In dieser Arbeit sollen ausführliche theoretische Überlegungen angestellt werden, welchen Einfluss ethnische Konzepte auf die Arbeit eines Sozialarbeiters haben. Diese werden dann mit konkreten Beispielen aus dem Alltag eines Schulsozialarbeiters belegt. Vor den Beispielen wird kurz auf die konkrete Arbeitssituation des Schulsozialarbeiters eingegangen werden – also auf dessen Träger, die Schule, an der er tätig war, mitsamt deren sozialem Umfeld im Wohngebiet.
Wie ein Ethnologe fremde Kulturen erforscht, muss ein Schulsozialarbeiter Jugendkulturen und die Lebenswelt seiner Schüler erforschen. Was eignet sich also besser, um Handlungsweisen für den Alltag des Schulsozialarbeiters abzuleiten, als in der Ethnologie entwickelte Konzepte? Sein professionelles Ich, seine Rolle und sein Verhältnis zu Schülern und Lehrern kann der Schulsozialarbeiter mit Hilfe ethnologischer Theorien besser verstehen und dadurch auch besser im Alltagsgeschäft bestehen.
Natürlich ist der Schulsozialarbeiter in seiner Funktion darauf ausgelegt, Einfluss zu nehmen. Er soll die Lebenswelt in der Schule nicht nur beobachten, er soll sie beeinflussen. In dem er Schüler und Lehrkräfte bei Problemen berät, die über das schulisch-fachliche hinaus gehen. Indem er Ansprechpartner ist, wenn jemand nicht weiterkommt. In dem er Mediator bei Konflikten ist.
Aber Basis für all das ist die Kenntnis der Lebenswelt von Schülern und Lehrern, des Schulalltags und der unterschiedlichen Jugendkulturen. Und genau das Erlangen dieser Kenntnis macht ihn auch zum Ethnologen. Wenn er die fremde "Kultur" nicht erforschen kann, kann er auch keinen Einfluss nehmen.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Theoretische Überlegungen
- Der Fremde
- Michel de Montaigne
- Georg Simmel
- Alfred Schütz
- Die dichte Beschreibung und die künstliche Dummheit
- Clifford Geertz
- Ronald Hitzler
- Theoretisches Handwerkszeug
- Die Situation des Schulsozialarbeiters
- Der Träger
- Die Schule und das Wohngebiet
- Der Fremde an der Schule
- Der neue Lehrer und der Fremde
- Das kleine Mädchen und der Fremde
- Die lauten Jungs und der Fremde
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit zielt darauf ab, die ethnologischen Theorien als Handlungsrahmen für den Alltag des Schulsozialarbeiters zu erforschen. Die zentrale Fragestellung ist, wie diese Theorien helfen können, das Verhältnis des Schulsozialarbeiters zu Schülern, Lehrern und der Schulgemeinschaft zu verstehen und effektiv zu gestalten.
- Das Konzept des Fremden in der Ethnologie und seine Relevanz für die Arbeit des Schulsozialarbeiters
- Die Anwendung von ethnographischen Methoden zur Analyse von Jugendkulturen und dem Schulalltag
- Der Einfluss von ethnologischen Theorien auf die Rolle des Schulsozialarbeiters als Vermittler und Berater
- Die Herausforderungen und Chancen, die sich aus der Position des Schulsozialarbeiters als „Fremder“ in der Schulgemeinschaft ergeben
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung stellt die zentrale These der Arbeit vor: Ethnologische Theorien bieten dem Schulsozialarbeiter wertvolle Handlungsleitfäden für seinen Alltag. Anschließend wird im zweiten Kapitel eine Auswahl von Konzepten aus der Ethnologie vorgestellt, die sich mit der Situation des Fremden auseinandersetzen, darunter die Werke von Michel de Montaigne, Georg Simmel und Alfred Schütz. Des Weiteren werden Clifford Geertz' Dichte Beschreibung und Ronald Hitzlers Künstliche Dummheit als Handlungskonzepte für die Soziale Arbeit beleuchtet.
Kapitel drei beschäftigt sich mit der konkreten Arbeitssituation des Schulsozialarbeiters. Hier wird näher auf den Träger, die Schule und das soziale Umfeld im Wohngebiet eingegangen. Kapitel vier präsentiert verschiedene Fallbeispiele aus dem Alltag des Schulsozialarbeiters, welche die zuvor erörterten Theorien verdeutlichen.
Schlüsselwörter
Schulsozialarbeit, Ethnologie, Fremdheit, Jugendkulturen, Handlungsleitfaden, Dichte Beschreibung, Künstliche Dummheit, Lebenswelt, Schule, Soziales Umfeld, Fallbeispiele.
Häufig gestellte Fragen
Was hat Ethnologie mit Schulsozialarbeit zu tun?
Schulsozialarbeiter müssen, ähnlich wie Ethnologen, fremde „Kulturen“ wie Jugendkulturen oder die Lebenswelt von Schülern erforschen, um ihre Handlungsweisen besser zu verstehen.
Wer sind die wichtigsten Theoretiker in dieser Arbeit?
Die Arbeit nutzt Konzepte von Michel de Montaigne, Georg Simmel und Alfred Schütz zum Thema „Der Fremde“ sowie Clifford Geertz (Dichte Beschreibung).
Was bedeutet „Dichte Beschreibung“ in der Sozialarbeit?
Es bedeutet, soziale Situationen nicht nur oberflächlich zu beobachten, sondern ihre tieferen Bedeutungen und Symbole im Kontext der jeweiligen Lebenswelt zu interpretieren.
Was ist das Konzept der „künstlichen Dummheit“?
Nach Ronald Hitzler bedeutet es, dass der Sozialarbeiter so tut, als wüsste er nichts über die Situation, um unvoreingenommen Fragen zu stellen und die Sichtweisen der Beteiligten wirklich zu erfassen.
Warum wird der Schulsozialarbeiter als „Fremder“ bezeichnet?
Da er weder Lehrer noch Schüler ist, nimmt er eine Außenposition ein, die ihm eine objektivere Sichtweise und eine Rolle als Mediator ermöglicht.
Wie hilft ethnologisches Wissen im Berufsalltag?
Es dient als Handwerkszeug, um Konflikte (z. B. mit „lauten Jungs“ oder neuen Lehrern) zu analysieren und professionelle Distanz sowie Empathie zu wahren.
- Quote paper
- Kersten Kottnik (Author), 2019, Ethnologische Theorien im Alltag des Schulsozialarbeiters. Der Fremde in der Schule, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/992323