In diesem Beitrag wird das Phänomen der Antideutschen im Zusammenhang mit der deutschen Wiedervereinigung behandelt. Insbesondere die Entstehungszeit der Protestbewegung und die ideologischen Grundlagen, sowie Grundthesen und Forderungen der Antideutschen werden näher beleuchtet. Dafür werden diverse Schriftquellen antideutscher Autoren analysiert und in ihren historischen Kontext gesetzt.
“Nie wieder Deutschland!” Unter diesem Aufruf versammelten sich im Mai 1990 angeblich rund 20.000 Menschen in Frankfurt am Main, um gegen die deutsche Wiedervereinigung zu protestieren. Ins Leben gerufen wurde die Demonstration von einer kleinen Splittergruppe des linksradikalen Spektrums, die sich im Jahr 1989 aus verschiedenen ehemaligen Mitgliedern anderer linker Gruppierungen zusammenschloss: die Antideutschen. Ihre Ideologie: ein wiedervereintes Großdeutschland führe zwangsläufig zum Wiedererstarken nationalistischer, nazistischer und antisemitischer Gedanken. Eine Wiedervereinigung Deutschlands sei gleichbedeutend mit der Gründung eines „Vierten Reiches“2 und daher unbedingt zu verhindern.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Zeiten des Umbruchs
- Gründung der Radikalen Linken
- Kernaspekte der antideutschen Ideologie
- Zum „antideutschen“ Begriff
- Bedeutung des Nationalsozialismus
- Linker Antisemitismus und die Bedeutung Auschwitz
- Wie ging es weiter?
- Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit befasst sich mit der antideutschen Bewegung in ihrer Gründungszeit um die Zeit der deutschen Wiedervereinigung. Ziel ist es, die Entstehung der Bewegung, ihre ideologischen Grundsätze sowie die Bedeutung des Nationalsozialismus und die antideutsche Interpretation von Auschwitz im Kontext des Holocausts zu beleuchten.
- Entstehung der Antideutschen Bewegung
- Ideologische Grundlagen der Antideutschen Bewegung
- Der Nationalsozialismus als zentrales Element der antideutschen Ideologie
- Die antideutsche Interpretation von Auschwitz und dem Holocaust
- Der Kontext der deutschen Wiedervereinigung
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung stellt die antideutsche Bewegung im Kontext der deutschen Wiedervereinigung vor und beleuchtet ihre Kritik an der Wiedervereinigung. Kapitel 2 analysiert die Zeit des Umbruchs, aus der die Bewegung entstand, und zeigt die Herausforderungen und die Orientierungskrise der radikalen Linken in Folge des Mauerfalls.
Schlüsselwörter
Antideutsche Bewegung, deutsche Wiedervereinigung, radikale Linke, Nationalsozialismus, Auschwitz, Holocaust, linker Antisemitismus, Orientierungskrise.
Häufig gestellte Fragen
Wer sind die „Antideutschen“?
Die Antideutschen sind eine linksradikale Strömung, die Ende der 1980er Jahre entstand und sich durch eine fundamentale Ablehnung des deutschen Nationalstaats und eine starke Solidarität mit Israel auszeichnet.
Warum lehnten die Antideutschen die Wiedervereinigung ab?
Sie befürchteten, dass ein wiedervereintes „Großdeutschland“ zwangsläufig zu einem Wiedererstarken von Nationalismus, Antisemitismus und nazistischem Gedankengut (einem „Vierten Reich“) führen würde.
Was bedeutet der Slogan „Nie wieder Deutschland“?
Dieser Slogan war der zentrale Aufruf einer Demonstration im Mai 1990 in Frankfurt am Main, mit der gegen die drohende Wiedervereinigung und die deutsche Nationalidentität protestiert wurde.
Welche Rolle spielt Auschwitz in der antideutschen Ideologie?
Auschwitz wird als Zivilisationsbruch betrachtet, der die Grundlage für eine radikale Kritik an Deutschland bildet. Die Bewegung sieht in der deutschen Nationalstaatsidee eine immanente Gefahr für eine Wiederholung der Geschichte.
Was versteht man unter „linkem Antisemitismus“ im Kontext dieser Bewegung?
Die Antideutschen kritisierten Teile der traditionellen Linken dafür, dass diese unter dem Deckmantel der Antikapitalismus- oder Antiimperialismus-Kritik antisemitische Ressentiments bedienten.
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- Daniel Muchaier (Author), 2020, Die Antideutschen und die Wiedervereinigung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/951213