Sozialismus und Liberalismus gelten gemeinhin als zivilgesellschaftliche Gegenkräfte zum Antisemitismus, der seit dem späten 19. Jahrhundert in der deutschen Gesellschaft zunehmend Fuß fasste. Die Antisemitismusforschung hat jedoch aufgedeckt, dass auch auf der linken Seite des politischen Spektrums judenfeindliche Stereotype kultiviert und ideologisch verzerrte Judenbilder gepflegt wurden. Unterschieden sich Antisemiten und Anti- Antisemiten letztendlich gar nicht in ihrer Einstellung gegenüber den Juden, sondern nur in ihren Lösungsvorschlägen der „Judenfrage“? Waren die Vorurteile von Sozialisten und Liberalen gegenüber Juden Zugeständnisse an einen gesamtgesellschaftlichen Antisemitismus, oder handelte es sich um hausgemachte Phänomene? Diesen Fragen soll an Hand der Studien von Lars Fischer zur SPD und von Auguste Zeiß- Horbach zum Verein zur Abwehr des Antisemitismus nachgegangen werden.
Inhaltsverzeichnis
- Anti- Antisemitismus auf dem Prüfstand
- Neue Studien über das Verhältnis von Sozialismus und Liberalismus zu Antisemitismus und Judentum
- Anmerkungen zu: Lars Fischer, The Socialist Response to Antisemitism in Imperial Germany, Cambridge 2007 und Auguste Zeiß- Horbach, Der Verein zur Abwehr des Antisemitismus. Zum Verhältnis von Protestantismus und Judentum im Kaiserreich und in der Weimarer Republik, Leipzig 2008.
- Die Abwehr des Antisemitismus
- Philosemitismus
- Anti- Antisemitismus oder Abwehr des Antisemitismus
- Zur Historiographiegeschichte
- Jüdische Selbstorganisation
- Nichtjüdische Organisationen
- Die Erweiterung des Gegenstandsbereichs der Antisemitismusforschung
- Antisemitismus als gesellschaftliches Phänomen
- Judenfeindliche Stereotype in gesellschaftlichen Gruppen, Parteien, Vereinen, Verbänden, Kirchen usw.
- Der Paradigmenwechsel in der Historiographie zum katholischen Sozialmilieu
- Die SPD und der Antisemitismus
- Eine neue Studie von Lars Fischer
- Der „Antiphilosemitismus“ von Franz Mehring
- Karl Marx' Zur Judenfrage (1844)
Häufig gestellte Fragen
Waren Sozialismus und Liberalismus im Kaiserreich wirklich frei von Antisemitismus?
Nein, die Forschung zeigt, dass auch in diesen Lagern judenfeindliche Stereotype und ideologisch verzerrte Judenbilder gepflegt wurden.
Welche Rolle spielte die SPD im Kampf gegen den Antisemitismus?
Die SPD galt als Gegenkraft, jedoch gab es innerhalb der Partei Ambivalenzen, wie die Studie von Lars Fischer über die sozialistische Reaktion verdeutlicht.
Was war der "Verein zur Abwehr des Antisemitismus"?
Es war eine liberale Organisation, die versuchte, dem wachsenden Antisemitismus im Kaiserreich und der Weimarer Republik entgegenzutreten.
Wie beurteilte Franz Mehring das Verhältnis zum Judentum?
Mehring wird in der Forschung oft mit einem "Antiphilosemitismus" in Verbindung gebracht, der jüdische Interessen kritisch beäugte.
Gab es judenfeindliche Stereotype auch bei den Gegnern des Antisemitismus?
Ja, oft unterschieden sich Antisemiten und deren Gegner nicht in den Vorurteilen an sich, sondern primär in den Lösungsvorschlägen zur sogenannten "Judenfrage".
Was besagt die neuere Forschung über das Verhältnis von Marx zur "Judenfrage"?
Marx' Schrift von 1844 wird heute kritisch auf ihre judenfeindlichen Elemente und deren Einfluss auf die spätere sozialistische Ideologie untersucht.
- Citation du texte
- Thomas Gräfe (Auteur), 2008, Anti-Antisemitismus auf dem Prüfstand, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/116691