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Vernachlässigung von Kindern. Sozialpädagogische Präventions- und Interventionsmöglichkeiten

Title: Vernachlässigung von Kindern. Sozialpädagogische Präventions- und Interventionsmöglichkeiten

Thesis (M.A.) , 2008 , 116 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Thomas Morgenstern (Author)

Social Work
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Summary Excerpt Details

Das Mädchen Jessica ist am 1. März 2005 nach massiver, jahrelanger Unterernährung unter großen Qualen gestorben. Zum Zeitpunkt ihres Todes wog das siebenjährige Mädchen nur 9,6 Kilogramm. Davon entfielen noch knapp 900 Gramm auf einen verhärteten Kotballen im Darm. Mit einer Körpergröße von nur 105 Zentimetern entsprach das Kind damit etwa dem körperlichen Entwicklungsstand einer Dreijährigen. Etwa in diesem Alter hatte sie wahrscheinlich aufgehört zu wachsen. Die Obduktion hatte ergeben, dass das Mädchen wohl mangels anderer Nahrung sich in seiner Verzweiflung die eigenen Haare ausgerissen und zusammen mit Teppichfasern gegessen hatte.
Jessicas kleiner Körper litt aufgrund fehlender Flüssigkeitszufuhr unter einem Darmverschluss und einer eitrigen Nierenentzündung. Deshalb muss sie über einen langen Zeitraum starke, stechende Schmerzen gehabt haben. Bis kurz vor ihrem Tod
war sie jedoch bei vollem Bewusstsein. Durch den Verschluss war der Darm nicht
mehr im Stande, selbst kleinste Mengen verdauter Nahrung passieren zu lassen.
Dies führte schließlich auch zu ihrem Tod. Jessica erbrach sich und erstickte durch das Einatmen der Dämpfe des Erbrochenen. Der Zustand ihrer Knochen ließ vermuten, dass sie sich in den letzten Monaten vor ihrem Tod nicht mehr auf zwei Beinen bewegen konnte. Wochenlang konnte sie allenfalls noch kriechen oder robben.
Den polizeilichen Ermittlern hatte sich beim Eindringen in die Wohnung ein Bild des Schreckens geboten. Die Kleidung des toten Mädchens war zum Teil mit Kabelbindern fest an ihrem Körper verschnürt. Das Kinderzimmer war durch die Eltern in ein Verlies umgebaut worden. Auf dem ausgerissenen Teppichboden lagen überall Teppichflocken herum. Neben der verschlossenen Tür befand sich ein offener Lichtschalter ohne Abdeckung. Aus diesem hing noch ein zusätzlicher, nicht isolierter Draht. Nach Annahmen der Anklage sollte dieses blanke Kabel zusammen mit dem auf dem Boden entfernten Teppich als tödliche Stromfalle für die Siebenjährige dienen. Die Fenster waren mit schwarzer Verdunklungsfolie beklebt. Außerdem war die Heizung des kleinen Raumes ausgeschaltet. Die von ihren Eltern wie eine Gefangene gehaltene Tochter lebte über Jahre in Dunkelheit und Kälte.
[...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

0 Einleitung

1 Bedürfnisse von Kindern aus entwicklungspsychologischer Sicht

2 Bedürfnisse von Kindern aus bindungstheoretischer Sicht

2.1 Bindungstheorie

2.2 Bindungsmuster

2.3 Anforderungen an das Verhalten der Eltern

3 Einordnung und Definition von Kindesvernachlässigung

3.1 Körperliche Misshandlung

3.2 Emotionale Misshandlung

3.3 Sexueller Missbrauch

3.4 Sonderformen

3.5 Abgrenzung von Vernachlässigung zu anderen Misshandlungen

4 Formen von Vernachlässigung

4.1 Körperliche Vernachlässigung

4.2 Emotionale Vernachlässigung

5 Häufigkeit von Vernachlässigung

6 Ursachen von Kindesvernachlässigung

7 Risikofaktoren für Kindesvernachlässigung

7.1 Allgemeine Risikofaktoren

7.2 Merkmale des Kindes

7.3 Psychisch kranke Eltern

7.4 Armut

7.5 Schutzfaktoren / Resilienz

8 Folgen von Vernachlässigung

9 Intervention bei Kindesvernachlässigung

9.1 Hilfen zur Erziehung

9.2 Sozialpädagogische Familienhilfe (SPFH)

9.3 Inobhutnahmen, Fremdunterbringung, Sorgerechtsentzug

10 Prävention von Kindesvernachlässigung

10.1 Familienhebammen

10.2 Modellprojekt Familienhebammen

10.3 Vorsorgeuntersuchungen

10.4 Kinderbetreuung

10.5 Vernetzung von Hilfen

10.6 Soziale Frühwarnsysteme

10.7 Situation in Chemnitz

11 Zusammenfassung und Ausblick

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die Arbeit untersucht die Problematik der Kindesvernachlässigung mit dem Ziel, Ursachen, Symptome und Folgen zu identifizieren sowie Präventions- und Interventionsmöglichkeiten aus sozialpädagogischer Sicht darzulegen. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Frage, wie ein wirksamer Schutz gefährdeter Kinder durch eine Vernetzung bestehender Hilfsangebote und frühzeitige Intervention erreicht werden kann.

  • Bindungstheoretische Grundlagen und kindliche Bedürfnisse
  • Definition und Abgrenzung verschiedener Formen der Vernachlässigung
  • Analyse von Risikofaktoren und deren kumulative Wirkung
  • Präventionsansätze wie Familienhebammen und soziale Frühwarnsysteme
  • Interventionsmöglichkeiten der Sozialpädagogik und des Jugendamtes

Auszug aus dem Buch

3.1 Körperliche Misshandlung

Die körperliche Misshandlung ist sicher am leichtesten von den anderen Formen zu unterscheidende Form. Sie ist mit ihrer typischen, direkten Handlungsstruktur und offensichtlichen Symptomen am schnellsten zu erkennen. In der Auffassung der Allgemeinheit wird sicher das Schlagen von Kindern als Kindesmisshandlung verstanden. Erkennbar wird sie durch die Ausbildung von „blauen Flecken“.

Der Begriff der körperlichen Misshandlung enthält alle gewaltsamen Handlungen von Eltern, welche bei einem Kind körperliche Verletzungen hervorrufen können. „Darunter z. B. gefasst: Ohrfeigen; Schlagen mit Händen, Stöcken, Peitschen; Stoßen von der Treppe; Schleudern gegen die Wand; Schütteln eines Kleinkindes;

Verbrennen mit heißem Wasser oder Zigaretten; auf den Ofen setzen; Einklemmen in Türen oder Autofensterscheiben; Pieksen mit Nadeln; ins kalte Badewasser setzen und untertauchen; eigenen Kot essen und Urin trinken lassen; Würgen; Vergiftungen.“

Körperliche Misshandlung wird oft als Strafe von Eltern ihre Kinder eingesetzt. Häufig werden jedoch körperliche Verletzungen nicht als Folge einer Misshandlung erkannt. Die misshandelnden Eltern erfinden bei der Vorstellung des Kindes beim Arzt schwer zu durchschauende Ursachenzuschreibungen. „Unterblutungen an den Schienbeinvorderkanten stellen in der Regel kindertypische Verletzungen dar, sind diese Verletzungen jedoch zirkulär um die Gliedmaßen verteilt, liegt der Verdacht einer fremden äußeren Gewalteinwirkung bereits sehr nahe.“

Zusammenfassung der Kapitel

0 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Relevanz des Themas Kindesvernachlässigung anhand dramatischer Fallbeispiele und stellt die Zielsetzung der Arbeit dar.

1 Bedürfnisse von Kindern aus entwicklungspsychologischer Sicht: Dieses Kapitel erläutert die elementaren körperlichen und seelischen Grundbedürfnisse von Kindern für eine gesunde Entwicklung.

2 Bedürfnisse von Kindern aus bindungstheoretischer Sicht: Es wird die Bindungstheorie nach Bowlby als Basis für das Verständnis kindlicher Bindungsmuster und elterlicher Erziehungskompetenzen dargestellt.

3 Einordnung und Definition von Kindesvernachlässigung: Dieses Kapitel diskutiert die Schwierigkeit einer eindeutigen Definition und grenzt Vernachlässigung von anderen Misshandlungsformen ab.

4 Formen von Vernachlässigung: Hier werden spezifische Kategorien wie körperliche und emotionale Vernachlässigung differenziert betrachtet.

5 Häufigkeit von Vernachlässigung: Das Kapitel thematisiert die Datenlage und die Schwierigkeiten bei der Erfassung der Dunkelziffer in Deutschland.

6 Ursachen von Kindesvernachlässigung: Hier werden verschiedene Erklärungsmodelle (psychopathologisch, soziologisch, sozial-situativ) zur Entstehung von Vernachlässigung analysiert.

7 Risikofaktoren für Kindesvernachlässigung: Dieses Kapitel identifiziert Faktoren wie Armut, psychische Erkrankungen der Eltern und Merkmale des Kindes, die das Vernachlässigungsrisiko erhöhen.

8 Folgen von Vernachlässigung: Es werden kurz- und langfristige Auswirkungen auf die körperliche, geistige und seelische Entwicklung der betroffenen Kinder beschrieben.

9 Intervention bei Kindesvernachlässigung: Die rechtlichen Grundlagen und pädagogischen Interventionsformen wie Hilfen zur Erziehung und Inobhutnahme werden erläutert.

10 Prävention von Kindesvernachlässigung: Dieses Kapitel stellt präventive Strategien wie Familienhebammen, Vorsorgeuntersuchungen und soziale Frühwarnsysteme vor.

11 Zusammenfassung und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und gibt einen Ausblick auf notwendige politische und strukturelle Maßnahmen für einen besseren Kinderschutz.

Schlüsselwörter

Kindesvernachlässigung, Kindeswohlgefährdung, Bindungstheorie, Kinderschutz, Sozialpädagogische Familienhilfe, Prävention, Risikofaktoren, Resilienz, Familienhebammen, Frühwarnsysteme, Intervention, Jugendamt, emotionale Vernachlässigung, körperliche Misshandlung, Sorgerechtsentzug.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit dem komplexen Problem der Kindesvernachlässigung, analysiert deren Ursachen und Folgen und erörtert effektive Wege der Prävention und Intervention.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen umfassen die kindliche Entwicklungspsychologie, die Bindungstheorie, die rechtlichen und sozialen Rahmenbedingungen des Kinderschutzes sowie konkrete Unterstützungsangebote der Jugendhilfe.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es, für die Problematik der Vernachlässigung zu sensibilisieren und aufzuzeigen, wie durch eine bessere Vernetzung von Akteuren und frühzeitige Hilfeleistungen ein wirksamer Schutz für gefährdete Kinder realisiert werden kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die auf der Auswertung aktueller Fachliteratur, Studien und rechtlicher Grundlagen zur Kindeswohlgefährdung basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Analyse kindlicher Bedürfnisse und Bindungsmuster sowie in eine praxisorientierte Untersuchung von Risikofaktoren, Interventionsmöglichkeiten und Präventionsstrategien.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind insbesondere Kindesvernachlässigung, Kindeswohlgefährdung, Bindung, soziale Frühwarnsysteme, Intervention, Prävention und Familienhebammen.

Welche Rolle spielen Familienhebammen in der Prävention?

Familienhebammen dienen als niederschwelliges, präventives Angebot, das bereits in der Schwangerschaft und im ersten Lebensjahr des Kindes ansetzt, um Familien in Belastungssituationen zu begleiten und Gefährdungen frühzeitig abzuwenden.

Was versteht man unter sozialen Frühwarnsystemen?

Dies sind koordinierte, interdisziplinäre Netzwerke, bei denen verschiedene Institutionen (Gesundheitswesen, Jugendhilfe, Schulen) vereinbarte Kriterien zur Wahrnehmung, Warnung und zum Handeln nutzen, um bei gefährdeten Familien frühzeitig intervenieren zu können.

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Details

Title
Vernachlässigung von Kindern. Sozialpädagogische Präventions- und Interventionsmöglichkeiten
College
Technical University of Chemnitz
Grade
1,0
Author
Thomas Morgenstern (Author)
Publication Year
2008
Pages
116
Catalog Number
V112579
ISBN (eBook)
9783640108558
ISBN (Book)
9783640110070
Language
German
Tags
Vernachlässigung Kindern Präventions- Interventionsmöglichkeiten
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Thomas Morgenstern (Author), 2008, Vernachlässigung von Kindern. Sozialpädagogische Präventions- und Interventionsmöglichkeiten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/112579
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