„Sind Titelgeschichten effektive konträre Indikatoren? - Die Auswirkung der Medienpräsenz von Aktiengesellschaften auf deren Aktienkursperformance am Beispiel der im DAX und MDAX notierten Unternehmen.“
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Performance der im DAX und MDAX notierten Unternehmen von 1998 bis 2007. Hintergrund der Untersuchung ist die Vermutung, dass die Medienpräsenz einen negativen Einfluss auf die Aktienperformance eines Unternehmens nimmt. Dies soll damit begründet sein, dass das Management mehr mit seiner Selbstdarstellung beschäftigt ist, anstatt seine Ressourcen auf die Effizienz- und Gewinnsteigerung zu fokussieren. Die Medienpräsenz wird als möglicher konträrer Indikatoren untersucht, welcher es ermöglichen sollen, den Kapitalmarkt zu schlagen und eine Überrendite zu erzielen.
Die Arbeit ist wie folgt aufgebaut. Nach der Markteffizienzhypothese von Fama sollte die Medienpräsenz keine Auswirkungen auf den Aktienkurs haben, da diese besagt, dass alle Informationen im Kurs bereits enthalten sind und somit niemand in der Lage ist den Markt zu schlagen. In Kapitel 2 wird die Markteffizienz und Markteffizienzhypothese grundlegend erklärt. Auch die Auswirkungen und Ausprägungen dieser werden näher in Augenschein genommen und dabei an Studien von Kendall, Jensen, Fisher und weiteren erläutert. Mit einer Darstellung der Beweise, welche für die Effizienz der Märkte spricht, wie z.B. die Random Walk These, wird das Kapitel abgeschlossen.
In Kapitel 3 werden die Gegenargumente dargestellt. Das große Feld der Behavioral Finance stellt sozusagen die Antithese der Markteffizienzhypothese dar. Eine Reihe von Anomalien haben Forscher dazu bewegt die Effizienz genauer zu untersuchen. Die Grundlage dieser Anomalien stellt das situationsbezogene irrationale Verhalten der Marktteilnehmer dar, welches laut Fama nicht existiert. Dieses Fehlverhalten beginnt bereits in der Phase der Informationsaufnahme und Informationsverarbeitung aufgrund sogenannter Heuristiken. Die Informationsauswertung und die daraus resultierende endgültige Entscheidung werden ihrerseits wieder von mentalen Fallen gestört und manipuliert.
Die empirische Erhebung findet ihre ausführliche Darstellung im vierten Kapitel. Zu Beginn wird hier die Funktionsweise des DAX und MDAX erklärt. Die Datenerhebung und der Performancetest, welcher sich aus vier einzelnen Tests zusammensetzt, folgen darauf. Das zusammengefasste Resümee folgt am Ende des vierten Kapitels.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung & These
1.1 Einführung in die Thematik
1.2 Ziel & Vorgehensweise
1.3 Aufbau der Arbeit
2 Kapitalmarkteffizienz
2.1 Grundlagen
2.1.1 Preisbildung auf dem Kapitalmarkt
2.2 Markteffizienzhypothese
2.2.1 3 Formen der Markteffizienz
2.3 Argumente für die Markteffizienzhypothese
2.3.1 Die Random Walk These
2.3.2 Event Studies
2.3.3 Performance Studies
2.4 Schlussfolgerung
3 Die Ineffizienz der Märkte & Behavioral Finance
3.1 Behavioral Finance
3.1.1 Abgrenzung der Behavioral Finance zur Kapitalmarkttheorie
3.1.2 Grundlagen der Behavioral Finance
3.1.2.1 Nutzenfunktion und die Prospect Theory
3.1.3 Irrationalität der Investoren bei der Informationswahrnehmung & -verarbeitung
3.1.4 Irrationalität bei der Informationsbewertung & des Entscheidungsverhaltens
3.2 Widersprüche und Abweichungen der Markteffizienzhypothese
3.3 Schlussfolgerung
4 Sind Titelgeschichten effektive konträre Indikatoren
4.1 Aufbau und Funktionsweise des DAX & MDAX
4.1.1 Historie
4.1.2 Indexzusammensetzung
4.1.3 Funktionsweise und Indexberechnung
4.1.4 Aufnahmebedingungen
4.2 Datenerhebung Schlagzeilen
4.2.1 Grundlagen und Methodik
4.2.2 Auswertung
4.3 Datenerhebung Kursentwicklung
4.3.1 Grundlagen und Methodik
4.4 Auswertung
4.4.1 Zusammenhang Titelgeschichten & Streichungen
4.4.2 Relative- & Gesamtperformance
4.4.3 Quartalsvergleich mit und ohne Nennungen
4.4.4 Performance Test Titelgeschichten
4.5 Resümee
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht, ob die Medienpräsenz von Aktiengesellschaften in Form von Titelgeschichten als effektiver konträrer Indikator für die zukünftige Aktienkursperformance dienen kann. Dabei wird analysiert, ob eine hohe Medienaufmerksamkeit mit einer schlechteren Performance einhergeht, weil das Management möglicherweise Ressourcen auf die Selbstdarstellung statt auf die Effizienzsteigerung konzentriert.
- Analyse der Markteffizienzhypothese nach Fama.
- Untersuchung der psychologischen Anomalien durch Behavioral Finance.
- Empirische Auswertung von DAX- und MDAX-Unternehmen zwischen 1998 und 2007.
- Überprüfung des Zusammenhangs zwischen Titelgeschichten und der Aktienperformance.
- Untersuchung der Medienpräsenz als Signal für potenzielle Indexstreichungen oder Outperformance-Umkehr.
Auszug aus dem Buch
Die Markteffizienzhypothese
Die Markteffizienz baut grundsätzlich auf einem vollkommenen Markt auf. Dennoch ist sie in ihren Voraussetzungen nicht so restriktiv. Beispielsweise werden die Transaktionskosten, die bei jeder Order anfallen, nicht als K.O.-Kriterium betrachtet. Eugene Fama, Initiator der Theorie behauptet: „A market in which prices always fully reflect available information is called efficient“.
Wie im ersten Kapitel schon erläutert gibt es die Gruppe der technischen Chartanalysten und der Fundamentalanalysten, die versuchen den zukünftigen Markt- und Aktienverlauf abzubilden. Laut Fama gehört beides in die Kategorie von mystischen Vorhersagen. Seiner Markteffizienzhypothese nach sind sämtliche Informationen im aktuellen Preis einer Aktie vorhanden: „In an efficient market, competition [...] leads to a situation where, at any point in time, actual prices [...] already reflect the effects of information based both on events that have already occurred and on events which [...] the market expects to take place in the future.“ Dies begründet er damit, dass alle Informationen allen Marktteilnehmern, zu jeder Zeit und überall, kostenlos zugänglich sind.
In einem effizienten Markt weist somit der Preis der Aktie immer den fairen Marktwert aus. Das bedeutet, dass in einem effizienten Markt wie ihn Fama beschreibt, es keinem Investor möglich ist dauerhaft den Markt zu schlagen und somit Überrenditen zu erzielen, da er keinen Informationsvorsprung haben kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung & These: Diese Einleitung führt in die Problemstellung ein und erläutert das Ziel der Arbeit, den Zusammenhang zwischen Medienpräsenz und Aktienperformance kritisch zu hinterfragen.
2 Kapitalmarkteffizienz: In diesem Kapitel werden die theoretischen Grundlagen des vollkommenen Marktes und die Markteffizienzhypothese nach Fama sowie deren Beweisansätze (Random Walk, Event/Performance Studies) erläutert.
3 Die Ineffizienz der Märkte & Behavioral Finance: Hier wird die Behavioral Finance als Antithese zur klassischen Kapitalmarkttheorie eingeführt und erläutert, wie psychologische Heuristiken und kognitive Verzerrungen irrationales Anlegerverhalten begünstigen.
4 Sind Titelgeschichten effektive konträre Indikatoren: Das Kernstück der Arbeit bildet die empirische Datenerhebung und Auswertung der Performance von DAX- und MDAX-Unternehmen in Abhängigkeit von deren Präsenz auf Titelblättern wirtschaftlicher Magazine.
Schlüsselwörter
Kapitalmarkteffizienz, Behavioral Finance, Markteffizienzhypothese, konträrer Indikator, Medienpräsenz, Aktienperformance, Titelgeschichten, Random Walk, Prospect Theory, Heuristiken, Börsenpsychologie, DAX, MDAX, Spekulationsblase, Anlegerverhalten.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit?
Die Arbeit untersucht, ob die Medienpräsenz eines Unternehmens auf dem Titelblatt von Wirtschaftsmagazinen als konträrer Indikator für eine künftige unterdurchschnittliche Aktienkursentwicklung fungieren kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Untersuchung bewegt sich im Spannungsfeld zwischen der klassischen Markteffizienzhypothese und den Erkenntnissen der Behavioral Finance, die das rationale Handeln von Investoren infrage stellt.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es zu prüfen, ob sich durch eine quantitative Analyse der Medienpräsenz Outperformer am Markt frühzeitig identifizieren lassen oder ob das Managementverhalten bei hoher Medienaufmerksamkeit die Performance negativ beeinflusst.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?
Die Autorin führt einen empirischen Performancetest an DAX- und MDAX-Unternehmen (1998–2007) durch, der auf einem Vergleich der Kursverläufe in verschiedenen Zeitintervallen vor und nach den Titelgeschichten basiert.
Was wird im Hauptteil der Untersuchung behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung durch die Kapitalmarkttheorie und Behavioral Finance sowie den praktischen Teil, in dem die Datenerhebung der Titelgeschichten und deren Korrelation mit der Kursentwicklung analysiert wird.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Publikation?
Zentrale Begriffe sind Markteffizienzhypothese, Behavioral Finance, konträrer Indikator, Titelgeschichten, Aktienperformance sowie psychologische Heuristiken.
Was besagt die Hypothese zum Zusammenhang zwischen Management und Medienpräsenz?
Die Hypothese legt nahe, dass Unternehmen, deren Management intensiv um Medienpräsenz bemüht ist, ihre Ressourcen eher in die Selbstdarstellung statt in die Effizienz- und Gewinnsteigerung investieren, was die langfristige Performance mindert.
Wie bewertet der Autor den Effekt der Medienpräsenz in seinem Resümee?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die Medienpräsenz zwar im Allgemeinen als konträrer Indikator tendenziell erkennbar ist, der Effekt jedoch stark von der Indexzugehörigkeit (DAX vs. MDAX) abhängt und nicht pauschal verallgemeinert werden kann.
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- Diplom-Betriebswirt (FH) Christian Welter (Autor), 2008, Sind Titelgeschichten effektive konträre Indikatoren?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/126091