Die vorliegende Arbeit geht am Beispiel des Pflegekonzeptes "Buurtzorg" der Frage nach, welche Motive die Mitarbeiter in Deutschland zu einem Wechsel in das selbstorganisierte Buurtzorg-Konzept bewegen, wie sich der Pflegealltag in selbstorganisierten Teams aus ihrer Sicht darstellt und inwiefern die Klienten vom Buurtzorg-Konzept profitieren.
Dazu wurden zunächst die einzelnen Komponenten des Buurtzorg-Konzeptes, sowie Unterschiede zum bestehenden, hierarchischen Modell herausgearbeitet. Im weiteren Verlauf wurde mit einigen Pflegefachkräften aus den Buurtzorg-Teams in Deutschland, anhand eines selbst konzipierten Leitfadens, ein halbstrukturiertes Interview geführt. Im Auswertungsprozess erfolgte eine Kategorisierung der Aussagen der Interviewteilnehmer in Ober- und Unterkategorien, aus deren Zuordnung sich Antworten zu den Forschungsfragen anschlossen.
Zeit zu Denken – Um-zu-denken. Die Existenz von hierarchisch strukturierten Organisationen gerät vor dem Hintergrund von Globalisierung, Digitalisierung sowie dem demografischen Wandel immer mehr infrage. Aufgrund des medizinisch-technischen Fortschritts steigen die Lebensqualität und damit auch die Lebenserwartung, was nach mehr Personal verlangt. Dies kann auch auf die allgemein sinkende Geburtenrate zurückgeführt werden. Die durch den demografischen Wandel entstehende Problematik betrifft demnach nicht nur die Klienten-, sondern auch die Beschäftigtenseite. Speziell der Pflegesektor ist von einem wachsenden Fachkräftemangel betroffen. Trotz seines besonders großen Aufschwungs in den letzten zwei Jahrzehnten stand der ambulante Pflegesektor bisher weniger im Fokus von Politik und Wissenschaft. Die Unternehmen sind dazu angehalten, auf die Wünsche, Ansprüche und (Wert-)Vorstellungen der nachrückenden Generationen zu reagieren. Um unter diesen Marktbedingungen zu bestehen und attraktiv für potenzielle Arbeitnehmer zu bleiben, ist es notwendig, Organisationskonzepte zu überdenken und Hierarchien zu transformieren. Insbesondere die Neugestaltung der Kommunikation an zahlreichen Schnittstellen der Arbeit birgt das Potenzial, den Informationsfluss zu sichern, Unsicherheiten und Stress zu verringern und die Arbeitszufriedenheit der Mitarbeiter zu steigern.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Ausgangslage und Relevanz der Arbeit
1.2 Zielsetzung der Arbeit
1.3 Struktur und Aufbau der Arbeit
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Definition von Agilität
2.2 Auslöser der Agilität
2.2.1 Globalisierung
2.2.2 Digitalisierung
2.2.3 Demographie und Wertewandel
2.3 Vergleich Hierarchie und Selbstorganisation
2.3.1 Hierarchische Organisation
2.3.2 Selbstorganisation
2.4 Selbstorganisation am Beispiel von Buurtzorg
2.4.1 Heutiger Paradigmenwechsel
2.4.2 Motivation und Grundzüge der Organisation
2.4.3 Autonomie und Kompetenz als Leitprinzipien
2.4.4 Kommunikation und Entscheidungsfindung
3 Forschungsstand und Forschungsfragen
4 Methode
4.1 Auswahl der Datenerhebungsmethode
4.2 Aufbau und Durchführung der Interviews
4.3 Interviewaufbereitung und Interviewauswertung
5 Darstellung der Ergebnisse I
5.1 Berufskarriere
5.2 Intrapersonelle Ressourcen
5.3 Wahrnehmung der Arbeit
5.4 Teamorganisation
5.5 Arbeitsstruktur
5.6 Kommunikations- und Konfliktmanagement
5.7 Work-Life-Balance
5.8 Prinzipielle Unternehmenskultur
5.9 Entwicklung von Buurtzorg
5.10 Inhalte Pflegestudium
6 Diskussion
6.1 Beantwortung der Forschungsfragen
6.2 Limitationen
7 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Arbeits- und Funktionsweise der selbstorganisierten Organisation am Beispiel von Buurtzorg Deutschland, um zu ergründen, welche Motive zu einem beruflichen Wechsel in dieses Modell führen, wie der Pflegealltag in solchen Teams gestaltet ist und welche Potenziale sich daraus für den deutschen ambulanten Pflegesektor ergeben.
- Analyse der Beweggründe für einen Wechsel in selbstorganisierte Pflegemodelle
- Untersuchung der Arbeitsstruktur und Teambesprechungen in hierarchielosen Organisationen
- Evaluation der Auswirkungen auf die Patientenautonomie und Pflegequalität
- Identifikation von Entwicklungsperspektiven für das Gesundheitswesen in Deutschland
Auszug aus dem Buch
2.4.2 Motivation und Grundzüge der Organisation
Jos de Blok ist der Begründer der gemeinnützigen Organisation `Buurtzorg`. Er war selbst über Jahre als Pflegefachkraft im konventionellen Bereich tätig und fiel in dieser Zeit in drei Depressionen (vgl. Buhl, 2017). Für ihn gab es den Moment, in dem er sich ein Weiterarbeiten in Pflege mit den gegebenen hierarchischen, konventionellen Strukturen nicht mehr vorstellen konnte. Eine Struktur, in der die Kompetenzen der Pflegekräfte und die reale Organisation von Pflegedienstleistungen nicht aufeinander abgestimmt sind, es an Kommunikation und Zusammenarbeit fehlt und die individuelle Bedarfslage eines Klienten keine Berücksichtigung findet (vgl. Leichsenring, 2015, S.22). Es geht vielmehr um Leistung und Effizienz, um das Einsparen von Kosten und darum, deutlich mehr Menschen versorgen zu können. Aus diesem Paradigma stieg de Blok aus und gründete im Jahr 2006 die gemeinnützige Organisation `Buurtzorg`, was mit Nachbarschaftshilfe übersetzt werden kann (vgl. Bartonitz, 2018, S.237). Buurtzorg ist demnach darauf ausgerichtet, alte und multimorbide Menschen zu versorgen. Dahinter steckt die Grundidee, den Menschen möglichst schnell zu einem autonomen Leben zu verhelfen. Dafür wird sich Zeit genommen, neben einer Tasse Kaffee, die Anamnese durchzuführen und zu besprechen, mit welchen Behandlungsmethoden, die Fähigkeiten des Klienten reaktiviert werden können.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Beschreibt die Ausgangslage des Pflegesektors, die Relevanz der Arbeit sowie die Zielsetzung der empirischen Untersuchung.
2 Theoretische Grundlagen: Erläutert die theoretischen Konzepte von Agilität und Selbstorganisation im Vergleich zu traditionellen, hierarchischen Pflegestrukturen.
3 Forschungsstand und Forschungsfragen: Gibt einen Überblick über bisherige Studien zum Buurtzorg-Konzept und leitet die zentralen Forschungsfragen der Arbeit ab.
4 Methode: Legt das Vorgehen der qualitativen Untersuchung dar, einschließlich der Durchführung und Auswertung leitfadengestützter Interviews.
5 Darstellung der Ergebnisse I: Präsentiert und analysiert die aus den Interviews gewonnenen Erkenntnisse zu Berufskarriere, Teamorganisation und Arbeitsabläufen.
6 Diskussion: Reflektiert die Ergebnisse im Kontext der Forschungsfragen und beleuchtet die Limitationen der Studie.
7 Fazit und Ausblick: Fasst die Kernergebnisse zusammen und gibt Empfehlungen für die zukünftige Entwicklung des ambulanten Pflegesektors.
Schlüsselwörter
Buurtzorg, Selbstorganisation, ambulante Pflege, Hierarchiekonflikt, Arbeitszufriedenheit, Teamarbeit, Pflegemanagement, Patientenunabhängigkeit, Agilität, Personalentwicklung, Pflegefachkräftemangel, Unternehmenskultur, Case-Management, Teambesprechung, Arbeitsstruktur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit im Kern?
Die Arbeit analysiert die Arbeitsweise und Auswirkungen des selbstorganisierten Pflegekonzepts Buurtzorg in Deutschland.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum?
Zentrale Themen sind die Motive für einen Stellenwechsel, die Gestaltung von selbstorganisierten Teams und die daraus resultierenden Chancen für Mitarbeiter und Klienten.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Das Ziel ist es, zu verstehen, wie das Modell Buurtzorg Pflegekräfte motiviert, wie der Arbeitsalltag dort aussieht und welche Lehren für den deutschen Pflegemarkt gezogen werden können.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wurde eine qualitative empirische Untersuchung mittels halbstrukturierter, leitfadengestützter Interviews mit Pflegefachkräften durchgeführt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung, die methodische Vorgehensweise und die detaillierte Darstellung sowie Interpretation der Interviewergebnisse.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Selbstorganisation, Agilität, Pflegealltag, Teamautonomie und Arbeitsmotivation beschreiben.
Welche Rolle spielt die Teambesprechung bei Buurtzorg?
Die Teambesprechung ist das zentrale organisatorische Element, um Entscheidungen konsensbasiert zu treffen und die Kommunikation im hierarchielosen Team zu sichern.
Was ist das zentrale Ergebnis bezüglich der Mitarbeiterzufriedenheit?
Die Befragten identifizieren sich stark mit der neuen Arbeitsweise und empfinden die größere Entscheidungsfreiheit als Wertschätzung, was die Motivation deutlich steigert.
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- Nadin Schneider (Author), 2020, "Kaffee trinken gehört bei uns zum Tagesgeschäft". Wie die Förderung von Patientenunabhängigkeit die ambulante Pflege und ihre Arbeitsbedingungen verändert, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1008167