Das Ding als philosophischer Begriff wurde zunächst in seiner Bedeutung von dem Begriff der Sache getrennt, die Scholastiker und der Rationalismus machten vom Begriff des Dings Gebrauch als von etwas von anderen Dingen getrenntem und außerhalb des Bewusstseins existierendem. Kant definiert das Ding als das Andere des Denkens, etwas vom denkenden Subjekt unabhängiges: "Indem I.Kant das D. nicht in seiner Unabhängigkeit von anderen "Dingen", sondern seiner Unabhängigkeit vom wahrnehmenden u. erkennenden Menschen untersuchte, kam er zu dem Gegensatz von Ding an sich und Erscheinung". Beide Seiten an dem Ding sind jedoch von erheblicher Bedeutung: sowohl seine Unabhängigkeit vom denkenden Subjekt als auch sein Getrenntsein von anderen Dingen. Es wird zunächst untersucht, was Kant durch seine einseitige Betrachtung des Dings - nur als des vom erkennenden Subjekt Unabhängigen - gewinnt, und was er dadurch an möglicher spekulativer Erkenntnis preisgibt. Es folgt die Auseinandersetzung mit dem Ding und seinen Eigenschaften in Hegels Phänomenologie des Geistes. Hier tritt das erkennende Subjekt in den Hintergrund und die Unabhängigkeit der Dinge voneinander gewinnt wieder an Bedeutung, wobei sich das Ding als widersprüchlich - im Widerspruch mit seinen Eigenschaften - erweist.
Das Ziel der Untersuchung, die mit der Bestimmung des Dings in Hegels Wissenschaft der Logik fortgeführt wird, ist 1) Ein Beweis der Existenz der vom denkenden Subjekt unabhängigen extramentalen Dinge - eine verbindliche Widerlegung des Erkenntnisrelativismus (ob Skeptizismus, Solipsismus oder die Dinge nur denkende - nicht erkennende - rationalistische Gedankenspielerei)und 2) Ein Beweis der Erkennbarkeit der Dinge durch das denkende Subjekt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Ding an sich bei Kant
2.1. Bestimmtheit und Bestimmbarkeit
2.2. Konsequenzen der Unerkennbarkeit des Dings an sich
2.3. Grundsätzliche Kritik an Kants Konzeption
3. Das Ding und das Bewusstsein in der Phänomenologie des Geistes
3.1. Die Wahrheit der sinnlichen Gewissheit
3.2. Das Ding der Wahrnehmung
3.3. Das Ding als Täuschung
4. Das Ding in der Lehre vom Wesen
4.1. Vom reinen Sein zum Wesen
4.2. Die Erscheinung. Die Existenz. Das Ding.
4.3. Identität von Ding an sich und Erscheinung
5. Schlusswort
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht die philosophische Konzeption des "Dings" und dessen Verhältnis zur Erscheinung bei Immanuel Kant und G.W.F. Hegel. Das primäre Ziel ist es, die Existenz vom denkenden Subjekt unabhängiger, extramentaler Dinge nachzuweisen und eine verbindliche Widerlegung des Erkenntnisrelativismus zu leisten, indem die Erkennbarkeit der Welt gegenüber der Kantischen Trennung von Ding an sich und Erscheinung neu bewertet wird.
- Vergleich der Ding-Auffassung bei Kant und Hegel
- Kritik an der kantischen Unerkennbarkeit des Dings an sich
- Analyse des Wahrnehmungsbegriffs in der Phänomenologie des Geistes
- Untersuchung der Identität von Ding an sich und Erscheinung in der Wissenschaft der Logik
- Widerlegung von Skeptizismus und solipsistischen Tendenzen
Auszug aus dem Buch
3.2. Das Ding der Wahrnehmung
War die sinnliche Gewissheit unmittelbar, so geht dem Bewusstsein der Wahrnehmung die Unmittelbarkeit verloren. Es entsteht im Bewusstsein anstatt der Unmittelbarkeit eine Entzweiung, eine Entgegensetzung des Wahrnehmenden und des Wahrgenommenen: "Für uns oder an sich ist das Allgemeine als Prinzip das Wesen der Wahrnehmung; und gegen diese Abstraktion die beiden unterschiedenen, das Wahrnehmende und das Wahrgenommene, das Unwesentliche. Aber in der Tat, weil beide selbst das Allgemeine oder das Wesen sind, sind sie beide wesentlich; indem sie aber sich als Entgegengesetzte auf einander beziehen, so kann in der Beziehung nur das eine das Wesentliche sein; und der Unterschied des Wesentlichen und Unwesentlichen muss sich an sie verteilen". Sowohl das Wahrnehmende als auch das Wahrgenommene sind Allgemeine. Das Wahrnehmende ist das Bewusstsein selbst, das Wahrgenommene ist das Ding. Wenn, wie in der Kantischen Konzeption, die Vorstellungen die Gegenstände bestimmen, dann ist der Unterschied des Wesentlichen und des Unwesentlichen so verteilt, dass das erkennende Subjekt das Wesentliche und der Gegenstand das Unwesentliche ist: "Man versuche es daher einmal, ob wir nicht in den Aufgaben der Metaphysik damit besser fortkommen, dass wir annehmen, die Gegenstände müssen sich nach unserem Erkenntnis richten...". Das Bewusstsein der Wahrnehmung resultiert aber aus der sinnlichen Gewissheit, es hat sich als deren Wahrheit erwiesen. Die Stufe der Reflexion ist noch nicht erreicht; das Bewusstsein hat das Allgemeine der Wahrnehmung als das Wahre zu nehmen, in Beziehung zu dem es selbst das Unwesentliche ist: "Das Eine als das Einfache bestimmt, der Gegenstand, ist das Wesen, gleichgültig dagegen, ob er wahrgenommen wird, oder nicht; das Wahrnehmen aber als die Bewegung ist das Unbeständige, das sein kann, oder auch nicht, und das Unwesentliche".
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Ding als philosophischen Begriff und stellt die Zielsetzung auf, die Existenz unabhängiger Dinge gegenüber Kant und durch Hegels Dialektik zu beweisen.
2. Das Ding an sich bei Kant: Dieses Kapitel kritisiert die Kantische Trennung zwischen dem unerkennbaren Ding an sich und der Erscheinung als inkonsequent.
3. Das Ding und das Bewusstsein in der Phänomenologie des Geistes: Hier wird der Weg des Bewusstseins von der sinnlichen Gewissheit über die Wahrnehmung hin zum Selbstbewusstsein hinsichtlich des Dings analysiert.
4. Das Ding in der Lehre vom Wesen: Diese Untersuchung zeigt, wie in der Logik die Identität von Ding an sich und Erscheinung begründet und die prinzipielle Erkennbarkeit wiederhergestellt wird.
5. Schlusswort: Das Schlusswort fasst zusammen, dass die Existenz des Dings aus seinem logischen Ort in der Wissenschaft der Logik folgt und es somit als Erscheinung erkennbar ist.
Schlüsselwörter
Ding an sich, Erscheinung, Kant, Hegel, Phänomenologie des Geistes, Wissenschaft der Logik, Erkenntnistheorie, Bewusstsein, Wahrnehmung, Subjekt-Objekt-Verhältnis, Metaphysik, Idealismus, Existenz, Reflexion, Denken.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die philosophische Bestimmung des Dings und die Frage nach seiner Erkennbarkeit im Vergleich der Konzepte von Immanuel Kant und G.W.F. Hegel.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Kritik an der Kantischen Trennung von Ding an sich und Erscheinung, die Analyse des Wahrnehmungsprozesses und der logische Übergang vom Sein zum Wesen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist der Beweis der Existenz extramentaler Dinge und eine Widerlegung des Erkenntnisrelativismus durch den Nachweis, dass das Ding an sich in der Erscheinung erkannt werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine komparative und dialektische Analyse philosophischer Originaltexte, um die Widersprüche in den jeweiligen Ding-Konzeptionen freizulegen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Kritik an Kants Erkenntnistheorie, eine Untersuchung der Phänomenologie des Geistes sowie eine logische Begründung der Identität von Ding und Erscheinung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Ding an sich, Erscheinung, Identität, Bewusstsein, Erkennbarkeit und dialektische Reflexion.
Wie unterscheidet sich Hegels Ansatz bei der Wahrnehmung von Kants Konstruktion?
Während Kant das Ding an sich als unerkennbare Ursache außerhalb der Erscheinung postuliert, betrachtet Hegel den Widerspruch als konstitutiv für das Ding selbst, was eine Identität zwischen Wesen und Erscheinung ermöglicht.
Welche Bedeutung hat das "Fürsichsein" im Kontext der Phänomenologie?
Das Fürsichsein ermöglicht dem Ding eine Unabhängigkeit vom erkennenden Subjekt, wobei es im Wahrnehmungskapitel zunächst noch als bedingtes und widersprüchliches Moment der Reflexion erscheint.
- Citation du texte
- Konstantin Karatajew (Auteur), 2008, Das Ding und die Erscheinung bei Kant und Hegel, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/113745