Diese Arbeit beschäftigt sich mit den Grundlagen der klinischen Psychologie. Zunächst wird unter Bezugnahme von empirischen Ergebnissen die Bedeutung von Risiko- und Schutzfaktoren für die Entstehung von psychischen Störungen erläutert. Anschließend wird anhand theoretischer Modelle und empirischer Ergebnisse der Einfluss sozialer Unterstützung und dysfunktionaler Kognition auf die Entstehung und Aufrechterhaltung psychischer Störungen behandelt. Anhand eines selbstgewählten Beispiels werden abschließend die einzelnen Schritte des diagnostischen Prozesses im Rahmen der psychotherapeutischen Intervention dargestellt.
Die Forschung rund um die klinische Psychologie konnte bis heute nicht eindeutig die Frage beantworten, warum manche Personen an einer psychischen Störung erkranken und andere mit gleichen Umständen nicht. Die Gründe hierfür sind vielfältig und liegen in den persönlichen Risiko- und Schutzfaktoren einer Person. Risikofaktoren werden aus den destabilisierenden Bestandteilen hervorgebracht und stabilisierende Umstände gestalten die Schutzfaktoren.
Die soziale Unterstützung ist eine besondere Form der Schutzfaktoren. Es gibt im Leben eines Menschen viele Stressoren, bei welchen eine Unterstützung von außen hilfreich sein kann. Der schlimmste Fall ist vermutlich der Tod eines Angehörigen. Es gibt jedoch auch andere belastende Situationen, die eine psychische Störung begünstigen können oder dazu führen, dass eine bestehende psychische Störung aufrechterhalten bleibt.
Inhaltsverzeichnis
1 Risiko- und Schutzfaktoren psychischer Störungen
1.1 Risikofaktoren für die Entstehung psychischer Störungen
1.2 Schutzfaktoren für die Entstehung psychischer Störungen
2 Soziale Unterstützung und dysfunktionale Kognitionen und deren Verbindung zu psychischen Störungen
2.1 Einfluss sozialer Unterstützung auf die Entstehung und Aufrechterhaltung psychischer Störungen
2.2 Einfluss dysfunktionaler Kognitionen auf die Entstehung und Aufrechterhaltung psychischer Störungen
3 Schritte des diagnostischen Prozesses im Rahmen einer psychotherapeutischen Intervention am Beispiel Substanzgebrauchsstörung
3.1 Fallbeispiel: alkoholbezogene Substanzgebrauchsstörung
3.2 Der diagnostische Prozess
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Ätiologie und Aufrechterhaltung psychischer Störungen unter besonderer Berücksichtigung von Risiko- und Schutzfaktoren sowie der Rolle sozialer Unterstützung und dysfunktionaler Kognitionen. Ziel ist es, diese theoretischen Konzepte anhand eines konkreten diagnostischen Prozesses bei einer Substanzgebrauchsstörung praktisch zu veranschaulichen und klinisch einzuordnen.
- Analyse von Risiko- und Schutzfaktoren bei der Entstehung psychischer Erkrankungen.
- Einfluss sozialer Unterstützung und dysfunktionaler Kognitionsmuster.
- Strukturierung des diagnostischen Prozesses in der klinischen Psychologie.
- Fallbasierte Anwendung diagnostischer Kriterien und Methoden.
Auszug aus dem Buch
3.2 Der diagnostische Prozess
Der diagnostische Prozess im Rahmen einer psychotherapeutischen Behandlung ist ein sehr komplexer Vorgang. Bevor auf diesen Prozess näher eingegangen wird, wird kurz erläutert, was der diagnostische Prozess überhaupt ist.
Der diagnostische Prozess ist in jeder Phase der psychotherapeutischen Behandlung von hoher Bedeutung (Lutz, 2018, S. 228). Laut Perrez (1985) dient die Diagnostik insgesamt fünf Teilbereichen (zitiert nach Reinecker-Hecht & Baumann, 2005, S. 128): (1) Beschreibung, (2) Klassifikation, (3) Erklärung, (4) Prognose und (5) Evaluation. Die einzelnen Punkte können, entsprechend nach Laireiter (2001) sowie Reinecker-Hecht und Baumann (2005), wie folgt beschrieben werden. Zu Beginn erfolgt eine Beschreibung der vorhandenen Symptome, die anschließend in eine Klassifikation eingeordnet werden. Klassifikation meint dabei, die Symptome in eine Kategorie und somit eine Diagnose im Rahmen der Internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD) in der 10. Revision (ICD-10) oder im Rahmen von Forschungszwecken in das Diagnostische und Statistische Manual Psychischer Störungen (DSM) einzuordnen. Dies dient der Vereinfachung in der Kommunikation zwischen dem Fachpersonal. Im Schritt Erklärung geht es darum, die Verhaltens- und Erlebensweise der Symptomatik zu verstehen. In diesem Schritt wird überprüft, ob die aufgestellten Hypothesen zu verschiedenen Erklärungsmodellen passen. Mit der Prognose möchte die behandelnde Person, einen möglichen Verlauf der Symptomatik mit Therapie und ohne Therapie aufzeigen. Dazu gehört ebenso, die Einschätzung, ob eine Therapierbarkeit und eine Erfolgsaussicht auf Heilung gegeben sind. Im Zuge der Evaluation wird der diagnostische Prozess überprüft. Dabei kann zum Beispiel festgestellt werden, dass eine aufgestellte Diagnose nochmals revidiert werden muss oder weitere Testungen notwendig sind (Laireiter, 2001, S. 90–91; Reinecker-Hecht & Baumann, 2005, S. 129).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Risiko- und Schutzfaktoren psychischer Störungen: Dieses Kapitel erläutert die verschiedenen personengebundenen und umweltbezogenen Faktoren, die zur Entstehung psychischer Erkrankungen beitragen oder präventiv wirken können.
2 Soziale Unterstützung und dysfunktionale Kognitionen und deren Verbindung zu psychischen Störungen: Das Kapitel beleuchtet, wie soziale Netzwerke und kognitive Verzerrungen die psychische Gesundheit maßgeblich beeinflussen und zur Aufrechterhaltung von Störungen beitragen.
3 Schritte des diagnostischen Prozesses im Rahmen einer psychotherapeutischen Intervention am Beispiel Substanzgebrauchsstörung: Hier wird der theoretische diagnostische Prozess anhand einer Fallstudie zur Alkoholabhängigkeit konkret angewandt und praxisnah demonstriert.
Schlüsselwörter
Psychische Störungen, Risikofaktoren, Schutzfaktoren, Soziale Unterstützung, Dysfunktionale Kognitionen, Diagnostik, Klassifikation, Substanzgebrauchsstörung, Alkoholabhängigkeit, Psychotherapie, Anamnese, Psychopathologie, Evaluation, Resilienz, Kognitive Verhaltenstherapie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Grundlagen der klinischen Psychologie, insbesondere mit der Entstehung von Störungen durch Risiko- und Schutzfaktoren sowie dem Einfluss von Kognitionen und sozialer Unterstützung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Resilienzforschung, die Wirkungsweise sozialer Unterstützung, die Bedeutung kognitiver Prozesse sowie die praktische Durchführung einer psychologischen Diagnostik.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, ein Verständnis für die komplexen Ursachen psychischer Störungen zu vermitteln und den standardisierten Ablauf diagnostischer Prozesse anhand eines Praxisbeispiels aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse aktueller psychologischer Fachpublikationen und klinischer Diagnosesysteme basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Analysen zu Risiko- und Schutzfaktoren, soziale Unterstützung und Kognitionen sowie einen praktischen Teil, der den diagnostischen Prozess bei einer Substanzgebrauchsstörung darstellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Psychopathologie, Substanzgebrauchsstörung, Diagnostik, Kognitive Verhaltenstherapie und Resilienz charakterisieren.
Warum wurde das Fallbeispiel „Paula S.“ gewählt?
Das Fallbeispiel dient dazu, die abstrakten diagnostischen Schritte (Beschreibung, Klassifikation, Erklärung, Prognose, Evaluation) an einer lebensnahen Situation transparent und nachvollziehbar zu illustrieren.
Wie unterscheiden sich Risiko- von Schutzfaktoren?
Risikofaktoren erhöhen die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten einer psychischen Störung, während Schutzfaktoren (protektive Faktoren) die Auswirkungen von Belastungen abmildern oder die psychische Widerstandsfähigkeit stärken.
Was bedeutet der Begriff „dysfunktionale Kognition“?
Dysfunktionale Kognitionen sind fehlerhafte oder unangemessene Gedankenmuster, die zu einer verzerrten Wahrnehmung der Realität führen und maßgeblich zur Entstehung oder Aufrechterhaltung psychischer Erkrankungen beitragen.
Welche Rolle spielt die Evaluation im diagnostischen Prozess?
Die Evaluation dient der kontinuierlichen Überprüfung, ob die gestellte Diagnose und die daraus abgeleiteten therapeutischen Maßnahmen weiterhin zutreffend sind oder angepasst werden müssen.
- Arbeit zitieren
- Madeleine Hartleff (Autor:in), 2020, Risiko- und Schutzfaktoren psychischer Störungen. Grundlagen der klinischen Psychologie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/947195