Ziel dieser Arbeit ist es, die beiden Teile Deutschlands in ihrer Unterschiedlichkeit in Bezug auf die Arbeitsteilung in Paarbeziehungen gegenüberzustellen und zu vergleichen. Hierfür wird zunächst der Begriff der häuslichen Arbeit genauer erläutert und mit dem der Erwerbsarbeit gegenübergestellt. Folgend werden zwei Theorien zur Erklärung von partnerschaftlicher Arbeitsteilung thematisiert. Als rational choice basierter Ansatz wird die ökonomische Theorie und als rollentheoretischer Ansatz die Geschlechterrollentheorie vorgestellt. Auf dieser Theoriegrundlage wird dann in einem ersten Schritt die häusliche sowie die berufliche Arbeitsteilung im Westen Deutschlands thematisiert und in einem zweiten mit der des Ostens in einen Vergleich gesetzt.
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Auswirkungen der Modernisierung der Geschlechterrollen in deutschen Familien. Hierbei wird der Fokus auf die Herausstellung von Unterschieden bei der Verteilung häuslicher Arbeit und Erwerbsarbeit zwischen Ost- und Westdeutschland gesetzt. Tatsache ist, dass auch nach Jahren der Wiedervereinigung in beiden Teilen Deutschlands Differenzen bezüglich der Geschlechtervorstellungen, der häuslichen Arbeitsteilung und Erwerbsarrangements in partnerschaftlichen Beziehungen fortbestehen. Besonders im Bereich der häuslichen Arbeitsteilung, welcher hauptsächlich als eine Tätigkeit angesehen wird, die erledigt werden muss, die aber im Vergleich zur Erwerbsarbeit weder angemessen entlohnt wird noch zu einer vergleichbaren Anerkennung führt, gibt es starke Abweichungen zwischen Ost- und Westdeutschland.
Aus diesem Grund ist es interessant zu untersuchen, wo genau diese Unterschiede zwischen West- und Ostdeutschland liegen und wie diese zu begründen sind. Darüber hinaus widmet sich diese Ausarbeitung der Frage, aus welchem Grund sich trotz egalitären modernen Denkens, traditionelles Handeln ergibt und ob dies mit rein rationalen ökonomischen Motiven oder eher mit gesellschaftlich (re)produzierten Geschlechterrollen begründet werden kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition häusliche Arbeitsteilung und Erwerbsarbeit
2.1. Die ökonomische Theorie der Arbeitsteilung
2.2. Die geschlechterspezifische Theorie der Arbeitsteilung
3. Methode
4. Familienstrukturen und (häusliche) Arbeitsteilung in Westdeutschland
4.1. Kindererziehung und -betreuung im Westen Deutschlands
4.2. Familienstruktur und (häusliche) Arbeitsteilung in Ostdeutschland
4.3. Kindererziehung und -betreuung in Ostdeutschland
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Auswirkungen des gesellschaftlichen Wandels auf die Verteilung von häuslicher Arbeit und Erwerbsarbeit in deutschen Familien, wobei der Fokus auf den Unterschieden zwischen Ost- und Westdeutschland liegt.
- Analyse der ökonomischen Theorie der Arbeitsteilung
- Untersuchung der geschlechterspezifischen Rollenbilder
- Vergleich der Arbeitsteilung in west- und ostdeutschen Familien
- Evaluation des Einflusses von Kindererziehung auf die Erwerbsbiografie
- Diskussion über die Persistenz traditioneller Rollenmodelle
Auszug aus dem Buch
2.1. Die ökonomische Theorie der Arbeitsteilung
Ausgangsgrundlage der ökonomischen Theorie ist die Modellvorstellung des Menschen als Homo oeconomicus, welche besagt, dass Menschen versuchen ihren individuellen Nutzen zu maximieren und dabei stets rational handeln. Innerhalb der ökonomischen Theorie der Arbeitsteilung wird diese Annahme dahingegen modifiziert, dass die Personen ihre Nutzenfunktion maximieren und somit zum maximalen Nutzen des Kollektivs beitragen (Hill & Kopp, 2002: 115). Es ist also so, dass nicht der Eigennutzen eines jeden Mitglieds im Vordergrund steht, sondern das gemeinschaftliche Interesse an der Nutzenmaximierung aller im Haushalt lebender Akteure (Hill & Kopp, 2002: 245). Nutzenmaximierung heißt, dass vorhandene Güter und Ressourcen so eingesetzt werden, dass sie für die Akteure in der Familie den größtmöglichen Ertrag bringen. Menschliches handeln folgt demnach weitgehend rationalen Kriterien.
In der ökonomischen Theorie wird grundsätzlich davon ausgegangen, dass Ressourcen und Güter wie zum Beispiel Zeit begrenzt sind, woraus ein Allokationsproblem entstehen kann, welches sich mit der Frage auseinandersetzt, wie knappe Güter verwendet und verteilt werden (Hausarbeit, Lohnarbeit, Kindererziehung, Freizeit etc.), damit ein effizientes Wohlfahrtsergebnis erzielt werden kann (Hill & Kopp, 2002: 114 f.). Wer die Hausarbeit letztendlich erledigt, ist nach der ökonomischen Theorie eine Frage des Humankapitals, der Kosten oder der ökonomischen Ressourcen der Haushaltsmitglieder (Haberkern, 2007: 162) das heißt, dass diese Entscheidung nicht geschlechterspezifisch getroffen wird, da hier klar, wie zuvor bereits angemerkt, die maximale Nutzenmaximierung im Fokus des Interesses steht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der geschlechterspezifischen Arbeitsteilung in Paarbeziehungen ein und begründet die Relevanz der Untersuchung des gesellschaftlichen Wandels in Deutschland.
2. Definition häusliche Arbeitsteilung und Erwerbsarbeit: In diesem Kapitel werden grundlegende Begriffe definiert sowie die theoretischen Ansätze der ökonomischen Theorie und der geschlechterspezifischen Theorie erläutert.
3. Methode: Dieses Kapitel beschreibt das methodische Vorgehen der Arbeit, welches sich auf den Vergleich empirischer Studien, Umfragedaten des Statistischen Bundesamtes und qualitativer Paarinterviews stützt.
4. Familienstrukturen und (häusliche) Arbeitsteilung in Westdeutschland: Das Kapitel beleuchtet die historischen Entwicklungen und die Dominanz des Versorgerehemodells im Westen sowie die Herausforderungen bei der Vereinbarkeit von Erwerbs- und Familienarbeit.
4.1. Kindererziehung und -betreuung im Westen Deutschlands: Hier wird die Rolle der Väter und die gesellschaftliche Diskussion um aktive Vaterschaftskonzepte im westdeutschen Kontext analysiert.
4.2. Familienstruktur und (häusliche) Arbeitsteilung in Ostdeutschland: Dieses Kapitel kontrastiert die Arbeitsteilung und Rollenbilder in Ostdeutschland mit denen im Westen unter Berücksichtigung historischer DDR-Prägungen.
4.3. Kindererziehung und -betreuung in Ostdeutschland: Die Analyse zeigt die Unterschiede in der Betreuungsinfrastruktur und die daraus resultierenden Auswirkungen auf die Erwerbsorientierung ostdeutscher Mütter auf.
5. Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und resümiert, dass trotz Angleichungstendenzen weiterhin Unterschiede in den Rollenbildern zwischen Ost- und Westdeutschland bestehen.
Schlüsselwörter
Arbeitsteilung, Erwerbsarbeit, Geschlechterrollen, Haushalt, Familienmodell, Homo oeconomicus, Vereinbarkeit, Humankapital, Rollenverständnis, Kinderbetreuung, Ostdeutschland, Westdeutschland, Gender, Sozialisation, Rational Choice.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Verteilung von häuslicher Arbeit und Erwerbsarbeit in Paarbeziehungen und untersucht dabei die Unterschiede zwischen ost- und westdeutschen Familien.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die ökonomische Theorie der Arbeitsteilung, geschlechterspezifische Rollenbilder, die historische Entwicklung familiärer Strukturen und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Unterschiede in der Arbeitsteilung zwischen den beiden Teilen Deutschlands zu vergleichen und zu begründen, warum trotz modernen, egalitären Denkens häufig traditionelle Muster fortbestehen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Autorin nutzt eine Kombination aus einer Literaturanalyse theoretischer Ansätze (Rational Choice, Rollentheorie) und einer Auswertung empirischer Daten des Statistischen Bundesamtes sowie qualitativer Studien.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden neben den theoretischen Grundlagen spezifisch die familiären Strukturen, Rollenverteilungen und die Kinderbetreuungssituation in West- und Ostdeutschland detailliert analysiert und anhand von Diagrammen illustriert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Arbeitsteilung, Geschlechterrollen, Vereinbarkeit, Humankapital, Ost-West-Vergleich sowie die Begriffe Rational Choice und Haushaltsökonomie.
Wie prägt die historische Entwicklung in der DDR die heutige Arbeitsteilung im Osten?
Die Arbeit zeigt, dass die sozialistische Tradition der hohen Erwerbsbeteiligung von Frauen und eine ausgebaute Betreuungsinfrastruktur die heute noch egalitäreren Strukturen in ostdeutschen Familien maßgeblich beeinflusst haben.
Was besagt die ökonomische Theorie in Bezug auf die Arbeitsteilung im Haushalt?
Die ökonomische Theorie postuliert, dass Partner basierend auf dem Prinzip der Nutzenmaximierung ihre Aufgaben so aufteilen, dass das Humankapital effizient genutzt wird, wobei die Entscheidung primär nach rationalen Kosten-Nutzen-Kriterien und nicht nach Geschlecht getroffen werden sollte.
- Citation du texte
- Anonym (Auteur), 2020, Häusliche Arbeitsteilung in West- und Ostdeutschland. Ein Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1142035