Das Christentum und der Islam sind die beiden größten Religionsgemeinschaften auf unserer Erde. Immer wieder konkurrieren sie um den Titel der besseren, einzig richtigen Religion. Es ist alles fein säuberlich getrennt. Ein Anhänger des Christentums heißt Christ, geht in eine Kirche und liest die Bibel. Ein muslimischer Gläubiger ist ein Muslime, besucht eine Moschee und studiert den Koran. Als Gläubiger muss man sich entscheiden, ob man Christ oder Muslime sein will. Im schlimmsten Fall schließt das eine das andere nicht nur aus sondern bedeutet eine Zugehörigkeitserklärung auch, dass man sich die Menschen der anderen Glaubensrichtung zum Feind macht. Bis heute scheint die Kluft zwischen den beiden Religionen nicht kleiner geworden zu sein, im Gegenteil. Auch heute, im Zeitalter der Globalisierung, der Öffnung von Grenzen, hält sich eine Grenze nicht nur sehr hartnäckig, sondern sie scheint sich sogar auch immer mehr zu verfestigen. Und das obwohl man heute weiß, dass das nicht immer so war und auch nicht so sein müsste. Bereits Muhammed selbst ließ sich von christlichen Gedanken beeinflussen. Er hörte auf seinen Reisen christliches Gedankengut und baute es in den Koran ein…
Inhaltsverzeichnis
1 Der Islam und das Christentum
2 Jesus im Koran
3 Die Verkündung und Empfängnis Jesu
4 Die Geburt des Jesuskindes
5 Jesus und seine Wundertaten
6 Der Tod Jesu
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung und Bedeutung der Figur Jesu im Koran im Vergleich zu christlichen Überlieferungen und arbeitet dabei die theologischen Differenzen sowie Gemeinsamkeiten zwischen Islam und Christentum heraus.
- Koranische Sicht auf Jesus im Vergleich zur christlichen Bibel
- Die Rolle der Empfängnis und Geburt Jesu im islamischen Verständnis
- Die Bedeutung von Wundertaten und göttlicher Bevollmächtigung
- Differenzierte Analyse der islamischen Perspektive auf das Ende des Lebens Jesu
Auszug aus dem Buch
3 Die Verkündung und Empfängnis Jesu
„Da sandten Wir unseren Geist zu ihr [Maria]. Er erschien ihr im Bildnis eines wohlgestalteten Menschen. … Er sagte: ´Ich bin der Bote deines Herrn, um dir einen lauteren Knaben zu schenken.´ Sie sagte: ´Wie soll ich einen Knaben bekommen? Es hat mich doch kein Mensch berührt, und ich bin keine Hure.´ Er sagte: ´So wird es sein. Dein Herr spricht: Das ist Mir ein leichtes. Wir wollen ihn zu einem Zeichen für die Menschen und zu einer Barmherzigkeit von Uns machen. Und es ist eine beschlossene Sache.´ So empfing sie ihn.“ (Bauschke 2001, S. 13)
So lautet die Sure 19 in der mekkanischen Kindheitserzählung. Der wohlgestaltete Geist wird heute meist als Engel Gabriel interpretiert, auch in muslimischen Kreisen. Die Bezeichnung ´lauter, rein´ wird unterschiedlich gedeutet. Es kann heißen, dass der Knabe Jesus sündlos war oder auch, dass er rechtschaffen war oder makellos und rein in jeder Hinsicht. Auch die Empfängnis des Kindes ist nicht ganz klar. Im Koran ist von einer Empfängnis durch das Einhauchen des göttlichen Geistes die Rede. Gabriel soll Maria von seinem Atem eingeblasen haben. Doch es gibt auch Berichte davon, dass Gabriel unter ihr Hemd hauchte, der Hauch in ihren Leib gelangte und sie so schwanger wurde. Auf jeden Fall war es ein göttlicher Schöpfungsakt, ganz so, wie auch bei Adam, dem Gott seinem Geist eingehaucht hat.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Der Islam und das Christentum: Dieses Kapitel thematisiert die bestehende Kluft und die historische Interaktion zwischen den beiden Weltreligionen.
2 Jesus im Koran: Hier wird analysiert, wie der Koran Jesus als Propheten und Gesandten Gottes beschreibt und warum das christliche Gottesbild dabei abgelehnt wird.
3 Die Verkündung und Empfängnis Jesu: Das Kapitel erläutert die koranische Erzählung der Empfängnis durch den Geist Gottes und setzt diese in den Kontext des schöpferischen Wortes.
4 Die Geburt des Jesuskindes: Hier werden die Erzählungen über die Geburt in der Wüste sowie die Rolle Marias und das erste Sprechen des Jesuskindes beleuchtet.
5 Jesus und seine Wundertaten: Der Autor beschreibt, wie Jesus Wunder vollbringt, die jedoch stets auf den Willen und die Kraft Gottes zurückzuführen sind.
6 Der Tod Jesu: Dieses Kapitel setzt sich mit der Vieldeutigkeit koranischer Verse bezüglich des Todes und der Erhöhung Jesu auseinander.
Schlüsselwörter
Jesus, Koran, Islam, Christentum, Maria, Messias, Prophet, Gottes Sohn, Wundertaten, Empfängnis, Tod Jesu, Schöpfung, Offenbarung, Religionsdialog, Monotheismus
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Darstellung und theologischen Einordnung von Jesus im Koran im Vergleich zur christlichen Tradition.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Im Zentrum stehen die Kindheitserzählungen, die Wundertaten Jesu sowie die islamische Sichtweise auf seinen Tod und seine Erhöhung.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage zielt darauf ab, die Unterschiede und Gemeinsamkeiten im Bild Jesu zwischen dem Islam und dem Christentum aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, bei der koranische Texte und verschiedene Kommentierungen herangezogen werden, um das Jesusbild zu explizieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Lebensabschnitte Jesu – von der Verkündung über die Geburt bis hin zu seinen Wundern und dem Ende seines irdischen Lebens.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Prophet, Sohn Marias, Messias, göttliche Bevollmächtigung und das schöpferische Wort.
Warum wird Jesus im Koran nicht als Sohn Gottes bezeichnet?
Der Koran betont die Einzigartigkeit und Transzendenz Gottes; die Vorstellung einer leiblichen Vaterschaft oder Göttlichkeit Jesu widerspricht dem islamischen Glaubensverständnis.
Welche Rolle spielt Maria im Koran im Vergleich zur Bibel?
Maria ist im Koran die einzige namentlich erwähnte Frau und nimmt eine bedeutende Stellung als Mutter Jesu ein, wobei ihr Leben in der Darstellung eng mit der Ankunft Jesu verbunden ist.
Was ist das sogenannte "Wiegenwunder"?
Es bezeichnet das im Koran erwähnte Ereignis, bei dem das neugeborene Jesuskind spricht, um Maria gegen Anschuldigungen zu verteidigen.
Wie deutet der Koran den Tod Jesu?
Der Koran bietet keine eindeutige Schilderung seines Todes, betont jedoch, dass Jesus nicht durch Menschenhand getötet wurde und Gott ihn zu sich genommen hat.
- Quote paper
- Sigrid Lang (Author), 2007, Jesus und der Koran, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115956