Diese Arbeit stellt sich der Frage, ob das gesundheitliche Konzept und die dahinterstehende Fragestellung der Salutogenese auch eine berechtigte Anwendung in der Erziehung hätte. Um dies zu beantworten, wird zunächst das Konzept der Salutogenese mit seinen einzelnen Komponenten kurz vorgestellt. Darauffolgend werden Definitionen von Erziehung dargestellt und deren grundlegenden Gemeinsamkeiten für diese Arbeit vorgestellt. Anschließend wird versucht, das Konzept der Salutogenese auf die Erziehung anzuwenden und im Fazit wird Resümee gezogen, ob die Anwendung des Konzepts der Salutogenese auch in der Erziehung sinnvoll ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Konzept der Salutogenese
2.1. Die Fragestellung der Salutogenese
2.2. Gesundheits- und Risikofaktoren
2.3. Das Kohärenzgefühl und dessen Komponenten
3. Einige Definitionen der Erziehung
3.1. Grundlegende Ziele von Erziehung
3.2. Die Angsterziehung und Helikopter-Eltern
4. Salutogenese in der Erziehung
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, ob das aus der Gesundheitsforschung stammende Konzept der Salutogenese einen sinnvollen Paradigmenwechsel für die pädagogische Praxis darstellen kann, um Heranwachsende zu einem selbstbestimmten und gesundheitsorientierten Leben zu befähigen.
- Vergleich zwischen pathogenetischer (schützender) und salutogenetischer (befähigender) Erziehung
- Analyse der Auswirkungen von Helikopter-Eltern auf die kindliche Entwicklung
- Bedeutung des Kohärenzgefühls für die Bewältigung von Lebensanforderungen
- Transfer der Salutogenese-Metapher auf erzieherische Fragestellungen
Auszug aus dem Buch
Die Salutogenese in der Erziehung
Obgleich das Konzept der Salutogenese nicht für die Erziehung, sondern für die Ergründung der Gesundheit entwickelt wurde, soll hier untersucht werden, ob ein anderer Blickwinkel auf Erziehung funktioniert und welches Potential er in sich trägt.
In Kapitel 3.2. wurde die Erziehung von Helikopter-Eltern dargestellt und es lässt sich argumentieren, dass diese Art der Erziehung die pathogene Herangehensweise verkörpert, welche hier „pathogene Erziehung“ genannt wird. Bei der pathogenen Erziehung wird versucht, die Zöglinge vor Leid zu schützen, beziehungsweise Unwohlsein von ihnen fernzuhalten. So wie die Pathogenese stets den Ursprung von Krankheit sucht und diese zu vermeiden oder zu schmälern ersucht, versucht eine pathogene Erziehung, die Zöglinge vor Leid und Unwohlsein zu schützen. Die pathogene Erziehung sucht also nicht nach möglichst befähigendem, fördernden, zur Selbstständigkeit führenden Dispositionen, sondern versucht deren Gegensatz zu identifizieren und zu bekämpfen oder zu beseitigen.
Antonovsky bedient sich in seiner Erklärung der Salutogenese einer Metapher welche sich auch auf die Erziehung anwenden lässt. Der Fluss, welchen Antonovsky als „Strom des Lebens“ bezeichnet, ist „im übertragenen Sinn verschmutzt“ und gefüllt und umgeben von aller Art von Gefahren. „Niemand geht sicher am Ufer entlang“, so Antonovksy, weshalb sich auch erst die Frage stellt, wie man möglichst gesund durch den Strom des Lebens kommt (Antonovsky 1997, S. 92).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik ein und stellt die zentrale Frage, ob das Konzept der Salutogenese eine berechtigte und sinnvolle Anwendung in der Erziehung finden kann.
2. Das Konzept der Salutogenese: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen der Salutogenese, insbesondere die Unterscheidung zwischen Gesundheits- und Risikofaktoren sowie die zentralen Komponenten des Kohärenzgefühls.
3. Einige Definitionen der Erziehung: Es werden verschiedene erziehungswissenschaftliche Ansätze betrachtet, um grundlegende Erziehungsziele sowie aktuelle Phänomene wie die "Angsterziehung" und Helikopter-Eltern kritisch zu beleuchten.
4. Salutogenese in der Erziehung: Das Kapitel überträgt das salutogenetische Modell auf erzieherische Prozesse und zeigt anhand von Beispielen auf, warum eine Befähigung zum Umgang mit Herausforderungen dem bloßen Schutz vor Risiken überlegen sein kann.
5. Fazit: Das Fazit resümiert, dass eine salutogene Erziehung durch das bewusste Fördern von Erfahrungen eher dazu geeignet ist, Kinder zu einer selbstständigen und gesunden Lebensführung zu befähigen.
Schlüsselwörter
Salutogenese, Erziehung, Kohärenzgefühl, Pathogenese, Gesundheitsförderung, Helikopter-Eltern, Selbstständigkeit, Prävention, Widerstandsressourcen, Lebensbewältigung, Verstehbarkeit, Handhabbarkeit, Bedeutsamkeit, Gesundheitskontinuum, Pädagogik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Übertragbarkeit des salutogenetischen Ansatzes, der ursprünglich aus der Gesundheitswissenschaft stammt, auf den Bereich der Erziehung und Pädagogik.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Salutogenese nach Aaron Antonovsky, klassische Erziehungsdefinitionen, das Phänomen der "Helikopter-Eltern" sowie die Förderung von Resilienz und Selbstständigkeit bei Kindern.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet, ob das Konzept der Salutogenese eine berechtigte Anwendung in der Erziehung finden kann und ob dadurch eine bessere Befähigung von Heranwachsenden erreicht wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Literaturanalyse, bei der bestehende Konzepte der Salutogenese mit pädagogischen Definitionen und erziehungswissenschaftlichen Studien verknüpft werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil wird zunächst das Konzept der Salutogenese detailliert dargestellt, gefolgt von einer Analyse gängiger Erziehungsstile und deren kritische Überprüfung durch die salutogene Perspektive.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Salutogenese, Erziehung, Kohärenzgefühl, Selbstständigkeit, Gesundheitsförderung und pathogene Erziehung.
Wie unterscheidet sich die "pathogene Erziehung" von der "salutogenen Erziehung"?
Die pathogene Erziehung versucht, Kinder durch das Fernhalten von Gefahren und Leid zu schützen, während die salutogene Erziehung darauf abzielt, die Kinder zu befähigen, mit den unvermeidbaren Gefahren und Herausforderungen des Lebens konstruktiv umzugehen.
Welche Rolle spielt das Kohärenzgefühl bei der Erziehung?
Das Kohärenzgefühl, bestehend aus Verstehbarkeit, Handhabbarkeit und Bedeutsamkeit, dient als innere Grundhaltung, die es Individuen ermöglicht, Lebensanforderungen zu bewältigen und gesund zu bleiben; eine salutogene Erziehung fördert die Entwicklung dieser drei Komponenten.
- Citation du texte
- Daniel Cramer (Auteur), 2020, Salutogenese in der Erziehung. Ein Paradigmenwechsel, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1126868