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Magie - Schnittpunkt kultureller Linien

Gaukler, Henker, Scharlatane - Formen performativen Verhaltens in der frühen Neuzeit

Titel: Magie - Schnittpunkt kultureller Linien

Hausarbeit , 1998 , 21 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Clemens Grün (Autor:in)

Theaterwissenschaft, Tanz
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Schon der Titel lässt ahnen, dass jede Auswahl aus einem solchen Komplex zwangsläufig rudimentär und subjektiv bleiben muss. Magie ist ein Phänomen, das sich durch sämtliche Bereiche des mittelalterlichen Lebens zieht und als solches in seiner Komplexität kaum zu erfassen ist. Als Schnittpunkt kultureller Linien von Religion und Wissenschaft, einfachem Volk und gelehrter, antiker und mittelalterlicher Welt, europäischer, arabischer, jüdischer, keltischer und germanischer Traditionen ist sie jedoch zentrale Kategorie für das Verständnis des mittelalterlichen Weltbildes sowie grundlegender sozialpolitischer und geistesgeschichtlicher Strömungen und Entwicklungen dieser Epoche.

So unerschöpflich das Material, so notwendig erscheint mir die Beschränkung auf einige wenige, nichtsdestoweniger zentrale Kategorien mittelalterlicher Magie: ihr Verhältnis zu Einflüssen klassischer Traditionen der griechisch-römischen Welt, zur Entwicklung des Christentums und der damit verbundenen Verfolgung von Nichtchristen unter dem Vorwurf der Häresie sowie dem Einzug arabischer Gelehrsamkeit ins geistige Leben und der daraus resultierenden Umgestaltung desselben hin zu einem grundlegenden Neuverständnis der Wissenschaft in der Renaissance. Bei meiner Darstellung bewege ich mich vorwiegend auf dem Feld des geistesgeschichtlichen Diskurses. Vernachlässigt habe ich u.a. die Praxis der Magie in der Volkstradition, Formen des Aberglaubens, die Protagonisten magischer Praktiken sowie kulturelle Einflüsse jüdischer, keltischer und germanischer Traditionen.

Als magisch definieren Menschen häufig Phänomene, die sie für unerklärlich halten. Dies dürfte im Mittelalter kaum anders gewesen sein als in unserer heutigen Zeit. Im Mittelalter spielte aber die wissenschaftliche Überprüfung von Aussagen, wie wir sie in der modernen Welt kennen, keine Rolle. Dies macht einerseits die zentrale Bedeutung der Magie im mittelalterlichen Leben erklärbar. Anderseits waren Dinge, die uns heute womöglich als abergläubisch, zumindest einer empirischen Überprüfung nicht standhaltend erscheinen, für den mittelalterlichen Menschen Teil eines durch Traditionen überliefertes, jahrhunderte- oder jahrtausende alten Konstruktes selbstverständlicher Erklärungen und nicht anzweifelbarer Theorien über die Welt. In der Wahrnehmung der Menschen waren alltägliche Erfahrung und Theorie, Realität und Fiktion Teil derselben Wirklichkeitsebene. [...]

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Klassisches Erbe

2.1. Geschichte eines Diskurses: die Dämonologie

2.2. Magische Praktiken der Antike

3. Magie und Religion

3.1. Wunder der Bibel

3.2. Kriminalisierung der Magie

3.3. Der Manichäismus und die Lehre des Augustinus

4. Magie und Wissenschaft

4.1. Wissenschaft im Mittelalter

4.2. Einzug arabischer Gelehrsamkeit: Astrologie und Alchimie

4.3. Trennung von „Weißer“ und „Schwarzer Magie“

5. Schlussbemerkung: Zur alltäglichen Magie des 20. Jahrhunderts

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht Magie als zentrales Phänomen des mittelalterlichen Weltbildes, wobei der Fokus auf dem geistesgeschichtlichen Diskurs liegt. Das Ziel ist es, die fließenden Grenzen zwischen Magie, Religion und Wissenschaft aufzuzeigen sowie die gesellschaftlichen Konsequenzen der Magievorstellungen und deren Relevanz für die moderne Welt zu reflektieren.

  • Die Dämonologie als grundlegendes System für das mittelalterliche Verständnis von Magie.
  • Die historische Kriminalisierung der Magie und deren Funktion für gesellschaftliche Machtstrukturen.
  • Der Einfluss arabischer Gelehrsamkeit auf die mittelalterliche Wissenschaft, insbesondere durch Astrologie und Alchimie.
  • Die methodische Abgrenzung zwischen „natürlicher“ und „dämonischer“ Magie.
  • Ein Vergleich zwischen mittelalterlichen Magievorstellungen und modernen medialen Inszenierungen von Wirklichkeit.

Auszug aus dem Buch

2.1. Geschichte eines Diskurses: die Dämonologie

Betrachtet man die Geschichte der Magie, so steht sie in engem Zusammenhang mit derjenigen des Verhältnisses zwischen Menschen und Dämonen. Der Renaissance-Theologe Heinrich Cornelius Agrippa von Nettersheim (1486-1535) formuliert folgende dreiteilige Klassifikation von Dämonen:

- übersinnliche, von jeder Körperlichkeit befreite Geister

- himmlische Intelligenzen, die den Weltsphären zugeordnet werden

- eine neunteilige Skala böser Dämonen, von solchen, die falsche Götter sind bis hin zu bösen Genien, deren Fürst Mammon heißt und die sinnliche Lust vertritt.

Vorausgegangen war in der Diskursgeschichte der Dämonologie eine jahrtausendelange Evolution der Entgöttlichung. Noch Homer verwendet die Begriffe „daímon“ und „theós“ synonym für „Gott“ und „Gottheit“. Schon Empidokles von Agigent (5. Jh. v. Chr.) nimmt eine Trennung vor zwischen guten und bösen Dämonen. Demokritos von Aldera (4./5. Jh. v. Chr.) spricht von einer Vermittlerrolle der Dämonen zwischen Menschen und Göttern und davon, dass diese sowohl an der materiellen wie an der immateriellen Welt teilhätten, eine Vorstellung, die Grundlage wird für den mittelalterlichen Diskurs über die Körperlichkeit Satans.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einführung: Die Einleitung erläutert den Anspruch der Arbeit, Magie als Schnittpunkt mittelalterlicher kultureller Strömungen zu begreifen und die Beschränkung auf geistesgeschichtliche Aspekte zu begründen.

2. Klassisches Erbe: Dieses Kapitel widmet sich der Entwicklung der Dämonologie aus antiken philosophischen Traditionen und der Herleitung magischer Praktiken aus der Antike.

3. Magie und Religion: Hier wird das spannungsreiche Verhältnis von christlicher Theologie und Magie untersucht, insbesondere die Kriminalisierung und der Diskurs über den Manichäismus.

4. Magie und Wissenschaft: Das Kapitel analysiert den Einfluss arabischer Gelehrsamkeit auf das mittelalterliche Wissenschaftsverständnis und die zunehmende Ausdifferenzierung magischer Kategorien.

5. Schlussbemerkung: Zur alltäglichen Magie des 20. Jahrhunderts: Die Schlussbetrachtung überträgt die Erkenntnisse über mittelalterliche Strukturen auf die moderne Gesellschaft, insbesondere im Kontext von Massenmedien und medialer Manipulation.

Schlüsselwörter

Magie, Dämonologie, Mittelalter, Wissenschaft, Religion, Christentum, Alchimie, Astrologie, Diskurs, Weltbild, Ideologie, Moderne, Massenmedien, Manipulation, Interdisziplinarität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht Magie nicht als bloßen Aberglauben, sondern als zentrale kulturelle und wissenschaftsgeschichtliche Kategorie, die das Weltbild und die sozialen Machtverhältnisse im Mittelalter tiefgreifend geprägt hat.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Arbeit konzentriert sich auf die Dämonologie, das Spannungsfeld zwischen Magie und Religion, den Einzug arabischer Gelehrsamkeit in das mittelalterliche Europa und die Wechselwirkung zwischen Magie und wissenschaftlichem Denken.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, den geistesgeschichtlichen Diskurs der Magie nachzuvollziehen und aufzuzeigen, wie gesellschaftliche Repression und wissenschaftliche Entwicklung eng mit der Konstruktion magischer Feindbilder verknüpft waren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor bewegt sich primär auf dem Feld des geistesgeschichtlichen Diskurses und nutzt eine interdisziplinäre Analyse, um Verbindungen zwischen antiken Traditionen, mittelalterlicher Theologie und modernen gesellschaftlichen Entwicklungen herzustellen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden die historischen Grundlagen der Dämonologie, die Kriminalisierung der Magie durch das Christentum und die Rolle von Astrologie und Alchimie als Wissensdisziplinen detailliert analysiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind Magie, Dämonologie, Mittelalter, Wissenschaft, Religion, Alchimie, Astrologie und Medienkritik.

Inwiefern sieht der Autor einen Zusammenhang zwischen mittelalterlicher Magie und dem modernen Film?

Der Autor argumentiert, dass der moderne Filmemacher durch die Schaffung einer perfekten „Illusion von Wirklichkeit“ eine ähnliche Funktion einnimmt wie der mittelalterliche Magier – beide manipulieren die Wahrnehmung des Rezipienten.

Was kritisiert der Autor an der Wissenschaft des 20. Jahrhunderts?

Der Autor beklagt eine Krise der Wissenschaft durch übermäßige Spezialisierung und den Verlust gesellschaftlicher Gestaltungskraft, was zu einer gefährlichen Trennung zwischen Experten und ethischer Verantwortung führt.

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Details

Titel
Magie - Schnittpunkt kultureller Linien
Untertitel
Gaukler, Henker, Scharlatane - Formen performativen Verhaltens in der frühen Neuzeit
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Institut für Theaterwissenschaft und Kulturelle Kommunikation)
Veranstaltung
Gaukler, Henker, Scharlatane - Formen performativen Verhaltens in der frühen Neuzeit
Note
1,3
Autor
Clemens Grün (Autor:in)
Erscheinungsjahr
1998
Seiten
21
Katalognummer
V10382
ISBN (eBook)
9783638168236
ISBN (Buch)
9783656074137
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Magie Religion Geschichte Naturwissenschaft Renaissance
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Clemens Grün (Autor:in), 1998, Magie - Schnittpunkt kultureller Linien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/10382
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Leseprobe aus  21  Seiten
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