"Populist movements are widely regarded, especially in Europe and Latin America, as threats to democracy. Yet New Populists explicitly claim to be true democrats, setting out to reclaim power for the people" (Canovan 2004: 244).
Mit diesen Worten beschrieb die Politikwissenschaftlerin Margaret Canovan bereits 2004 das Phänomen des Populismus. Sie geht dabei auf die scheinbar besondere Stellung populistischer Strömungen in Europa und Lateinamerika ein und gibt die Meinung der Populisten wieder, dass sie davon ausgehen, die wahren Demokraten zu sein, da sie dem Volk seine Macht zurückgeben würden. Diese Aspekte werden auch in der vorliegenden Arbeit eine zentrale Rolle einnehmen. So wird der Autor in der Fallanalyse mit Mexiko und Ungarn auf zwei Fälle in Lateinamerika und Europa eingehen und auch auf das Verständnis der Populisten, Fürsprecher für das Volk zu sein, wird Bezug genommen.
Vor dem Hintergrund zunehmender Stärke und Machtgewinne solcher Bewegungen, Parteien und Machthaber, stellt dieses Phänomen im Allgemeinen ein relevantes Forschungsfeld der Politikwissenschaft dar. In vielen Staaten der Welt scheinen Populisten auf dem Vormarsch zu sein und der Demokratie konträr entgegenzustehen. Donald Trump als Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika oder Victor Orban in Ungarn sind nur zwei Beispiele, die diese negativen Auswirkungen verdeutlichen. Die Befassung mit diesem Phänomen scheint also aus demokratietheoretischer Sicht unumgänglich zu sein und nimmt aktuell einen hohen Stellenwert ein.
Cas Mudde und Cristobal Kaltwasser gehen in ihrem 2017 erschienenen Werk: "Populism: A very short Introduction" nicht von einem per se schlechten Einfluss des Populismus auf Demokratie und Demokratisierung aus. Sie beschreiben eher eine ausgewogene Beeinflussung der Demokratie durch populistische Kräfte. So wird postuliert, dass Populismus durchaus förderlich für die Entwicklung einer Demokratie sein kann. Dies scheint laut Mudde und Kaltwasser besonders dann der Fall zu sein, wenn Staaten noch im autokratischen Spektrum zu verorten sind. In diesen Fällen können solche Strömungen einen positiven Schub in Richtung Demokratisierung liefern und die Etablierung der Demokratie fördern. Auf die diesbezüglichen Gedanken beider Autoren wird sich die Arbeit fokussieren und sie fallbezogen (Ungarn und Mexiko) überprüfen.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Theoretische Grundlagen
- Was ist Populismus - Begriffserklärung und Überblick
- Populismus und seine Auswirkungen auf die Demokratie - Zusammenhang und Forschungsstand nach Cas Mudde und Cristobal Kaltwasser
- Varieties of Democracy – Ein Überblick über eine neue Demokratiemessung
- Auswirkungen von Populismus auf politische Systeme
- Fallauswahl, Untersuchungszeitraum und Verortung der politischen Systeme mit Hilfe von V-Dem
- Das politische System Ungarns zwischen 2010 und 2019, seine populistischen Herausforderungen und die Folgen für die Demokratie
- Das politische System Ungarns - Ein Überblick
- Die FIDESZ-Partei, andere populistische Gruppen und politische Entwicklungen in Ungarn
- Auswirkungen des Populismus für die ungarische Demokratie
- Das politische System Mexikos zwischen 1988 und 2000, seine populistischen Herausforderungen und die Folgen für die Demokratie
- Das politische System Mexikos - Allgemeiner Überblick
- Populistische Parteien und soziale Gruppen in Mexiko
- Auswirkungen des Populismus für die mexikanische Demokratie
- Diskussion und Ausblick
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem Phänomen des Populismus und seinen Auswirkungen auf die (De-)Demokratisierung. Ziel ist es, anhand von zwei Fallbeispielen - Ungarn und Mexiko - die Auswirkungen des Populismus auf politische Systeme zu analysieren. Der Fokus liegt dabei auf der Untersuchung der positiven und negativen Aspekte des Populismus im Kontext der Demokratisierungsprozesse.
- Begriffserklärung und Abgrenzung des Populismus
- Analyse des Zusammenhangs zwischen Populismus und Demokratie
- Untersuchung der Auswirkungen von Populismus auf die Demokratie anhand der Fallbeispiele Ungarn und Mexiko
- Überprüfung der Hypothesen von Cas Mudde und Cristobal Kaltwasser zum Einfluss des Populismus auf Demokratisierungsprozesse
- Diskussion der Ergebnisse und Schlussfolgerungen
Zusammenfassung der Kapitel
Die Arbeit beginnt mit einer Einleitung, die den Forschungsstand zum Populismus beleuchtet und die zentrale Fragestellung der Arbeit einführt. Im zweiten Kapitel werden die theoretischen Grundlagen des Populismus erläutert. Hierbei wird der Begriff des Populismus definiert, verschiedene Forschungsansätze zum Thema vorgestellt und der Zusammenhang zwischen Populismus und Demokratie beleuchtet. Im Anschluss wird die neue Messmethode „Varieties of Democracy“ (V-Dem) vorgestellt, die als Grundlage für die empirische Analyse der Fallbeispiele dient.
Im vierten Kapitel erfolgt die Fallauswahl und -beschreibung. Die Arbeit analysiert die politischen Systeme Ungarns und Mexikos in den Jahren 2010-2019 bzw. 1988-2000 und untersucht die Einflüsse von Populismus auf die Demokratie und Demokratisierung dieser Staaten. Dabei wird besonderes Augenmerk auf die Rolle von populistischen Gruppen und Parteien gelegt und die Auswirkungen ihres Auftretens auf die politische Landschaft beleuchtet.
Das fünfte Kapitel soll die Ergebnisse der Fallanalysen diskutieren und vergleichend analysieren. Im Vordergrund stehen die Auswirkungen des Populismus auf die Demokratie in Ungarn und Mexiko sowie eine allgemeine Bewertung des Einflusses von Populismus auf demokratische Entwicklungen.
Schlüsselwörter
Populismus, Demokratie, Demokratisierung, De-Demokratisierung, V-Dem, Ungarn, Mexiko, Fallstudie, Cas Mudde, Cristobal Kaltwasser, politische Systeme, populistische Parteien, soziale Gruppen
- Arbeit zitieren
- Benjamin Leonhardt (Autor:in), 2020, Populismus. Bedrohung oder Korrektiv für die Demokratie?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/948525