Ist die These des Identitäts- und Rationalitätsverlusts von Individuen in Menschenmassen zutreffend? Ist es so, dass der Eintritt eines Individuums in eine Menschenmenge notwendigerweise mit dem Verlust von Selbstwahrnehmung und Vernunft einhergeht? Und wenn dem nicht so sein sollte: Welche sozialpsychologischen und gesellschaftstheoretischen Perspektiven auf Menschenmassen ergeben sich daraus? Und wie kann es sein, dass Le Bons Perspektive bis heute noch eine Rolle spielt, wenn es um Massenphänomene geht?
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Le Bons Massenpsychologie
- Verlust des Selbst
- Verlust der Urteilskraft und Rückfall ins Unbewusste
- Menschenmassen bei Reicher, Drury, Turner & Tajfel
- Le Bons „Narrativ des Verlusts" aus Perspektive der Theorie sozialer Identitäten
- Selbstkategorisierungstheorie und EMSI
- Empowerment / Kollektive Selbstermächtigung
- „Die Masse“ als politisches Konfliktfeld
- Kollektiver Rationalitätsverlust: Massenpsychologie als verwissenschaftliche Ideologie bürgerlich-konservativer Ordnungsvorstellungen
- Kollektive Selbstermächtigung: Massen als Trägerinnen sozialen Wandels
- Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit befasst sich mit dem Phänomen der Menschenmassen und untersucht, wie sie in der Sozialpsychologie und Gesellschaftstheorie verstanden werden. Die Arbeit analysiert die klassische Massenpsychologie von Gustave Le Bon, die von einem Verlust von Identität, Vernunft und Selbstkontrolle in Menschenmengen ausgeht. Anschließend werden sozialpsychologische Ansätze vorgestellt, die diese „Narrativ des Verlusts“ kritisieren und alternative Perspektiven auf Menschenmassen bieten. Die Arbeit gipfelt in einer Diskussion der politischen Intentionen hinter Le Bons Theorie und der gesellschaftstheoretischen Einordnung der verschiedenen Perspektiven auf Massenphänomene.
- Die klassische Massenpsychologie von Gustave Le Bon
- Die Kritik an Le Bons „Narrativ des Verlusts“ aus sozialpsychologischer Sicht
- Alternative Ansätze zur Erklärung von Massenverhalten
- Die politische Intention der Massenpsychologie
- Gesellschaftstheoretische Einordnung der verschiedenen Perspektiven auf Menschenmassen
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung führt in die Thematik ein und stellt die zentralen Forschungsfragen vor. Das zweite Kapitel befasst sich mit Le Bons Massenpsychologie und beleuchtet seine Theorie des Verlusts von Selbst, Vernunft und Urteilskraft in Menschenmengen. Kapitel drei analysiert Le Bons „Narrativ des Verlusts“ aus der Perspektive der Theorie sozialer Identität, der Selbstkategorisierungstheorie und dem „erweiterten massenpsychologischen Modell der sozialen Identität“. Das vierte Kapitel diskutiert die politischen Implikationen der verschiedenen Perspektiven auf Massenphänomene und stellt die Massenpsychologie als verwissenschaftlichte Ideologie bürgerlich-konservativer Ordnungsvorstellungen dar.
Schlüsselwörter
Massenpsychologie, Gustave Le Bon, soziale Identität, Selbstkategorisierungstheorie, erweiterte massenpsychologische Modell der sozialen Identität (EMSI), politische Intentionen, gesellschaftstheoretische Einordnung, Menschenmassen, Kollektivverhalten, Verlust des Selbst, Vernunftverlust, soziale Kontrolle, soziale Bewegungen.
Häufig gestellte Fragen
Welche zentrale These vertritt Gustave Le Bon über Menschenmassen?
Le Bon behauptet, dass Individuen in einer Masse ihre Identität und Rationalität verlieren und in einen Zustand der Triebhaftigkeit und des Unbewussten zurückfallen.
Was ist das „Narrativ des Verlusts“ in der Massenpsychologie?
Es beschreibt die Vorstellung, dass der Eintritt in eine Menge zwangsläufig mit dem Verlust von Selbstwahrnehmung, Vernunft und moralischer Kontrolle einhergeht.
Wie kritisiert die Theorie sozialer Identitäten Le Bons Ansätze?
Ansätze wie die von Reicher und Drury argumentieren, dass Massenverhalten nicht irrational ist, sondern auf einer gemeinsamen sozialen Identität und kollektiven Zielen basiert.
Was bedeutet „kollektive Selbstermächtigung“ im Kontext von Massen?
Anstatt eines Verlusts wird die Masse hier als Ort gesehen, an dem Individuen durch die Gruppe Kraft gewinnen, um sozialen Wandel herbeizuführen und ihre Interessen zu vertreten.
War Le Bons Massenpsychologie politisch motiviert?
Ja, seine Theorie gilt oft als verwissenschaftlichte Ideologie bürgerlich-konservativer Kreise, die darauf abzielte, revolutionäre Bewegungen als pathologisch und gefährlich darzustellen.
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- Anonym (Author), 2021, (Menschen-)Massen. Orte kollektiven Rationalitätsverlusts oder kollektiver Selbstermächtigung?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1161837