Der Gegenstand der vorliegenden Hausarbeit ist die Geschlechterkonstruktion in der Novelle El desdeñado más firme von Leonor de Meneses. Der Kurzroman wurde aus dem Zeitalter des Siglo de Oro heraus verfasst und steht in dessen soziokulturellen Kontext. Deutlich wird dies anhand eines Geschlechterdiskurses. Die Geschlechter sind in den festgefahrenen Verhaltensnormen einer höfischen Gesellschaft gefangen und verfolgen oftmals das neuplatonische Liebeskonzept und den Ehrenkodex der „natürlichen Ordnung“. Meneses schlüsselt spielerisch die idealistische Vorstellung auf und verleiht den Figuren auf eine charmante Art einen eigenen Willen, eine eigene Meinung und einen individuellen Charakter. Die spielerische Entfaltung kommt deutlich bei den Hauptfiguren Lisis de Toledo und Don César zum Vorschein. Die beiden Figuren und Lisis de Madrid stehen im Mittelpunkt der Hausarbeit. Sie werden den drei Galanen Don Felipe, Don Luis und dem Marqués gegenübergestellt, die den Kontrast zu den anderen Charakteren bilden.
Im ersten Teil konzentriert sich die Hausarbeit auf die Entfaltung der Literatur im goldenen Zeitalter. Weiter wird die patriarchalische Struktur und die Liebesphilosophie thematisiert und das stilistische Mittel der Schein-Sein-Antithetik herausgestellt. Im zweiten Teil wird die Theorie aus dem ersten Teil anhand der Novelle El desdeñado más firme untersucht. Hier wird das Verhalten einzelner Figuren analysiert und gegenübergestellt. Weiter wird die Frage nach der Verwendung des stilistischen Mittels des „engaño“ und „desengaño“ revidiert und eine Schlussbetrachtung erstellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Goldene Zeitalter
2.1. Entfaltung der Literatur, der Sprache und des Theaters
2.2. Gesellschaftsstrukturen und Liebesphilosophie
2.3. Die „engaño-desengaño“-Thematik in Spanien
3. El desdeñado más firme
3.1. Aufbau und Inhalt des Kurzromans
3.2. Strukturalistische Lesart der Diskussionspunkte
3.2.1. Genderkonstruktionen und idealistische Liebeskonzeption
3.2.2. Täuschung als stilistisches Mittel
4. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Geschlechterkonstruktionen und das Zusammenspiel von idealistischer Liebe und Täuschungsstrategien in der Novelle "El desdeñado más firme" von Leonor de Meneses im soziokulturellen Kontext des spanischen Siglo de Oro.
- Analyse der Geschlechterrollen im Rahmen der patriarchalischen Gesellschaft des 17. Jahrhunderts.
- Untersuchung der "engaño-desengaño"-Thematik als stilistisches und narratives Mittel.
- Gegenüberstellung von idealistischen Liebeskonzepten und der individuellen Handlungsfreiheit der Figuren.
- Reflektion der Identitätsverwirrung und der Täuschungsstrategien als zentrales Strukturmerkmal des Werkes.
Auszug aus dem Buch
3.2.1. Genderkonstruktionen und idealistische Liebeskonzeption
In Leonor de Meneses Werk findet ein Diskurs über die Geschlechterkonstruktion statt. Die Geschlechter Mann und Frau werden implizit geführt. Implizit bedeutet, dass die Geschlechterrollen nach Außen der höfischen Gesellschaft entsprechen. Konventionell und stereotypisierte Figuren werden indirekt mit einer Gegendarstellung von Mann und Frau aufgebrochen. Durch die inhaltliche Komplexität ist der Verlauf der Handlung oft schwer nachvollziehbar. Das Spiel mit der Identiätsverwirrung kann hier als stilistischen Mittel betrachtet werden.
Wie bereits im ersten Kapitel erwähnt, besteht im Siglo de Oro eine patriarchalische Gesellschaftsstruktur. Frauen konnten nicht über ihr Leben entscheiden und wurden zum Objekt von Männern, die für sie entschieden haben. In El desdeñado más firme wird das durch die Rolle des Don Felipe deutlich. Er nimmt sich augenscheinlich das Recht heraus, über die Ehe und den Ehrenkodex seiner Tochter zu entscheiden. Nach seiner Meinung ist Jacinto, für den sich Lisis de Madrid entschieden hat, nicht ehrenwürdig genug. Er beschließt einen neuen Mann für sie zu suchen. Don Felipe sorgt sich um die Ehre seiner Tochter. Zudem nimmt er die Entscheidung zur Ehe auch der Cousine Lisis de Toledo ab, in dem er sie dem Marques verspricht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema der Geschlechterkonstruktion im Siglo de Oro ein und skizziert den Aufbau der Untersuchung sowie die zentrale Fragestellung zur Novelle.
2. Das Goldene Zeitalter: Dieses Kapitel beleuchtet den kulturellen und soziokulturellen Rahmen des Siglo de Oro, einschließlich der Literaturgeschichte, Gesellschaftsstrukturen und der spezifischen Thematik des "engaño-desengaño".
3. El desdeñado más firme: Der Hauptteil analysiert den Aufbau der Novelle sowie die zentralen Diskussionspunkte, wobei ein besonderer Fokus auf den Geschlechterkonstruktionen und der Täuschung als stilistisches Mittel liegt.
4. Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung fasst die Ergebnisse zusammen und hebt hervor, wie Meneses durch den Bruch mit idealistischen Wertvorstellungen die Geschlechterrollen und die Wirklichkeit ihrer Zeit kritisch hinterfragt.
Schlüsselwörter
Siglo de Oro, Leonor de Meneses, El desdeñado más firme, Geschlechterkonstruktion, Patriarchat, Liebesphilosophie, engaño-desengaño, Identitätsverwirrung, Täuschungsstrategie, höfische Gesellschaft, Emanzipation, neuplatonische Liebe, Literatur des Barock.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Darstellung von Geschlechterrollen und Liebesidealen in der Novelle "El desdeñado más firme" von Leonor de Meneses vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Normen des spanischen Barock.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die patriarchalische Struktur, die neuplatonische Liebeskonzeption, die "engaño-desengaño"-Thematik (Schein und Sein) sowie die Identitätsverwirrung als narratives Element.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Meneses durch den Einsatz stilistischer Mittel und den Kontrast zwischen den Figuren gesellschaftliche Rollenbilder hinterfragt und aufbricht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine strukturalistische Lesart, um die Diskussionspunkte der Novelle sowie das Verhalten und die Rollen der einzelnen Figuren systematisch zu analysieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine inhaltliche Vorstellung der Novelle und eine detaillierte strukturalistische Analyse der Geschlechterkonstruktionen und Täuschungsstrategien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlüsselwörter sind Siglo de Oro, Geschlechterkonstruktion, Täuschungsstrategie, höfische Gesellschaft und die "engaño-desengaño"-Thematik.
Warum ist die Identitätsverwirrung für das Werk zentral?
Die Identitätsverwirrung zwischen den Cousinen Lisis de Toledo und Lisis de Madrid dient als bewusst eingesetztes stilistisches Mittel, das die Täuschungsstrategie innerhalb der höfischen Gesellschaft widerspiegelt und die Leser involviert.
Wie rebelliert die Figur Lisis de Toledo gegen die gesellschaftliche Ordnung?
Lisis de Toledo lehnt die konventionelle Ehe und die ihr zugewiesenen Rollen ab, manifestiert ihren eigenen Willen zur Freiheit und wird daher als "mujer esquiva" charakterisiert.
- Citar trabajo
- Madleen Slezak (Autor), 2021, Starke Frauen, verführerische Männer. Genderkonstruktionen, idealistische Liebe und Täuschungen in Leonor de Meneses‘ "El desdeñado más firme", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1169956