„In den Paragraphen 18-21 (auch 206, 241f.) der Philosophischen Untersuchungen (PU) diskutiert Wittgenstein „Lebensformen“ im Zusammenhang mit Sprache bzw. Sprachspiel. Was ist eine solche „Lebensform“? Welches Verhältnis besteht zwischen Lebensform und Sprache bzw. Sprachspiel? (Machen Sie dies bitte anhand des Sprachspiels aus PU §2 klar.)“
Um über den Zusammenhang zwischen Sprache bzw. Sprachspiel und Lebensform zu schreiben, muss man erst einmal genau erläutern, was Ludwig Wittgenstein als ein Sprachspiel bzw. eine zwischenmenschliche Interaktion als solche definiert bzw. ansieht. Auch eine Lebensform, wird im allgemeinen Sinne, meist als eine Form von Kultur bzw. zwischenmenschliche Interaktion verstanden. Dies führt jedoch am Anfang meines Essays zu keinem logischen Kontext mit den zu analysierenden Paragraphen in den Philosophischen Untersuchungen Ludwig Wittgensteins. Ich werde bei meiner Analyse auf der Grundlage des §2 des Werkes Philosophische Untersuchungen aus ders. Werkausgabe in 8 Bänden, Band 1: Tractatus logicophilosophicus, Tagebücher 1914-1916, Philosophische Untersuchungen (StW501), Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main, 1984, Seite238., argumentieren und werde auch weitere Zitate aus dem selbigen Buch verwenden.
In diesem §2 PU beschreibt Ludwig Wittgenstein den Dialog zwischen zwei Bauarbeitern, wobei der Bauarbeiter A dem Gehilfen B ein einzelnes Wort zuruft, zum Beispiel „Säule“, „Platte“ oder „Balken“ und „...B bringt den Stein, den er gelernt hat, auf diesen Ruf zu bringen...“ (PU §2, Seite 238). Er verlangt vom Leser, dass wir dies als vollständige primitive Sprache auffassen sollen. Natürlich kann man jetzt scharf protestieren, dass eine Sprache, welche nur aus einem so begrenzten Vokabular, wie es die Bauenden in dem Beispiel aus PU §2 verwenden, nicht als eine vollständige Sprache existieren kann. Der erste Grund der gegen diese Annahme geäußert werden kann ist doch wohl, die Tatsache dass ihren Äußerungen jeglicher syntaktische Struktur fehlt sowie sie keine Konversation betreiben, wie wir es im engeren Sinne meinen. Außerdem fehlt jeglicher Raum für eine Unterscheidung zwischen sinnvollen und sinnlosen Anwendungen des jeweiligen Vokabulars, bzw. die freie Interpretation des Gehilfen B was der Bauarbeiter A nun eigentlich von ihm will . Ist jedoch die Tatsache, dass eine Sprache zum Zweck einer Kommunikation im engeren Sinne genutzt werden muss überhaupt Bedingung für die Existenz einer Sprache? [...]
Inhaltsverzeichnis
- Sprachspiel und Lebensform
- Wittgensteins Sprachspiel-Modell
- Lebensform als Grundlage der Sprache
- Sprache als Teil einer Lebensform
- Vielschichtigkeit der Sprache
- Sprache als praktisches Instrument
- Bedeutung der Lebensform für die Sprachdeutung
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Der Text analysiert den Zusammenhang zwischen Sprache, Sprachspiel und Lebensform im Werk Ludwig Wittgensteins. Der Schwerpunkt liegt auf der Klärung des Begriffs "Lebensform" und seiner Beziehung zur Sprache im Kontext von Wittgensteins "Philosophischen Untersuchungen".
- Wittgensteins Sprachspiel-Modell und seine Bedeutung für die Analyse von Sprache
- Die Rolle der Lebensform als Grundlage und Bedingung für Sprache
- Der Einfluss der Lebensform auf die Sprachdeutung und die Bedeutung von Pragmatik
- Die Vielschichtigkeit und Komplexität der Sprache im Kontext verschiedener Lebensformen
- Die Bedeutung von Handlung und Praxis für das Verständnis von Sprache
Zusammenfassung der Kapitel
Der Text beleuchtet das Sprachspiel-Modell Ludwig Wittgensteins am Beispiel des Dialogs zwischen zwei Bauarbeitern in §2 der "Philosophischen Untersuchungen". Dabei wird deutlich, dass die Bedeutung von Sprache nicht allein durch Grammatik oder Syntax, sondern auch durch die Lebensform der Sprecher bestimmt wird.
Der Autor argumentiert, dass das Sprechen in Wittgensteins Modell ein Teil einer Tätigkeit oder einer Lebensform ist. Die Bedeutung von Wörtern ergibt sich somit aus ihrem Kontext innerhalb dieser Lebensform und der damit verbundenen Handlung. Sprache wird als ein Instrument verstanden, das mit der kulturellen und sozialen Umgebung der Sprecher verbunden ist.
Weiterhin wird die Vielschichtigkeit der Sprache hervorgehoben und mit dem Bild einer Stadt verglichen. Der Text verdeutlicht, dass Sprache im Zusammenhang mit den Erfahrungen und Lebensformen der Sprecher interpretiert und verstanden werden muss.
Schlüsselwörter
Die wichtigsten Schlüsselwörter des Textes sind: Sprachspiel, Lebensform, Wittgenstein, Philosophische Untersuchungen, Pragmatik, Grammatik, Handlung, Kultur, Sprache, Bedeutung, Kontext.
Häufig gestellte Fragen
Was versteht Ludwig Wittgenstein unter einem „Sprachspiel“?
Ein Sprachspiel ist eine Form der zwischenmenschlichen Interaktion, bei der Sprache als Teil einer Tätigkeit oder Praxis verwendet wird (z. B. das Rufen von Baustoffnamen auf einer Baustelle).
Was ist eine „Lebensform“ in Wittgensteins Philosophie?
Eine Lebensform ist die kulturelle und soziale Grundlage, die den Kontext für Sprachspiele bildet. Sprache ist für Wittgenstein ein Teil dieser umfassenderen Lebensform.
Warum nutzt die Arbeit das Beispiel der Bauarbeiter aus PU §2?
Dieses Beispiel dient dazu, eine „primitive Sprache“ zu illustrieren, bei der Wörter wie Werkzeuge funktionieren und ihre Bedeutung erst durch die gemeinsame Handlung erhalten.
Ist syntaktische Struktur für eine Sprache laut Wittgenstein zwingend?
Wittgenstein zeigt in seinen Untersuchungen, dass auch sehr einfache Kommunikationsformen ohne komplexe Syntax als vollständige Sprachen in ihrem jeweiligen Kontext fungieren können.
Wie hängen Pragmatik und Bedeutung zusammen?
Die Bedeutung eines Wortes ergibt sich aus seinem Gebrauch innerhalb eines Sprachspiels und der damit verbundenen Handlung in einer spezifischen Lebensform.
- Quote paper
- Roman Grzyb (Author), 2002, Ludwig Wittgenstein - §§ 18-21 (auch 206, 241f.) der Philosophischen Untersuchungen (PU), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11028