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Zivilcourage und Widerstand im Nationalsozialismus

Anmerkungen zu einer soziohistorischen Vorbedingung des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus

Título: Zivilcourage und Widerstand im Nationalsozialismus

Trabajo , 2003 , 42 Páginas , Calificación: 1,5

Autor:in: Lennart Laberenz (Autor)

Historia de Alemania - Nazismo, Segunda Guerra Mundial
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Die in dieser Arbeit zentral betrachtet Dimension der Zivilcourage ist in erster Linie nur mittelbar eine originär geschichtswissenschaftlich analysierbare Kategorie. In diesem Sinne werden die hier vorgestellten Überlegungen und Untersuchungen weniger als strenge, quellenorientierte Geschichtswissenschaft, denn vielmehr als interdisziplinäre Analysen und Gewichtung zu zählen sein. Zivilcourage ist ein soziologisch analysierbares Handlungsmuster. Als ein solches steht es auf einem ethischen Gerüst, das sich in der Handlung verwirklicht und so auf moralische Dispositive des gesellschaftlichen Kontext rückgebunden wird. Diese Rückgebundenheit muss überdies klassen- und milieutheoretisch, sowie altersspezifisch subjektiviert und tatsächlich historisch kontextualisiert werden. Dabei fällt eine normative Aussage über die Verbindung von Moral und Handlung in der Tat schwer – eine präzise Deduktion von moralischen Setzungen zu spezifischem Akteurshandeln ist nachgerade unmöglich. Dennoch gelingt es, ein Handlungsmuster auf gesellschaftliche Imperative, Handlungsspektren und deren Begrenzungen und somit auf die vermittelte Substrate der Moral zu beziehen und zu projizieren. Damit ist ein entscheidendes, neben der disziplinären Verortung, zweites Moment bereits angedeutet. Individuelle Handlungsmuster hängen von gesellschaftlichen Sozialisationsprozessen ab und müssen vor diesen dechiffriert werden. Ein wissenschaftlicher Zugriff gelingt dabei etwa über die Analyse von Interaktionen zwischen der politischen Mikro- und Makroebene; systematisiert im Konzept der „politischen Kultur“ lassen sich Regeln und politische Symboliken als Mittler zwischen dem Handeln einzelner Personen und den Funktionsprinzipien institutioneller Ebenen erschließen. [...] Zivilcourage ist also – nach wie vor in der abstrakten Betrachtung – ein Prozess individuierter Rückbindung gesellschaftlich vermittelter Moralsätze. Die Kategorie des subjektiven Gewissens übernimmt dabei eine zentrale Rolle für Handlungsanleitungen, die sich gegebenenfalls von institutionell vorgegebenen oder kollektiv generierten Handlungsimperativen abhebt und sich bisweilen gegen sie stellt. Schon aus dieser ersten Annährung lässt sich zweierlei schließen: Zivilcourage ist auf der Ebene der Privatpersonen angesiedelt und erreicht eine Öffentlichkeit nur über den Zusammenschluss von Privatpersonen. [...]

Extracto


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung: Theoretischer Rahmen – Begriffe und Strukturen

1. Die Individuierung der Moral: Aspekte der Zivilcourage

2. Exkurs: Kritik des Widerstandsbegriffs

3. Zivilcourage und Widerstand

II. Historischer Rahmen: Preußentum, Weimarer Republik und Nationalsozialismus

1. Privatheit der Zivilcourage vs. Kollektivität und Öffentlichkeit des Widerstandes – Aspekte der historischen Ausgangssituation in Deutschland

2. Exkurs: Zivilcourage und Widerstand als historisch bedingte Aspekte einer personalen Identität handelnder Subjekte

3. Historische Vergemeinschaftung unter dem Zeichen des Obrigkeitsstaates: der Untertanengeist

4. Antiliberalismus und Gesellschaft der Unselbständigen: deutsches Volkstum statt Aufklärung als prädominante Strukturen der Weimarer Republik

5. Massenkonformität und Radikalisierung der Zwangsmaßnahmen: Kontinuitäten im Nationalsozialismus

III. Ausblick auf eine Seltenheit: Zivilcourage im Nationalsozialismus

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die soziohistorischen Vorbedingungen des Widerstands gegen den Nationalsozialismus, wobei der Fokus auf dem Konzept der Zivilcourage als einer individuellen, moralisch begründeten Handlungsmöglichkeit innerhalb eines repressiven Obrigkeitsstaates liegt.

  • Analyse von Zivilcourage als soziologisches Handlungsmuster
  • Kritik an traditionellen, oft verengten Widerstandsbegriffen
  • Untersuchung der deutschen Geschichte von Untertanengeist und Obrigkeitsstaatlichkeit
  • Vergleich der politischen Kultur von Kaiserreich und Weimarer Republik
  • Erörterung der psychosozialen Bedingungen für zivilcouragiertes Handeln im Nationalsozialismus

Auszug aus dem Buch

3. Zivilcourage und Widerstand

Aus der Konsequenz der von Steinbach aufgestellten normativen Ausgangslage, müsste jeder Widerstand eigentlich das Stürzen der Regierung Hitler und eine darauf ausgerichtete Militanz zu realisieren erachten. Dieser enge und überdies starr angelegte Begriff von Widerstand verknüpft dabei ein moralisches Urteil – die Ablehnung des NS – zunächst mit einer politisch-militanten Praxis innerhalb von spezifischen Organisationsstrukturen, ohne jedoch notwendigerweise den Zeitraum nach einer eventuell erfolgreichen Aktion explizit zu klären.27 Einer solchen auf die Zukunft einer Widerstandsbewegung abzielenden Konzeption kann historisch kontextualisierbares Sicherheits- und Rationalitätsdenken zuwider laufen – solche Planungen können kaum allein als Ausweis von konkreter Widerstandstätigkeit genügen. Ablehnung von Maßnahmen nationalsozialistischer Politik vermochten zudem Widerstand in Formen von offener Militanz in die Bahnen von Destruktion und Sabotage, oder auch das Befördern von widerständischer Infrastruktur lenken. Der starre Widerstandsbegriff lässt in diesem Zusammenhang alltags- und sozialgeschichtlich fassbare Phänomene außen vor. Zur historischen Beurteilung stehen hierbei allerdings weniger formal-juristische Begriffsableitungen und organisationsstrukturelle Untersuchungen als vielmehr Selbstauskünfte von Beteiligten zur Auswertung – was auch als legitimer Einwand unter Berücksichtigung etwa von Quellenforschung geltend gemacht werden kann.

Wenn davon ausgegangen werden kann, dass ein als eng analysierter Widerstandsbegriff auf das Stürzen der politischen Machtstrukturen eines Systems ausgerichtet ist, so kann zumindest das Handlungsmuster der Zivilcourage davon abgetrennt werden. Es verlangt nach zivilcouragiertem Handeln, einen dergestaltigen Widerstand zu organisieren und zu befördern, wie es auch der zivilen Courage bedarf um durch die Herrschaftspraxis des NS bedrohte Personen zu unterstützen oder zu schützen. Damit soll Zivilcourage nicht aus dem Dunstkreis von Widerstand subtrahiert, sondern vielmehr ein klassisches und in eine systemische Dichotomie eingezwängtes Verständnis von Widerstand um die vielfältigen Spielarten alltäglicher Handlungen erweitert werden.28 Auf diesem Wege scheint über die Untersuchung des Widerstandes zudem ein genauerer Blick auf den Nationalsozialismus selbst gewonnen werden zu können.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Theoretischer Rahmen – Begriffe und Strukturen: Einführung in die theoretische Verortung von Zivilcourage und die kritische Auseinandersetzung mit dem Widerstandsbegriff.

II. Historischer Rahmen: Preußentum, Weimarer Republik und Nationalsozialismus: Untersuchung der historischen Kontexte wie dem preußischen Obrigkeitsstaat und der Gesellschaftsstruktur der Weimarer Republik.

III. Ausblick auf eine Seltenheit: Zivilcourage im Nationalsozialismus: Reflexion über die statistische Seltenheit und die Bedingungsfaktoren zivilcouragierten Handelns unter nationalsozialistischer Herrschaft.

Schlüsselwörter

Zivilcourage, Widerstand, Nationalsozialismus, Obrigkeitsstaat, Untertanengeist, politische Kultur, Moral, individuelle Handlungslogik, Gesellschaftsgeschichte, Weimarer Republik, Preußentum, Herrschaftsstruktur, Ethik, Historische Analyse, Identität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die soziohistorischen Voraussetzungen für zivilcouragiertes Handeln und Widerstand gegen das nationalsozialistische Regime in Deutschland.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Abgrenzung von Zivilcourage und Widerstand, die Bedeutung des Obrigkeitsstaates sowie die gesellschaftliche Prägung durch Autoritätsstrukturen in Deutschland.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, ein differenzierteres Verständnis für individuelles, moralisch motiviertes Handeln zu entwickeln und zu erklären, warum es im Nationalsozialismus trotz sichtbarer Gräueltaten nur selten zu zivilcouragiertem Verhalten kam.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt interdisziplinäre Ansätze, die soziologische Handlungsmuster mit historisch-politischen Analysen und quellengestützten Untersuchungen verknüpfen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil beleuchtet die historischen Kontinuitätslinien vom preußischen Obrigkeitsstaat über die Weimarer Republik bis hin zur nationalsozialistischen Diktatur und deren Auswirkungen auf die individuelle Handlungsfreiheit.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Zivilcourage, Widerstand, Obrigkeitsstaat, Untertanengeist und die kritische Reflektion über das Handeln von Individuen in totalitären Strukturen.

Wie unterscheidet die Arbeit zwischen passivem und aktivem Widerstand?

Die Arbeit setzt sich kritisch mit der Differenzierung auseinander und argumentiert, dass auch passiver Widerstand oft eine bewusste Form der Systemschwächung darstellt.

Welche Rolle spielte der Antisemitismus für das Ausbleiben von Zivilcourage?

Der Antisemitismus fungierte als elementarer Bestandteil der nationalsozialistischen Ideologie, der die Exklusion jüdischer Bürger verfestigte und zivilcouragiertes Handeln lebensgefährlich sowie gesellschaftlich isoliert machte.

Final del extracto de 42 páginas  - subir

Detalles

Título
Zivilcourage und Widerstand im Nationalsozialismus
Subtítulo
Anmerkungen zu einer soziohistorischen Vorbedingung des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus
Universidad
Humboldt-University of Berlin  (Lehrstuhl für Zeitgeschichte)
Calificación
1,5
Autor
Lennart Laberenz (Autor)
Año de publicación
2003
Páginas
42
No. de catálogo
V113456
ISBN (Ebook)
9783640138609
ISBN (Libro)
9783640138760
Idioma
Alemán
Etiqueta
Zivilcourage Widerstand Nationalsozialismus
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Lennart Laberenz (Autor), 2003, Zivilcourage und Widerstand im Nationalsozialismus, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/113456
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