In meiner Hausarbeit möchte ich das Verhältnis des Protagonisten, eben des
jungen Werther, zum Volk herausarbeiten. Da sich der Begriff „Volk“ in viele
verschiedene Gruppen aufteilen lässt, habe ich mich auf die Gruppen des
Bürgertums, die Obrigkeit und auf die Kinder beschränkt, um an ihnen die
Intentionen und die Träumereien des jungen Werther aufzuzeigen. Obwohl die
Kinder auf den ersten Blick kein Bestandteil des Volkes als soziale Schicht
sind, wie zum Beispiel das Bürgertum oder das Bauernvolk, so sind sie doch
ein wichtiger Bestandteil des Romans und der Lebensauffassung Werthers.
Nach der Lektüre des Romans „Die Leiden des jungen Werther“ wird schnell
klar, das die Kinder mit ihrem Verhalten und ihrem offenen und ehrlichen
Wesen für Werther das genaue Gegenteil zu den Maximen und den
Gepflogenheiten des Bürgertums und der degenerierten Adelsgesellschaft
darstellen. Die Verhaltensweisen und die Wirkungen der „Gruppen“ des
Volkes möchte ich näher untersuchen, um das Verhalten des jungen Werther
besser zu erläutern. Auf das Bürgertum und die Obrigkeit werde ich unter
Punkt 3 der Hausarbeit näher eingehen, auf sein Verhältnis zu den Kindern
unter Punkt 4.
Vor der Untersuchungen der Parteien gebe ich unter Punkt 2 ein kleinen
historischen Anriß über die politischen Verhältnisse, das Bürgertum und den
Adel im Deutschland des 18. Jahrhunderts, um näher zu erläutern, welche
Aspekte und Normen das tägliche Leben in der Zeit des Wertherromans
bestimmten.
[...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Historischer Überblick
3. Werthers Verhältnis zum Bürgertum und der Obrigkeit
4. Werthers Verhältnis zu den Kindern
5. Resümee
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die Hausarbeit untersucht das Verhältnis des Protagonisten Werther zu verschiedenen sozialen Gruppen im Roman "Die Leiden des jungen Werther" von Johann Wolfgang Goethe, insbesondere zum Bürgertum, der Obrigkeit und den Kindern, um daraus Rückschlüsse auf seine Intentionen und seinen inneren Konflikt zu ziehen.
- Historische Einordnung der politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse im Deutschland des 18. Jahrhunderts
- Analyse des bürgerlichen Selbstverständnisses und der Kritik daran durch Werther
- Untersuchung von Werthers gescheitertem Versuch der Integration in die höfische Gesellschaft
- Gegenüberstellung von bürgerlichen Normen und der Natürlichkeit der Kinder in Werthers Wahrnehmung
- Reflektion über Werthers Suizid als radikalen Akt der Ablehnung gesellschaftlicher Zwänge
Auszug aus dem Buch
3. Werthers Verhältnis zum Bürgertum und der Obrigkeit
Beachtet man in Johann Wolfgang Goethes Werk von 1774 „Die Leiden des jungen Werther“ in der Handlung nicht nur die unglückliche Liebe des Protagonisten zu Lotte, einer einem anderen versprochenen Frau, sondern auch den sozialen und gesellschaftlichen Hintergrund, so wird schnell klar, dass die Liebesepisode nur ein Teil der Gründe ist, warum der junge Werther den Selbstmord wählt.
Vielmehr ist es eine Bestandsaufnahme des gesellschaftlichen „Status Quo“ Deutschlands im 18. Jahrhundert und eine unterschwellige Kritik an der Obrigkeit und des sich elitär fühlenden bürgerlichen Standes, die vom jungen Werther aufgedeckt und angeprangert wird.
Der junge Werther ist in einer finanziell unabhängigen Situation, da seine Mutter ihn auf seine Bitte hin finanziell unterstützt und auch weiter unterstützen würde. Weitere Hinweise auf eine wohlhabende und gesellschaftlich akzeptierte Herkunft geben ebenfalls die Dienste seines Dieners. Auch seine hohe schulische Ausbildung weist darauf hin. Wenige Monate nach seiner Ankunft in dem Wahlheim wird ihm ein Amt angeboten „Der Minister liebt mich seit langer Zeit, hatte lange mir angelegen, ich sollte mich irgendeinen Geschäft widmen“.
Da die Arbeitslage der damaligen Zeit für junge akademisch ausgebildeten Männer nicht sehr gut aussah, ist das Angebot ein weiteres Indiz für das Elternhaus des jungen Werther und den guten Verbindungen zum gehobenen Bürgertum und der Aristokratie.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Fragestellung ein, wie der Protagonist Werther zu verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen steht, und umreißt die Struktur der Untersuchung.
2. Historischer Überblick: Dieses Kapitel erläutert die komplexe politische und gesellschaftliche Situation des deutschen Bürgertums im 18. Jahrhundert, das durch Zersplitterung und fehlende einheitliche Identität geprägt war.
3. Werthers Verhältnis zum Bürgertum und der Obrigkeit: Der Hauptteil analysiert Werthers bewusste Abkehr von den bürgerlichen Konventionen und seine kritische Haltung gegenüber der starren höfischen Gesellschaft.
4. Werthers Verhältnis zu den Kindern: Dieses Kapitel arbeitet heraus, dass Werther in der Natürlichkeit und Spontaneität von Kindern einen Gegenentwurf zu den bürgerlichen Zwängen sieht.
5. Resümee: Das Schlusskapitel interpretiert den Roman als Gesellschaftskritik und den Suizid Werthers als letzte Konsequenz seiner Ablehnung gesellschaftlicher Lebensentwürfe.
Schlüsselwörter
Johann Wolfgang Goethe, Die Leiden des jungen Werther, Bürgertum, Obrigkeit, Gesellschaftskritik, Individuum, soziale Normen, 18. Jahrhundert, Werther, Lotte, Kindheit, Natürlichkeit, Selbstmord, Konformismus, Nonkonformismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Verhältnis des Protagonisten Werther zu verschiedenen gesellschaftlichen Gruppierungen im Roman von Goethe.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Stellung des Bürgertums im 18. Jahrhundert, die Kritik an gesellschaftlichen Zwängen und der Kontrast zwischen bürgerlicher Welt und kindlicher Natürlichkeit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den inneren Konflikt Werthers und seine Intentionen durch die Analyse seines Verhaltens gegenüber dem Bürgertum, der Obrigkeit und den Kindern zu verdeutlichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine werkanalytische Untersuchung des Romans unter Einbeziehung des historischen Kontextes und literaturwissenschaftlicher Sekundärliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst der historische Kontext des Bürgertums, dann Werthers Interaktionen mit der höfischen Gesellschaft und schließlich seine Faszination für die Welt der Kinder detailliert dargestellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Gesellschaftskritik, Individuum, soziale Normen, bürgerliches Selbstverständnis und Werthers Verhältnis zur Kindheit charakterisiert.
Warum lehnt Werther die höfische Gesellschaft so entschieden ab?
Werther lehnt diese ab, weil er sie als erstarrt, borniert und als Gegenteil zu seinen eigenen Werten der Individualität und Natürlichkeit wahrnimmt.
Welche Rolle spielen die Kinder in Werthers Leben?
Kinder dienen für Werther als Projektionsfläche für eine verlorene Unschuld und als Vorbild für eine Daseinsform, die frei von gesellschaftlichen Regeln und Zwängen ist.
Wie ist der Suizid Werthers im Kontext der Arbeit zu deuten?
Der Suizid wird nicht nur als Folge einer unglücklichen Liebe gesehen, sondern als radikale Ablehnung der gesellschaftlich vorgegebenen Lebensnormen und als Ausdruck des Scheiterns eines Nonkonformisten.
- Citation du texte
- René Bauer (Auteur), 2000, Goethes "Die Leiden des jungen Werthers" - Eine Analyse von Werthers Verhältnis zum Volk, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/108577