusbasierte Analyse angewendet, bei der zwei Anleitungen für Präzisionsmessgeräte nach definierten Parametern (Horn-Helf, Kalverkämper) qualitativ und quantitativ untersucht werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung des Korpus, die theoretische Herleitung der Analyseparameter sowie die detaillierte Auswertung der Bild- und Funktionsverwendung in beiden Anleitungen inklusive einer Diskussion zur translatorischen Behandlung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Fachbegriffe wie Textsortenkonventionen, Abbildungsfunktion, technische Kommunikation, interkulturelle Differenz und Technical Writing beschreiben.
Warum ist die Unterscheidung zwischen Fotos und Zeichnungen für die Analyse wichtig?
Die Unterscheidung ist deshalb wichtig, da beide Formen unterschiedliche Grade an Abstraktion und Informationstiefe bieten, was wiederum unterschiedliche Auswirkungen auf das Verständnis des Nutzers hat.
Warum rät die Arbeit von einer aktiven Angleichung der Abbildungen ab?
Die Arbeit argumentiert, dass eine Angleichung in der Praxis unpraktikabel ist, da die bildlichen Elemente untrennbar mit dem spezifischen Inhalt verknüpft sind und eine Änderung rechtliche Haftungsfragen sowie Informationsverluste nach sich ziehen könnte.
- Citar trabajo
- Anonym (Autor), 2007, Darstellungsformen und Abbildungsfunktion, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/126937