Schon die Fragestellung zeigt auf: der Petrarkismus ist ein System, in dem recht regelhaft sprachliche und motivische Elemente aus Petrarcas „Canzoniere“ übernommen werden, wobei durch die Imitation und Ausformung insbesondere des antithetischen Motivs eine gewisse Formelhaftigkeit entsteht. Zugleich werden der angebeteten Dame Attribute in Art eines „Schönheitskatalogs“ zugesprochen, um sie – ähnlich wie in der Minnelyrik – emporzuheben. Sie ist ein bezauberndes, aber abweisendes Wesen, das den Dichter lustvollen Schmerz über die unerfüllte Liebe artikulieren lässt.
Inhaltsverzeichnis
- Inwiefern passt Martin Opitz' Gedicht „Sonnet“ in das System des Petrarkismus?
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Dieser Essay untersucht, inwieweit Martin Opitz' Gedicht "Sonett" den Konventionen des Petrarkismus entspricht. Die Analyse konzentriert sich auf stilistische und motivische Elemente, um die Einordnung des Gedichts zu bestimmen.
- Analyse der formalen Struktur des Sonetts im Vergleich zum Petrarkismus
- Untersuchung der verwendeten Metaphorik und ihrer satirischen Umkehrung
- Bewertung der Einhaltung petrarkistischer Konventionen bezüglich der Darstellung der Geliebten
- Erörterung der Rolle von Mythologie und Anspielungen in Opitz' Gedicht
- Einordnung des Gedichts im Kontext des Antipetrarkismus
Zusammenfassung der Kapitel
Der Essay beginnt mit der Feststellung, dass der Petrarkismus ein System mit regelhaften sprachlichen und motivischen Elementen ist. Opitz' "Sonett" scheint zunächst die Merkmale des Petrarkismus zu erfüllen: Sonettform, Lobpreis der Dame, Verwendung von Prätiosenmetaphorik. Jedoch werden die Metaphern satirisch verkehrt angewendet, wodurch die Dame hässlich erscheint. Der letzte Vers enthüllt den satirischen Charakter des Gedichts. Eine detailliertere Betrachtung zeigt weitere Abweichungen: die Sonettform entspricht der französischen Variante, Opitz orientiert sich möglicherweise an Du Bellay und Berni. Die grotesken Schönheitsbeschreibungen ab dem letzten Vers der Quartette entstammen mythologischen Referenzen. Es fehlt an inhaltlicher Einheit zwischen den Quartetten und Terzetten. Der Vers „In summa du bezwingst die Götter vnnd Göttinnen“ ist vielschichtig interpretierbar und markiert einen thematischen Wendepunkt. Die folgenden Terzette enthalten eine formelhafte Moral. Der Name Tyndaris (Helena) und der Schlussvers, der die Dame dem Feind wünscht, verdeutlichen die antipetrarkistische Intention des Gedichts. Der Essay schließt mit einer Einordnung des Gedichts in den Antipetrarkismus, der petrarkistische Konventionen kritisiert, parodiert oder ironisiert.
Schlüsselwörter
Petrarkismus, Antipetrarkismus, Martin Opitz, Sonett, Prätiosenmetaphorik, Satire, Mythologie, Joachim Du Bellay, Francesco Berni, Metapher, Antithese, Liebeslyrik.
Häufig gestellte Fragen
Entspricht Martin Opitz' „Sonett“ den Regeln des Petrarkismus?
Formal ja, inhaltlich jedoch nutzt Opitz petrarkistische Mittel satirisch aus, um sie ins Gegenteil (Antipetrarkismus) zu verkehren.
Was sind die typischen Merkmale des Petrarkismus?
Dazu gehören antithetische Motive (lustvoller Schmerz), ein „Schönheitskatalog“ der Dame und eine formelhafte Metaphorik.
Warum wird Opitz' Gedicht als Antipetrarkismus bezeichnet?
Weil er die Prätiosenmetaphorik so übersteigert oder verkehrt anwendet, dass die Dame am Ende hässlich erscheint und der Feind sie bekommen soll.
Welche Rolle spielt die Mythologie in dem Gedicht?
Opitz nutzt mythologische Referenzen (wie Tyndaris/Helena), um groteske Schönheitsbeschreibungen zu untermauern.
Welche Sonettform verwendet Opitz?
Opitz orientiert sich in diesem Werk an der französischen Variante des Sonetts, ähnlich wie Du Bellay.
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- Natalie Schilling (Author), 2009, Inwiefern passt Martin Opitz‘ Gedicht „Sonnet“ in das System des Petrarkismus?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/124502