Anhand einiger Gedanken zum Vertragsrecht möchte ich aufzeigen, dass das geltende Recht von dem Bestreben getragen ist, beide Arten von Vertrauen zu schützen, sowohl das nach dem Eingehen einer Geschäftsbeziehung als auch das durch Versprechen und Signale hervorgerufenes. Dabei erfolgt diese Sicherung des Vertrauens in aller Regel entweder durch direkte Handlungsanweisungen an eine Vertragsseite, die notfalls gerichtlich erzwungen werden können, oder durch die Auferlegung von Ersatzpflichten für den Fall der Verletzung einer Norm. Im Bereich des Gewährleistungsrechts, also dem Einstehenmüssen für zugesagte Qualität, gibt es bspw. solche Vorschriften, die zum Austausch bzw. der Reparatur von Gütern verpflichten. Auch in den Regeln über die Lauterkeit des Wettbewerbs (und der Werbung) manifestieren sich direkte Anweisungen. Ergänzt wird all dies durch das allgemeine Haftpflichtrecht, welches für den Fall von Schäden, die im Zuge eines Vertragsverhältnisses entstehen, sogar besondere (gläubigerfreundliche) Sonderregeln enthalten. Auswirkungen haben diese Punkte u.a. auf die richtige Wahl der Produktionsqualität, den optimalen Einsatz von Marketingmethoden und die Effizienz des Abgehens von Versprechen, d.h. Vertragsbrüchen. Daher stelle ich im ersten Hauptteil dieser Arbeit zunächst die Grundzüge des Vertragsrechts und dessen Bedeutung für den Güteraustausch dar. Danach wird der Einsatz des Rechtsinstituts der Konventionalstrafe und die letzte Novelle des Gewährleistungsrechts auf deren Auswirkungen auf die Leistungsqualität und deren Transparenz beleuchtet, wobei ebenfalls ein Vergleich mit der Verwendung anderer Werbemethoden angestellt wird.
Inhaltsverzeichnis
EINLEITUNG
1. ZUSAMMENHÄNGE DER WEITEREN BETRACHTUNG
1.1. Gedanken zum Vertrauensbegriff
1.2. Zum Gegenstand der Arbeit
2. DAS VERHÄLTNIS VON RECHT UND ÖKONOMIE
2.1. Parallelen zweier Disziplinen
2.2. Effizienzkriterien in Recht und Ökonomie
3. DIE ENTWICKLUNG DER ÖKONOMISCHEN ANALYSE DES RECHTS
4. ABSICHERUNG VON VERTRAUEN DURCH DAS RECHT
4.1. Optimale Ressourcenallokation als Ziel
4.2. Grundgedanken der Spieltheorie
4.3. Erste Anwendung: der Kreditkauf
4.4. Verfügungsrechte als Grundlage des Wirtschaftens
4.5. Zur Bedeutung der „Rechtsallokation“ durch die Gesetzgebung
4.6. Recht als Anreizstruktur zum Vertrauensschutz
SPEZIALPROBLEME DES VERTRAGSRECHTS
1. ÖKONOMIE IM VERTRAGSRECHT
1.1. Prinzipien des Vertragsrechts
1.2. Verstärkung von Vertragspflichten
1.3. Leistungsstörungen und Erlöschen der Schuld
1.4. Dispositives Vertragsrecht zur Einsparung von Transaktionskosten
1.5. Ökonomischer Wert der Vertragstreue
1.6. ... und der Anpassungsfähigkeit
2. DIE KONVENTIONALSTRAFE ALS SICHERUNGSMECHANISMUS
2.1. Überblick zum Meinungsstand
2.2. Modellaufbau der eigenen Analyse
2.3. Wirkung auf die Zuverlässigkeit
2.4. Auswirkungen auf den Preis
2.5. Ergebnis
3. VERGLEICH VON QUALITÄTSSIGNALEN
3.1. Qualitätssignale als Teil des Marketings
3.2. Hintergrund und Modellannahmen
3.3. Einsatz von Garantien
3.4. Werbung als Information?
3.5. Nochmals zur Werbung: Auswirkungen eines längeren Zeithorizonts
3.6. Implikationen
4. AUSWIRKUNGEN DER REFORM DES GEWÄHRLEISTUNGSRECHTS
4.1. Begriffsabgrenzung und Gesetzeslage
4.2. Ökonomische Vorbemerkung
4.3. Informationsverluste aufgrund zwingender Gewährleistungsfristen
4.4. Verhinderte Transaktionen
4.5. Ausschluss von Produzenten
4.6. Würdigung der Teilergebnisse
DIE “NEW ECONOMY” UND DAS RECHT
1. ENTWICKLUNG DES E-BUSINESS
1.1. Allgemeine Beobachtungen
1.2. Arten elektronischen Wirtschaftens
1.3. Praktische Bedeutung & offene Fragen
2. GRUNDPFEILER DER „NEUEN“ ÖKONOMIE: FOLGT DIE WIRTSCHAFT NEUEN REGELN?
2.1. Besonderheiten von Informationsgütern
2.2. Wachsende Skalenerträge
2.3. Netzwerkeffekt
2.4. Lock-In
3. NEUE STRATEGIEN IM MARKETING
3.1. „Follow-the-free“
3.2. „Versioning“
3.3. „Bundling“
3.4. „Branding“
3.5. Zusammenhänge
4. NEUE RECHTSVORSCHRIFTEN ALS BASIS NOTWENDIGEN VERTRAUENS
5. KONSUMENTENVERHALTEN IM E-BUSINESS
5.1. Kaufentscheidungsprozesse allgemein
5.2. Kundenbindung im Internet?
5.3. Empirische Untersuchung
5.4. Conclusio aus der Befragung
6. UNSICHERHEITEN BEI VIRTUELLEN UNTERNEHMEN
6.1. Definition und zentrale Eigenschaften
6.2. Offene Rechtsfragen
6.3. Weitere Schwierigkeiten: Technik, Führung & Vertrauen
ZUSAMMENFASSUNG
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, die fundamentale Rolle von Vertrauen im Vertragsrecht und in der neuen digitalen Ökonomie (E-Business) zu analysieren. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie rechtliche Rahmenbedingungen Vertrauen absichern können, um so effiziente Marktprozesse und Investitionen zu fördern, die ansonsten aufgrund von Unsicherheit oder opportunistischem Verhalten ausbleiben könnten.
- Ökonomische Analyse des Rechts
- Vertragsrechtliche Sicherungsmechanismen (wie Konventionalstrafen)
- Qualitätssignale (Garantien vs. Werbung)
- Konsumentenverhalten im elektronischen Handel
- Rechtliche Herausforderungen virtueller Unternehmungen
Auszug aus dem Buch
1.1. Gedanken zum Vertrauensbegriff
Der Begriff des Vertrauens weist keine klaren Konturen auf. Er wird deshalb ganz unterschiedlich verwendet und verstanden. (Wiegand 1994, S. 183) Shapiro (1987, S. 623) spricht sogar von einem verwirrenden Potpourri von Definitionen. Und Husted (1990, S. 24) meint, dass die Definition von Vertrauen deswegen problematisch ist, da es derartig viele Zugänge zu diesem Konzept gibt. Dem kann man nur zustimmen, wenn man daran denkt, dass sich so unterschiedliche Disziplinen wie Psychologie, Soziologie, Ökonomie, Politikwissenschaft, Rechtswissenschaft, Philosophie, Anthropologie, Ethik und Management ausführlicher mit dem Begriff „Vertrauen“ beschäftigen und natürlich jede Richtung andere Aspekte hervorhebt.
In der Umgangssprache versteht man unter Vertrauen eine Annahme über die Verlässlichkeit gewisser Eigenschaften einer Person oder Sache. Wir beschäftigen uns in der weiteren Folge jedoch nur mit dem persönlichen Vertrauen. Darunter ist das Vertrauen zu verstehen, das ein Vertrauensgeber in eine konkrete andere Person, den Vertrauensempfänger, setzt. (Schmidtchen 1994) Allgemeinvertrauen, also Vertrauen in andere (unbekannte) Menschen oder in Institutionen, Systeme, Sachen oder Vertrauen auf eine "Ordnung in den Dingen", war hier nicht Gegenstand der Untersuchung.
Beim persönlichen Vertrauen müssen wiederum zwei Ansatzpunkte unterschieden werden, nämlich Vertrauen in die Fähigkeiten einer Person, eine bestimmte Leistung zu erbringen (dazu gehört auch die Fähigkeit, ein Recht zu übertragen) und der Wille, d.h. die Motivation, dies auch zu tun. Erneut werden wir wiederum nur einen dieser Punkte betrachten, nämlich den zweiten Aspekt.
Zusammenfassung der Kapitel
EINLEITUNG: Die Einleitung beleuchtet den Vertrauensbegriff aus interdisziplinärer Sicht und stellt die ökonomische Analyse des Rechts als zentrale Methode vor.
SPEZIALPROBLEME DES VERTRAGSRECHTS: Dieses Hauptteilkapitel untersucht vertragsrechtliche Prinzipien sowie Sicherungsmechanismen wie Konventionalstrafen und Qualitätssignale im Kontext des Gewährleistungsrechts.
DIE “NEW ECONOMY” UND DAS RECHT: Dieser Teil analysiert die ökonomischen Besonderheiten des E-Business und diskutiert die notwendigen rechtlichen Grundlagen für Vertrauen in digitalen Märkten.
Schlüsselwörter
Vertrauen, Vertragsrecht, Ökonomische Analyse des Rechts, E-Business, Konsumentenverhalten, Konventionalstrafe, Qualitätssignale, Gewährleistungsrecht, Netzwerkeffekte, Lock-in, Virtuelle Unternehmungen, Haftungsmodelle, Informationsgüter, Privatautonomie, Spieltheorie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Dissertation im Kern?
Die Arbeit untersucht die Bedeutung von Vertrauen als essentielle Basis für wirtschaftliche Transaktionen im Vertragsrecht und speziell im E-Business.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit behandelt die ökonomische Analyse des Rechts, Mechanismen zur Sicherung von Vertragspflichten, die Rolle von Qualitätssignalen sowie das Verhalten von Konsumenten und die rechtlichen Herausforderungen in der „New Economy“.
Welches ist das primäre Forschungsziel?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie das Recht durch Anreizstrukturen Vertrauen sichern kann, um effiziente Güteraustauschprozesse zu ermöglichen, die bei Vertrauensmangel zum Erliegen kämen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt schwerpunktmäßig die „ökonomische Analyse des Rechts“ (Law & Economics), um Rechtsnormen und rechtliche Einrichtungen auf ihre Anreizwirkungen und Effizienz hin zu untersuchen.
Welche Schwerpunkte hat der Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in eine ökonomische Betrachtung des allgemeinen Vertragsrechts (inkl. Konventionalstrafen und Gewährleistung) sowie eine Analyse der E-Business-Ökonomie (inkl. Netzwerkeffekten und virtuellem Unternehmen).
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Untersuchung?
Wesentliche Begriffe sind Vertrauen, Transaktionskosten, Effizienz, Qualitätssignale, Gewährleistungsreform, Netzwerkeffekte und virtuelle Unternehmungen.
Wie wirkt sich das neue Gewährleistungsrecht auf Produzenten aus?
Der Autor argumentiert, dass die Reform zwar die Qualität fördern kann, aber durch die längere Haftungsdauer Produzenten niedriger Qualität aus dem Markt drängt, was die Vielfalt einschränkt.
Welche Probleme bestehen bei der Haftung in virtuellen Unternehmen?
Das Hauptproblem liegt in der „Greifbarkeit“ dieser Organisationen; da sie oft keine eigenständigen Ressourcen besitzen, wird eine Solidarhaftung diskutiert, um den Konsumenten zu schützen.
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- DDr. Jürgen Noll (Author), 2003, Sicherung von Vertrauen als Basis des Vertragsrechts und Motor des E-Business, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118904