Ziel dieser Arbeit ist es aufzuzeigen, wie wichtig interkulturelle Kompetenzen im systemischen Coaching sind, welche Herausforderungen sich aufgrund unterschiedlicher kultureller Systeme ergeben und wie diese bewältigt werden können.
Aufgrund der beobachteten Unterschiede und Problemstellungen im beraterischen Kontext ergibt sich die folgende Fragestellung: „Haben kulturelle Unterschiede zwischen Coach und Coachee, Auswirkungen auf den Coachingprozess?“
Nach der Einleitung im ersten Kapitel beschreibt der Autor im zweiten Kapitel was Systemisches Coaching ist und welche Rahmenbedingungen notwendig sind, um ein Coaching durchzuführen. Haltungen, Fragetypen, sowie Modelle für ein Coachingprozess werden erklärt und beschrieben.
Im dritten Kapitel geht der Autor auf die Belastungsfaktoren von Migranten*innen ein, weil er der Meinung ist, dass diese Belastungen möglicherweise einen Einfluss auf Kommunikation haben könnten. Im vierten Kapitel versucht der Autor spezifischer zu beleuchten welche Schwierigkeiten in interkulturellen Beratungskontexten aufkommen und ob diese auch einen Coachingprozess beeinflussen können.
Im fünften Kapitel wird Coaching im interkulturellen Kontext beschrieben und der Autor führt ein Coaching mit einer Person mit Migrationshintergrund durch. Anschließend wird im sechsten Kapitel das Resümee verfasst.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Motivation und Relevanz für das systemische Coaching
1.2. Fragestellung und Zielsetzung
1.3. Kapitelübersicht
2. Systemisches Coaching
2.1. Systemisch
2.2. Coaching
2.3. Systemisches Coaching
2.4. Die Haltung des*der Coach im Coachingprozess
2.5. Fragetypen und Merkmale systemischer Fragen
2.5.1. Merkmale systemischer Fragen
2.5.2. Fragetypen
2.6. SMART & GROW Modell im Coaching
2.6.1. SMART Modell
2.6.2. GROW Modell
3. Belastungsfaktoren von Migrant*innen
3.1. Generationsübergreifende Belastungsfaktoren
3.2. Innerfamiliäre Konflikte
3.3. Institutionen und Behörden als Unsicherheitsfaktor
4. Interkultureller Beratungskontext
4.1. Interkulturelle Kommunikation
4.2. Kultursensible Beratung
4.3. Machtasymmetrie in der Beratung
4.4. Kulturelle Empathie in der Beratung
4.5. Berücksichtigung der ethnisch-kulturellen Werteorientierung
4.6. Erfahrungen und Kenntnisse im Praxisfeld der Klienten*innen
5. Coaching im Interkulturellen Kontext
6. Resümee
Zielsetzung & Themen
Diese Abschlussarbeit untersucht die Bedeutung kultureller Unterschiede im Coachingprozess mit Migrant*innen und beleuchtet die damit verbundenen Herausforderungen für den Coach. Die zentrale Forschungsfrage lautet: „Haben kulturelle Unterschiede zwischen Coach und Coachee, Auswirkungen auf den Coachingprozess?“
- Grundlagen des systemischen Coachings und relevante Modelle (SMART, GROW).
- Identifikation spezifischer Belastungsfaktoren von Migrant*innen.
- Herausforderungen in interkulturellen Beratungskontexten (Kommunikation, Machtasymmetrie).
- Bedeutung von interkultureller Kompetenz, Empathie und Kultursensibilität.
- Praktische Anwendung und Reflexion anhand eines Fallbeispiels.
Auszug aus dem Buch
4.3. Machtasymmetrie in der Beratung
„Interkulturalität findet […] nicht in interessen- und machtfreien Räumen statt. […] Es finden sich diverse Konstellationen ungleicher Machtverteilung, also der Über- und Unterordnung: […] Durch unausgeglichene Einfluss- und Machtkonstellationen können ein Akteur bzw. eine Akteursgruppe dominant sein und Interessen durchsetzen, während die andere Seite „stillschweigende“ Anpassungen vornehmen muss.“ (Barmeyer 2011, S.62f zit. nach Haß 2019, S.52)
Da aber jede beraterische „Beziehung mehr oder minder eine asymmetrische Konstellation zugunsten der Professionellen darstellt, ist von einem höheren Maß an Unsicherheit bei den Klienten auszugehen.“ (Pirmoradi 2012, S.207)
Die Interaktion zwischen Migrationsklientel und Beratungsfachkraft ist meistens von einer strukturellen Ungleichheit geprägt. Der*die Ratsuchende kommt in die Beratung, weil er*sie sich in einer Belastungssituation befindet. Der*die Ratgebende hat durch ihre*seine professionelle Kompetenz eine andere Position. Denn die Ratsuchenden sind am Anfang weder mit dem Setting noch mit den Handlungsabläufen vertraut. Dieses führt zu Verunsicherung und einem Abhängigkeitsgefühl gegenüber der Beratungsfachkraft. Die Migrant*innen können sich dadurch in einer unterlegenen Position sehen, weil die Berater*innen Repräsentant*innen der Mehrheitsgesellschaft sind. So fungieren sie als Vertreter*innen von Werten, Normen und Strukturen oder werden von den meisten so wahrgenommen, selbst wenn der*die Berater*in selbst einen Migrationshintergrund haben sollten. (vgl. Friese 2019, S.45)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Der Autor erläutert seine Motivation für die Arbeit, definiert die Fragestellung zur Auswirkung kultureller Unterschiede auf den Coachingprozess und gibt eine Übersicht über den strukturellen Aufbau der Arbeit.
2. Systemisches Coaching: Dieses Kapitel definiert systemisches Coaching, beschreibt die Haltung des Coaches sowie spezifische Fragetechniken und stellt die methodischen Leitfäden SMART und GROW vor.
3. Belastungsfaktoren von Migrant*innen: Der Autor beleuchtet verschiedene Stressfaktoren, wie generationsübergreifende Belastungen, innerfamiliäre Konflikte sowie Schwierigkeiten im Kontakt mit Behörden und Institutionen.
4. Interkultureller Beratungskontext: Hier werden die Besonderheiten interkultureller Kommunikation, kultursensible Beratung, das Machtgefälle in Beratungssituationen sowie die Rolle von kultureller Empathie und Werten diskutiert.
5. Coaching im Interkulturellen Kontext: Dieses Kapitel vertieft die Anforderungen an die interkulturelle Kompetenz des Coaches und präsentiert ein Praxisbeispiel, an dem die Anwendung der Coaching-Modelle verdeutlicht wird.
6. Resümee: Der Autor zieht Bilanz, führt die theoretischen Erkenntnisse mit dem Praxisbeispiel zusammen und empfiehlt Coaches den Erwerb interkultureller Kompetenz für eine störungsfreiere Beratungsarbeit.
Schlüsselwörter
Systemisches Coaching, Interkulturelle Kompetenz, Migration, Beratungsprozess, Migrationshintergrund, Machtasymmetrie, Kultursensible Beratung, GROW Modell, SMART Modell, Kommunikation, Identitätsfindung, Belastungsfaktoren, Coaching-Haltung, Kulturelle Empathie, Prozessberatung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Anwendung des systemischen Coachings in einem interkulturellen Kontext, insbesondere bei der Beratung von Menschen mit Migrationshintergrund.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den zentralen Themen gehören die Grundlagen des systemischen Coachings, die spezifischen Lebensumstände und Belastungsfaktoren von Migrant*innen sowie die Anforderungen an interkulturell kompetente Beratung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Die Forschungsfrage untersucht, inwieweit kulturelle Unterschiede zwischen dem Coach und dem Coachee Auswirkungen auf den Coachingprozess haben und wie der Coach damit professionell umgehen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert primär auf einer Literaturanalyse systemischer Ansätze und Coaching-Methoden sowie einer theoretischen Reflexion, ergänzt durch ein Praxisbeispiel aus dem Beratungsalltag des Autors.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen des Coachings, eine Analyse der Belastungsfaktoren von Migrant*innen, die Darstellung interkultureller Beratungsaspekte und die konkrete Anwendung der Methoden in der Praxis.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind systemisches Coaching, interkulturelle Kompetenz, Migration, Kultursensibilität, Machtasymmetrie und Kommunikationsmuster.
Inwiefern beeinflussen Behörden und Institutionen den Coachingprozess?
Der Autor führt aus, dass Institutionen für viele Klienten mit Migrationshintergrund aufgrund von Unsicherheit oder Angst (z.B. Aufenthaltsstatus, Machtgefälle) als zusätzliche Belastungsfaktoren wahrgenommen werden können, was die Kommunikation und das Vertrauensverhältnis im Coaching beeinflussen kann.
Warum ist das "Nicht-Wissen" für den systemischen Coach so wichtig?
Die "Nicht-Wissen"-Haltung ermöglicht es dem Coach, eigene Vorannahmen und Stereotype zurückzustellen und sich stattdessen offen auf die individuelle Wirklichkeitskonstruktion des Coachees einzulassen, um so echte Selbstverantwortung zu fördern.
- Citar trabajo
- Ömer Pestil (Autor), 2021, Interkulturelle Kompetenzen im systemischen Coaching mit Migrant*innen. Relevanz und Herausforderungen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1032754