Die Masterarbeit stellt eine Untersuchung zur Herstellung von Transparenz der Notengebung im Fach Sport durch Sportlehrkräfte dar. Als Untersuchungsinstrument wurden leitfadengestützte Interviews eingesetzt. Die Interviews wurden gemäß der Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet.
Das Ziel dieser Masterarbeit ist es, herauszufinden, wie ein solches Konzept zur Herstellung von Transparenz bei der Notengebung im Sportunterricht, aussehen kann. Da Sportlehrkräfte sowohl für die Auswahl der Leistungskriterien als auch für die Herstellung von Transparenz der eigenen Notengebung selbstverantwortlich sind, erweist es sich als sinnvoll, Sportlehrkräfte direkt zu befragen, um zu einem Ergebnis zu kommen. Die Forschungsfrage lautet dementsprechend: Wie stellen Sportlehrkräfte Transparenz der eigenen Notengebung her?
Die Herstellung von Transparenz bei der Notengebung im Sportunterricht durch Sportlehrkräfte soll dabei nicht isoliert, sondern, im Zusammenhang mit den Herausforderungen und Chancen der Leistungsbewertung im Sportunterricht, thematisiert werden, um ein ganzheitliches Bild des Themenfelds zu ermöglichen. Der theoretische Rahmen dieser Arbeit wurde dafür in zwei Theorieteile gegliedert. Der erste Theorieteil Notengebung im Sportunterricht gibt einen Überblick über das besondere Leistungsverständnis im Sportunterricht, die Bestandteile der Sportnote (aus fachwissenschaftlicher Sicht) und beinhaltet einen Vergleich zweier empirischer Studien zur Benotungspraxis von Sportlehrkräften, mit Bezug auf das Leistungsverständnis im Sportunterricht.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theorie Teil 1: Notengebung im Sportunterricht
2.1 Begriffsbestimmung und Abgrenzung: Notengebung
2.2 Besonderheiten der Notengebung im Unterrichtsfach Sport
2.2.1 Der Doppelauftrag des Sportunterrichts
2.2.2 Das Leistungsverständnis im Schulsport
2.2.3 Die spezifische Ambivalenz
2.3 Die Bestandteile der Sportnote
2.3.1 Fachdidaktische Diskussion zu den Bestandteilen der Sportnote
2.3.2 Mögliche Beurteilungsbereiche und deren Gewichtung in der Notengebung
2.3.3 Kernlehrplan für das Gymnasium – Sekundarstufe I in Nordrhein-Westfalen
2.4 Vergleich von zwei empirischen Studien zur Benotungspraxis von Sportlehkräften
2.5 Zwischenfazit
3 Theorie Teil 2: Herstellung von Transparenz der Notengebung im Sportunterricht
3.1 Begriffsbestimmung: Transparenz bei der Notengebung im Sportunterricht
3.2 Aspekte von Transparenz im Unterricht
3.2.1 Demokratisierung und Mündigkeit
3.2.2 Transparenz im Lehr-Lernprozess
3.2.3 Klassenklima, Vertrauen und Lernerfolg
3.2.4 Transparenz der Bezugsnormorientierung im Benotungsprozess
3.3 Herstellung von Transparenz bei der Notengebung im Sportunterricht
3.3.1 Das Prozessmodell nach Maitzen (2016)
3.3.1.1 Lernen vorbereiten und initiieren
3.3.1.2 Orientierung geben und erhalten
3.3.1.3 Lernen bilanzieren und reflektieren
3.3.2 Instrumente zur Herstellung von Transparenz
3.3.2.1 Transparenzpapiere
3.3.2.2 Unterrichtsgespräch
3.3.2.3 Lehrer-Feedback
3.3.2.4 Lernprozessbegleitende Dokumente
3.4 Empirische Untersuchungen zur Herstellung von Transparenz bei der Notengebung im Sportunterricht
3.5 Zwischenfazit
4 Methodisches Vorgehen
4.1 Präzisierung der Fragestellung und des Forschungsinteresses
4.2 Forschungsdesign
4.3 Kategorienbildung
4.3.1 Kategorien zum Theorieteil 1: Wahl und Gewichtung der Beurteilungsbereiche
4.3.2 Kategorien zum Theorieteil 2: Herstellung von Transparenz
4.4 Leitfadenentwicklung
4.5 Datenerhebung
4.5.1 Auswahl der Stichprobe
4.5.2 Pretest
5 Datenauswertung
5.1 Beschreibung der Stichprobe
5.2 Ergebnisdarstellung
5.2.1 Wahl und Gewichtung der Beurteilungsbereiche
5.2.2 Herstellung von Transparenz bei der Notengebung im Sportunterricht
5.2.2.1 Transparenzbereitschaft und transparentes Lehrerhandeln
5.2.2.2 Unterrichtsphasen oder Situationen zur Herstellung von Transparenz
5.2.2.3 Einsatz von Instrumenten zur Herstellung von Transparenz
5.2.2.4 Strategien zur Herstellung von Transparenz
5.2.2.5 Zusammenhang zwischen Problemen bei der Notengebung im Sportunterricht und der Herstellung von Transparenz
6 Diskussion
6.1 Auswahl und Gewichtung von Beurteilungsbereichen in der Benotungspraxis von Sportlehrkräften
6.2 Herstellung von Transparenz bei der Notengebung im Sportunterricht durch Sportlehrkräfte
6.3 Zusammenhang zwischen Problemen bei der Notengebung im Sportunterricht und der Herstellung von Transparenz
7 Methodenkritik
8 Fazit und Ausblick
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Masterarbeit untersucht die Herausforderungen und Gestaltungsmöglichkeiten bei der Notengebung im Sportunterricht mit einem besonderen Fokus auf die Herstellung von Transparenz. Die zentrale Forschungsfrage lautet, wie Sportlehrkräfte Transparenz über ihre individuellen Bewertungskriterien und deren Gewichtung herstellen können, um diese für Schülerinnen und Schüler nachvollziehbar zu gestalten.
- Verständnis der besonderen Leistungsdimensionen im Sportunterricht
- Analyse des Handlungsspielraums von Lehrkräften bei der Notengebung
- Untersuchung pädagogischer Instrumente zur Transparenzschaffung (z.B. Transparenzpapiere, Feedback)
- Bedeutung der Transparenz für Klassenklima, Mündigkeit und Lernerfolg
- Empirische Erhebung der Benotungspraxis und Strategien von Sportlehrkräften
Auszug aus dem Buch
2.2.3 Die spezifische Ambivalenz
Der Gegenstand, welcher im Sportunterricht behandelt wird, ist der Körper. Das Schulfach Sport hebt sich damit als einziges Bewegungsfach von den anderen Schulfächern ab (Balz & Kuhlmann, 2003, S. 205). Die berühmte Karikatur von Klant (Abbildung 1) verdeutlicht die unterschiedlichen physischen Grundvoraussetzungen von Schülerinnen und Schülern und soll auf die offensichtliche Chancenungleichheit, bei der Prüfung von sportmotorischen Leistungen, aufmerksam machen. Als Betrachter der Karikatur bewertet man die Aufgabenstellung schnell als ungerecht, da offensichtlich ist, dass diese Aufgabe für die einen leichter zu bewältigen ist als für andere (und für manche sogar schier unmöglich).
Tillmann (2001, S. 45) spricht in diesem Zusammenhang von einer „spezifischen Ambivalenz“. Diese Ambivalenz drückt sich durch zwei Besonderheiten aus, die vor allem im Vergleich zu anderen Schulfächern auszumachen sind: Zum einen gibt es im Sportunterricht die Möglichkeit Leitungen exakt zu messen (bspw. cgs-Messverfahren) und zum anderen ist die Chancenungleichheit der Schülerinnen und Schüler durch unterschiedliche, individuelle körperliche Voraussetzungen unmittelbar zu erkennen. Auf Grund dieser offensichtlichen Chancenungleichheit wird eine Benotung, die ausschließlich auf der Grundlage der sportlichen Leistungsfähigkeit, gemessen an Normtabellen, von vielen Fachdidaktikern als ungerecht angesehen (ebd., S. 46). Auch Aschebrock & Pack (2004, S. 10) sprechen die spezifische Ambivalenz des Schulsports an und betonen, dass, „die Spannung zwischen den pädagogischen Zielen und einer an Normen ausgerichteten Notengebung [.] im Sport in besonderer Weise gegeben [sind]“.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung thematisiert die Intransparenz der Notengebung im Sportunterricht durch große Spielräume der Lehrkräfte und formuliert die Forschungsfrage zur Herstellung von Transparenz.
2 Theorie Teil 1: Notengebung im Sportunterricht: Dieses Kapitel erläutert das spezielle Leistungsverständnis und die Bestandteile der Sportnote in der Sportpädagogik.
3 Theorie Teil 2: Herstellung von Transparenz der Notengebung im Sportunterricht: Hier werden pädagogische Ziele von Transparenz sowie konkrete Instrumente für Sportlehrkräfte wissenschaftlich fundiert dargestellt.
4 Methodisches Vorgehen: Das Kapitel beschreibt das qualitative Forschungsdesign der Masterarbeit, basierend auf leitfadengestützten Experteninterviews.
5 Datenauswertung: Die Auswertung präsentiert die Ergebnisse der geführten Interviews zur Benotungspraxis und Transparenzherstellung durch Sportlehrkräfte.
6 Diskussion: Die Forschungsergebnisse werden kritisch reflektiert und in den theoretischen Kontext der Notengebung im Sportunterricht eingeordnet.
7 Methodenkritik: Eine kritische Reflexion des Forschungsdesigns und der methodischen Vorgehensweise wird vorgenommen.
8 Fazit und Ausblick: Diese Zusammenfassung schließt die Arbeit ab und gibt einen Ausblick auf weiteren Forschungsbedarf.
Schlüsselwörter
Sportunterricht, Notengebung, Transparenz, Leistungsbewertung, Sportnote, Pädagogische Perspektiven, Transparenzpapier, Leistungsfortschritt, Bezugsnormorientierung, Sportlehrkräfte, Sportpädagogik, Kompetenzorientierung, Sozialverhalten, Benotungspraxis, Lehrer-Feedback.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit hauptsächlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie Sportlehrkräfte die Benotung ihrer Schülerinnen und Schüler transparent gestalten können, um die Nachvollziehbarkeit der Notengebung im Sportunterricht zu erhöhen.
Welche zentralen Themenfelder behandelt das Dokument?
Die zentralen Themenfelder sind das Leistungsverständnis im Sport, die pädagogische Notengebung, Transparenz als pädagogisches Ziel, verschiedene Instrumente zur Transparenzherstellung sowie empirische Erkenntnisse zur Benotungspraxis.
Was ist das primäre Ziel der Forschung?
Das Ziel ist es, herauszufinden, wie ein Konzept zur Herstellung von Transparenz bei der Notengebung im Sportunterricht aussehen kann und welche Strategien und Instrumente Sportlehrkräfte hierfür in der Praxis einsetzen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde gewählt?
Es wurde ein qualitatives Forschungsdesign gewählt, das auf leitfadengestützten Interviews mit fünf erfahrenen Sportlehrkräften basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in zwei theoretische Kapitel zur Notengebung und Transparenz, einen methodischen Teil zur Anlage der Interviewstudie sowie die ausführliche Ergebnisdarstellung und Diskussion der Experteninterviews.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind Sportnote, pädagogisches Feedback, Kompetenzorientierung, Bezugsnorm, Leistungsfortschritt und die Herstellung von Transparenz im Lehr-Lernprozess.
Warum ist das Thema Transparenz im Sportunterricht besonders herausfordernd?
Sport ist als Bewegungsfach mehrdimensional, da Leistungen (motorisch, sozial, kognitiv) oft schwerer exakt vergleichbar sind als in anderen Fächern, was eine spezifische Ambivalenz bei der Notengebung hervorruft.
Welche Rolle spielen Transparenzpapiere in der Praxis?
Sie dienen als schriftliche Grundlage, um Lernenden Kriterien, Gewichtungen und Anforderungen für Sportnoten frühzeitig zu kommunizieren und so Verunsicherungen zu minimieren.
Ist Objektivität bei der Benotung im Sport ein erreichbares Ziel?
Das Dokument weist darauf hin, dass absolute Objektivität schwierig ist, weshalb Lehrkräfte auf eine Mischung aus punktuellen, objektiv messbaren Ergebnissen und pädagogischen Rückmeldungen sowie Transparenz setzen sollten.
- Citar trabajo
- Anonym (Autor), 2022, Notengebung im Fach Sport. Wie kann Transparenz bei der Notengebung hergestellt werden?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1257209