In dieser Arbeit wird anhand des Dramas Reigen von Arthur Schnitzler verschiedene Weiblichkeitsbilder der Epoche analysiert. Die Untersuchung zu Schnitzlers Werk beschäftigt sich besonders mit der Frage, welche Weiblichkeitskonstruktionen zur Zeit der Wiener Moderne vorherrschend waren und wie diese durch die Frauenfiguren im Drama Reigen dargestellt sind.
Um einen ersten Überblick in das Thema Weiblichkeit und Geschlechtsidentitäten zu erlangen, wird im ersten Kapitel dieser Arbeit die Theorie der Gender Studies in ihren Ansätzen erläutert. Die Theorie der Performativität nach Judith Butler wird hierbei in den Fokus gesetzt, da diese Grundlage der vorliegenden Arbeit sein wird. Laut Butler konstruiert sich Identität durch performative Sprachhandlungen, welche bestimmten Diskursen unterliegen. Dieses Verständnis lässt sich auf dramatische Texte übertragen, da die Figuren demzufolge ihr Geschlecht durch sprachliche Äußerungen konstruieren, welche durch Diskurse bestimmt werden. Dieser theoretische Ausgangspunkt eröffnet die Möglichkeit, die Weiblichkeitskonstruktionen im Drama Reigen zu analysieren, da die Frauenfiguren durch ihre männlichen Partner konstruiert werden.
Besonders die Zeit der Wiener Moderne stellt einen Höhepunkt des Themas Geschlecht dar. Zurückzuführen ist dies auf die gesellschaftlichen und kulturellen Veränderungen dieser Zeit, welche besonders die bestehenden Geschlechterrollen in Frage stellen. Die sogenannte Frauenfrage löst den Diskurs über das Geschlecht aus, welche neben der Beteiligung der Frauen am gesellschaftlichen Leben, auch deren Sexualisierung thematisiert. "Das Wesen der Frau" als zentrales Thema der Epoche bewirkt neben den anthropologischen Frauenentwürfen, auch literarische Frauenbilder, welche ebenso auf der weiblichen Sexualität aufbauen. Im Drama Reigen wird dem Thema der Sexualität demzufolge eine zentrale Rolle eingeräumt.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Literaturtheorie der Gender Studies
- Theoretischer Forschungsüberblick
- Zeithistorischer Hintergrund
- Fin de Siècle
- Frauenbilder im 19. Jahrhundert
- Femme fatale
- Femme enfant
- Weiblichkeitskonstruktionen im Drama Reigen
- Die Dirne
- Die junge Frau
- Das süße Mädel
- Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit analysiert die Konstruktion von Weiblichkeit in Arthur Schnitzlers Drama "Reigen" im Kontext der Wiener Moderne. Die Hauptaufgabe ist es, verschiedene Weiblichkeitsbilder der Epoche zu untersuchen und deren Darstellung in den Figuren des Dramas zu analysieren.
- Die Bedeutung der Performativität des Geschlechts nach Judith Butler
- Die Darstellung von Frauenbildern in der Wiener Moderne, insbesondere die Typen Femme fatale und Femme enfant
- Die Analyse von drei Frauenfiguren im Drama Reigen: die Dirne, die junge Frau und das süße Mädel
- Die Untersuchung der Zusammenhänge zwischen kulturellen Frauenkonzeptionen und den im Drama Reigen dargestellten Weiblichkeitskonstruktionen
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung stellt das Thema der Arbeit vor und erläutert die Relevanz der Untersuchung von Weiblichkeitskonstruktionen in Schnitzlers Drama "Reigen".
Das erste Kapitel beschäftigt sich mit der Theorie der Gender Studies, insbesondere der Performativität des Geschlechts nach Judith Butler. Butler argumentiert, dass Geschlecht kein biologisches Merkmal ist, sondern durch Sprache und Handeln konstruiert wird.
Das zweite Kapitel behandelt den historischen Kontext der Wiener Moderne, auch bekannt als Fin de Siècle, und untersucht die Darstellung von Frauen in dieser Zeit. Hier werden die Frauentypen Femme fatale und Femme enfant als wichtige Vorbilder für die Weiblichkeitskonstruktionen im Drama Reigen eingeführt.
Das dritte Kapitel analysiert drei Frauenfiguren im Drama "Reigen": die Dirne, die junge Frau und das süße Mädel. Die Analyse konzentriert sich auf die Art und Weise, wie diese Figuren die dominanten Weiblichkeitsbilder der Zeit verkörpern.
Schlüsselwörter
Die Arbeit beschäftigt sich mit den folgenden Schlüsselbegriffen: Wiener Moderne, Gender Studies, Judith Butler, Performativität, Weiblichkeitskonstruktionen, Frauenbilder, Femme fatale, Femme enfant, "Reigen", Arthur Schnitzler.
Häufig gestellte Fragen
Welche Frauenbilder prägten die Wiener Moderne?
Zentrale Typen waren die „Femme fatale“ (die verführerische, gefährliche Frau) und die „Femme enfant“ (die kindlich-unschuldige, aber dennoch erotisierte Frau).
Wie wird Weiblichkeit in Schnitzlers „Reigen“ konstruiert?
Weiblichkeit wird im Drama oft durch die Augen und Sprachhandlungen der männlichen Partner konstruiert, wobei die sexuelle Identität im Zentrum steht.
Was besagt Judith Butlers Theorie der Performativität?
Butler argumentiert, dass Geschlechtsidentität nicht biologisch gegeben ist, sondern durch wiederholte sprachliche und körperliche Handlungen erst erzeugt wird.
Wer ist das „süße Mädel“ in der Literatur Schnitzlers?
Das „süße Mädel“ ist ein Wiener Frauentypus der Jahrhundertwende: eine junge Frau aus der Vorstadt, die eine unkomplizierte, oft vorübergehende Affäre mit einem bürgerlichen Mann eingeht.
Warum war die „Frauenfrage“ um 1900 so zentral?
Gesellschaftliche Umbrüche stellten traditionelle Rollenbilder in Frage. Dies löste Diskurse über die Beteiligung von Frauen am öffentlichen Leben und deren sexuelle Selbstbestimmung aus.
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- Leonie Schulte (Autor), 2019, Die Konstruktionen von Weiblichkeit zur Zeit der Wiener Moderne am Beispiel des Dramas "Reigen" von Arthur Schnitzler, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/988284