Vor zehn Jahren fanden in Osteuropa Umwälzungen statt, die das Gesicht Europas grundsätzlich ändern sollten. Heute kann man mit einem gewissen Abstand darauf zurückblicken und die Ereignisse beurteilen. Thema dieser Hausarbeit sind die Vorgänge in Polen, speziell der Systemwandel und die Verfassunggebung.
Seit den ersten Modernisierungstheorien von Lipset1 versucht man, Erklärungen dafür zu finden, warum und durch welche Bedingungen sich autoritäre oder totalitäre Systeme zu Demokratien wandeln. Der Ansatz untersucht vor allem die sozioökonomische Entwicklung der Länder. Diese wird als Hauptfaktor für die Demokratisierung eines Landes angesehen. Diese mit statistischen Mitteln eng definierten Kausalitäten stellten sich aber nur in wenigen Fällen ein, so daß man im Laufe der Zeit Alternativen zu diesem deterministischen Ansatz suchte. Diese Alternative fand man bei den eigentlichen Verursachern von politischen Veränderungen, den Akteuren.
Der akteursorientierte Ansatz2 soll hier die Frage beantworten, wie es zu den Vorgängen in Polen kommen konnte und wie diese letztlich in die heutige polnische Demokratie führten. Der Systemwandel in Polen erfolgte total. Das wirtschaftliche, gesellschaftliche und politische System Polens wurde grundlegend verändert. Einzelne Akteure wie General Jaruzelski oder Lech Walesa spielten dabei eine herausragende Rolle, den Systemwandel zu gestalten. Das Verhalten dieser Akteure trug maßgeblich zum friedlichen Übergang bei.
Drei Phasen kennzeichnen dabei den akteursorientierten Ansatz zum Systemwechsel: Liberalisierung, Demokratisierung und Konsolidierung. Polen gilt heute als Musterbeispiel in Osteuropa für den geglückten Systemwandel. Warum dies so ist und welche Ereignisse dazu führten soll in dieser Hausarbeit dargestellt werden. Dazu sollen die drei Phasen mit ihren wichtigsten Geschehnissen erläutert werden.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Systemwechsel in Polen
- Liberalisierung
- Demokratisierung
- Konsolidierung
- Verfassunggebung in Polen
- Bewertung
- Anhang:
- Das gesetzliche Verfahren der Verfassungsgebung
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Hausarbeit befasst sich mit dem Systemwandel und der Verfassunggebung in Polen nach den Umwälzungen in Osteuropa vor zehn Jahren. Der Fokus liegt auf der Analyse des akteursorientierten Ansatzes zum Systemwechsel, der die drei Phasen Liberalisierung, Demokratisierung und Konsolidierung umfasst. Die Arbeit untersucht, wie diese Phasen in Polen konkret abliefen und welche Ereignisse zu einem geglückten Systemwandel führten. Dabei wird auch der Prozess der Verfassunggebung in Polen beleuchtet, der als Teil der Konsolidierungsphase betrachtet wird.
- Systemwechsel in Polen: Analyse des akteursorientierten Ansatzes
- Liberalisierung: Herausforderungen und Reformversuche des alten Regimes
- Demokratisierung: Der „Runde Tisch“ und die friedliche Verhandlungslösung
- Konsolidierung: Herausbildung einer Bürgergesellschaft und der Prozess der Verfassunggebung
- Verfassunggebung in Polen: Analyse des Weges zur neuen Verfassung
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung beleuchtet die Umwälzungen in Osteuropa und die Relevanz des Systemwandels und der Verfassunggebung in Polen. Sie stellt den akteursorientierten Ansatz als Grundlage der Analyse vor und beschreibt die drei Phasen des Systemwechsels: Liberalisierung, Demokratisierung und Konsolidierung.
Das Kapitel über den Systemwechsel in Polen untersucht die drei Phasen im Detail. Die Liberalisierung wird als Phase der Reformversuche des alten Regimes beschrieben, die jedoch nicht zu einer Stabilisierung führten. Die Demokratisierung wird am Beispiel des „Runden Tischs“ beleuchtet, der den Weg für die Ablösung des autoritären Regimes durch eine pluralistische Demokratie ebnete. Die Konsolidierung wird als die längste und schwierigste Phase des Systemwandels vorgestellt, in der sich die junge Demokratie stabilisiert und eine Bürgergesellschaft entwickelt.
Das Kapitel über die Verfassunggebung in Polen untersucht den Prozess der Erstellung der neuen Verfassung, der als Teil der Konsolidierungsphase angesehen wird. Es werden die verschiedenen Stationen des Prozesses vom „Runden Tisch“ über das Verfahrensgesetz zur Verfassunggebung und die „kleine Verfassung“ bis zur neuen Verfassung beleuchtet.
Schlüsselwörter
Systemwandel, Verfassunggebung, Polen, Liberalisierung, Demokratisierung, Konsolidierung, „Runder Tisch“, Verhandlungslösung, Bürgergesellschaft, Verfassungsprozess, Reformstaaten Osteuropas.
Häufig gestellte Fragen
Wie verlief der Systemwechsel in Polen?
Der Wechsel erfolgte in drei Phasen: Liberalisierung (Reformversuche), Demokratisierung (Runder Tisch) und Konsolidierung (neue Verfassung und stabile Demokratie).
Was war die Bedeutung des "Runden Tisches" in Polen?
Der Runde Tisch ermöglichte eine friedliche Verhandlungslösung zwischen dem kommunistischen Regime und der Opposition (Solidarność), was den Weg zur Demokratie ebnete.
Welche Rolle spielten Akteure wie Lech Walesa?
Einzelne Akteure waren entscheidend für die Gestaltung des Wandels; ihr Verhalten trug maßgeblich zu einem gewaltfreien Übergang bei.
Wann wurde die neue polnische Verfassung verabschiedet?
Der Verfassungsprozess war Teil der Konsolidierungsphase und mündete nach mehreren Zwischenschritten (wie der „kleinen Verfassung“) in der neuen demokratischen Verfassung.
Warum gilt Polen als Musterbeispiel für den Systemwandel?
Wegen des totalen, aber friedlichen Umbaus des wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Systems hin zu einer funktionierenden Bürgergesellschaft.
- Arbeit zitieren
- Werner Schima (Autor:in), 2000, Systemwandel und Verfassunggebung in Polen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1198