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Der Hochleistungssport in der DDR

Titel: Der Hochleistungssport in der DDR

Bachelorarbeit , 2008 , 61 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Lisa Marlen Häßler (Autor:in)

Sport - Sportgeschichte
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Meine Bachelor-Arbeit im Fach Sport bezieht sich auf das Thema des DDR-Hochleistungssports als Mittel zum Zweck. In dem oben angeführten Zitat wird deutlich, dass es schon wenige Jahre nach Gründung der DDR zu einer politischen Instrumentalisierung des Sports kommen sollte. Der Sport als populärster gesellschaftlicher Bereich diente somit als Medium, um die staatlichen Ziele zu verwirklichen.
Die Leistung im Sport stand nun im Mittelpunkt, um die politischen Ideologien der DDR durchzusetzen und jeder Sportler hatte sich dem – stark an der Sowjetunion orientierten – Sportsystem anzupassen, wenn er längerfristig erfolgreich sein wollte.
Um bestmögliche Leistung zu erbringen, war das System des Hochleistungssports in der DDR auf „weitgehende relative operative Autonomie“ angelegt, welche nur annähernd erreicht werden konnte, sobald das Sportsystem dem der Gesellschaft gerecht wurde oder dieses sogar übertraf. Das Erbringen perfekter sportlicher Leistungen stellte eine weitere Möglichkeit dar, die eben erwähnte Autonomie zu erreichen. Im Dezember 1948 stellte das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) eine Forderung, mit der man die sowjetische Sportwissenschaft in den darauf folgenden Jahren identifizieren sollte:
„Körperkultur und Sport in jeden Winkel des Landes zu verbreiten und das Fertigkeitsniveau in einer solchen Weise anzuheben, dass sowjetische Sportler weltweite Überlegenheit in den wesentlichen Sportarten in der unmittelbaren Zukunft erbringen“ (Riordan 1977, S. 165 in: Buss/Becker, 2001, S. 539).
Die absolute Leistungssteigerung, die sogenannte „Anthropomaximologie“, wurde als Ziel gesetzt (vgl. Krüger, in: Buss/Becker, 2001, S. 539). Wichtig war es nun, zur richtigen Zeit in Bestform zu sein und nicht nur einfach zu einem beliebigen Zeitpunkt in seiner Sportlerlaufbahn.
Walter Ulbricht und sein Nachfolger Erich Honecker sahen den Sport als ein „Instrument des Klassenkampfes“, der die Überlegenheit des gesamten sozialistischen Systems zum Ausdruck bringen sollte. Auch der langjährige Minister für Staatssicherheit in der DDR, Erich Mielke, verstand den Sport als eine „wichtige politische Waffe [...] die wir zur Stärkung unserer sozialistischen Heimat, zur Erhöhung des internationalen Ansehens des Sozialismus, zur Erhaltung des Friedens und zur Völkerverständigung einsetzen“ (Holzweißig, 1988, S. 7)

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geschichtlicher Überblick

3. Innerdeutsche Sportbeziehungen

4. Aufbau des Sportsystems

4.1 Der Deutsche Sportausschuss

4.2 Das Staatliche Komitee für Körperkultur und Sport

4.3 Der Deutsche Turn- und Sportbund und dessen Abteilungen

4.4 Das Nationale Olympische Komitee

4.5 Die Leistungssportkommission

5. Trainer und Trainerausbildung

6. Die Deutsche Hochschule für Körperkultur

7. Sportanlagen und Sportmaterial

8. Kinder und Jugendliche im DDR-Spitzensport

8.1 Die „Olympiade der Kleinen“ - Spartakiaden in der DDR

8.2 Die Einheitliche Sichtung und Auswahl

8.3 Die Trainingszentren

8.4 Die Kinder- und Jugendsportschulen der DDR

9. Innen und außenpolitische Aufgaben des Sports

10. Internationale Sportbeziehungen der DDR

10.1 Brüderliche Zusammenarbeit mit den sozialistischen Ländern

10.2 Beziehungen zu Ländern der Dritten Welt

10.3 Bilaterale Beziehungen zu kapitalistischen Ländern

11. Internationale Erfolge der DDR

12. Die Instrumentalisierung des Sports als wichtigste Möglichkeit internationaler Anerkennung

13. Doping – Mittel um die gesteckten Ziele zu erreichen

14. Résumé

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht den Hochleistungssport in der DDR als ein zentrales Instrument staatlicher Politik. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich damit, wie der Sport gezielt instrumentalisiert wurde, um staatliche Ziele zu verwirklichen, internationale Anerkennung zu erlangen und die Überlegenheit des sozialistischen Systems zu demonstrieren, wobei insbesondere die Rolle von SED-Funktionären und die tiefgreifende staatliche Steuerung beleuchtet werden.

  • Die politische Instrumentalisierung des Sports zur Legitimierung des DDR-Staates
  • Struktur und Funktionsweise des DDR-Sportsystems und seiner Kontrollorgane
  • Die systematische Nachwuchsförderung durch Sichtung, Trainingszentren und Sportschulen
  • Der Einsatz von Doping als Mittel zur Erreichung sportlicher Erfolge
  • Die Rolle des Sports in den innerdeutschen und internationalen Beziehungen

Auszug aus dem Buch

4.2. Das Staatliche Komitee für Körperkultur und Sport

Um den Sport in den Aufbau des Sozialismus einzubeziehen, forderte Walter Ulbricht auf der zweiten Parteikonferenz der SED im Namen des Politbüros die Errichtung eines Staatlichen Komitees für Körperkultur und Sport (SKKS) nach sowjetischem Vorbild. Die Hauptaufgabe sollte darin bestehen, die Überlegenheit Deutschlands in den wichtigsten Sportarten zu sichern. Somit entstand am 24. Juli 1952 eine „oberste Instanz“ der Organisation für alle Bereiche des Sports einschließlich der wissenschaftlichen Forschung und der schulischen Erziehung von Körperkultur unter dem Vorsitz von Manfred Ewald (vgl. Bernett, 1994, S. 79). Das staatliche Organ wurde auf Bezirksebene verankert, in den Kreisen gab es nachgeordnete Dienststellen. Damit wurde der DSA entmachtet und der Sport endgültig Instrumentarium der Politik. Die Aufgaben dieses Komitees konzentrierten sich auf alle Belange des Leistungssports, des Nachwuchssports, der Sportwissenschaft und der Kaderfragen.

Durch die Gründung des DTSB im Jahre 1957 wurden dem Komitee jedoch neue Aufgaben zugewiesen. Von nun an war es für alle Fragen im Bereich der Körperkultur und des Sports verantwortlich und sollte beste Bedingungen für den DDR-Spitzensport schaffen. Zu den Aufgaben gehörten besonders die „Planung und Koordination von Sportwissenschaft und Sportmedizin als auch der gesamte Sektor der Investitionen“. Ab dem 1. September 1963 unterstand dem Komitee auch ein „Büro zur Förderung des Sports in den Betrieben“, dessen Aufgabe es war, die gesamte berufliche Qualifikation der Kadersportler sowie die Nachbetreuung beim Ausscheiden aus dem Sport zu gewährleisten (vgl. Diekmann/Teichler, 1997, S. 173 ff).

Am 17. Juni 1970 wurde das Komitee im Rahmen des Ministerratsbeschlusses schließlich in ein Staatssekretariat umgewandelt, welches von 1973 bis 1990 unter der Leitung von Günter Erbach stand. Unter der Verantwortung des Staatssekretariats befanden sich die Deutsche Hochschule für Körperkultur und Sport (DHfK), der Sportmedizinische Dienst, das Wissenschaftlich-technische Zentrum für Sportbauten, das Zentrale Investitionsbüro Sportbauten, das Forschungsinstitut für Körperkultur und Sport, die Forschungs- und Entwicklungsstelle für Sportgeräte und das Technische Zentrum für Geräteherstellung.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Beschreibt die Funktion des Sports als politisches Medium zur staatlichen Zielerreichung und zur Demonstration der Überlegenheit des Sozialismus.

2. Geschichtlicher Überblick: Analysiert die sportliche Entwicklung der DDR vor dem Hintergrund der deutschen Teilung und der Direktive Nr. 23.

3. Innerdeutsche Sportbeziehungen: Thematisiert die Spannung zwischen den deutschen Staaten, in denen Sport als ideologisches Kampfinstrument und Abgrenzungspolitik diente.

4. Aufbau des Sportsystems: Untersucht die institutionelle Struktur des DDR-Sports, von der führenden Rolle der SED bis hin zu speziellen Komitees und Verbänden.

5. Trainer und Trainerausbildung: Beleuchtet die Bedeutung zentral gelenkter Trainingssysteme und die ideologische Ausbildung von Trainern als Instrument der Staatsführung.

6. Die Deutsche Hochschule für Körperkultur: Fokussiert auf die DHfK als zentrale wissenschaftliche Kader- und Lehrstätte zur Professionalisierung des DDR-Spitzensports.

7. Sportanlagen und Sportmaterial: Erläutert die infrastrukturellen Herausforderungen und die staatlichen Bemühungen zur materiellen Förderung des Spitzensports.

8. Kinder und Jugendliche im DDR-Spitzensport: Beschreibt das engmaschige System der Talentsichtung durch Spartakiaden, Trainingszentren und KJS.

9. Innen und außenpolitische Aufgaben des Sports: Analysiert den Doppelcharakter des Sports als Instrument für interne Erziehung und externe Anerkennung.

10. Internationale Sportbeziehungen der DDR: Untersucht die Außenpolitik durch den Sport mit Fokus auf sozialistische Bruderländer, Dritte Welt und kapitalistische Staaten.

11. Internationale Erfolge der DDR: Dokumentiert den sportlichen Aufstieg der DDR zu einer weltweit führenden Sportnation ab den 1950er Jahren.

12. Die Instrumentalisierung des Sports als wichtigste Möglichkeit internationaler Anerkennung: Reflektiert die strategische Nutzung von sportlichen Medaillenerfolgen für diplomatische Zwecke.

13. Doping – Mittel um die gesteckten Ziele zu erreichen: Thematisiert den massiven Missbrauch von unterstützenden Mitteln zur Sicherung der internationalen Vormachtstellung.

14. Résumé: Fasst den Aufstieg und den notwendigen Untergang des DDR-Sportsystems im Kontext des politischen Wandels zusammen.

Schlüsselwörter

DDR, Hochleistungssport, Sportpolitik, SED, DTSB, Olympische Spiele, Staatsamateure, Sportinstrumentalisierung, Doping, Trainingszentren, Kinder- und Jugendsportschulen, internationale Anerkennung, Systemvergleich, KJS, Spartakiaden.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert den Hochleistungssport der ehemaligen DDR als ein zentrales Instrument der SED-Politik, das primär dazu diente, internationale Anerkennung zu erzwingen und den Systemwettstreit mit der Bundesrepublik Deutschland sowie dem Westen zu gewinnen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Die zentralen Themen umfassen die politische Steuerung des Sports, das System der staatlichen Nachwuchsförderung, die internationale Sportdiplomatie der DDR und den systematischen Einsatz von Doping.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Arbeit untersucht, wie das Sportsystem durch eine totale Instrumentalisierung zu einem Medium staatlicher Macht wurde und welche Rolle dabei die politische Ideologie bei der Gestaltung von Sportstrukturen und der Athletenbetreuung spielte.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin stützt sich auf eine fundierte Literatur- und Quellenanalyse, wobei sie historische Aufzeichnungen, Parteibeschlüsse und sportwissenschaftliche Publikationen heranzieht, um die Entwicklung des Sportsystems nachzuzeichnen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in den institutionellen Aufbau des Sports, die Analyse der zentralen Nachwuchsorganisationen (Trainingszentren, KJS), die internationale Vernetzung der Sportpolitik und den staatlich organisierten Doping-Komplex.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?

Wichtige Begriffe sind DDR-Hochleistungssport, Politische Instrumentalisierung, SED-Kontrolle, Doping, Nachwuchsförderung, Spartakiaden, internationale Anerkennung und Systemwettstreit.

Warum war das „Trainingstagebuch“ (TTB) für junge Sportler so bedeutsam?

Das TTB diente nicht nur der Dokumentation sportlicher Fortschritte, sondern war ein zentrales Instrument der ideologischen Erziehung, durch welches die Sportler bereits in jungen Jahren auf den Staats- und Parteiauftrag eingeschworen wurden.

Welche Rolle spielte die „Hallstein-Doktrin“ in den sportlichen Beziehungen der DDR?

Die Hallstein-Doktrin erschwerte die internationale Anerkennung der DDR, da die BRD diplomatische Beziehungen zu Staaten abbrach, die die DDR staatlich anerkannten; der Sport wurde hierbei als wichtiges Feld genutzt, um diese diplomatische Isolation zu durchbrechen.

Warum wurden viele Jugendliche in den 80er Jahren aus den Sportschulen (KJS) entlassen?

Die KJS-Schüler unterlagen einer ständigen politischen Überprüfung; Kontakte zum Westen, mangelnde politische Linientreue oder das Nichterfüllen von Leistungsnormen führten zur Entlassung, wobei das System die Jugendlichen oft als „nicht mehr perspektivreich“ stigmatisierte.

Ende der Leseprobe aus 61 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Der Hochleistungssport in der DDR
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen  (Sportinstitut)
Veranstaltung
Sport in der modernen Gesellschaft
Note
1,0
Autor
Lisa Marlen Häßler (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2008
Seiten
61
Katalognummer
V117810
ISBN (eBook)
9783640209019
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hochleistungssport Sport Gesellschaft
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Lisa Marlen Häßler (Autor:in), 2008, Der Hochleistungssport in der DDR, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117810
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Leseprobe aus  61  Seiten
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