Die Arbeit widmet sich dem Roman „Anton Reiser“ von Karl Philipp Moritz. Für diese Untersuchung soll eine Lesart bemüht werden, die den Roman „Anton Reiser“ von Karl Philipp Moritz als sozialen in den Fokus nimmt, „als erzählende Prosa, der ein maßgeblicher Anteil proletarischer Elemente eigentümlich ist.“
Daher setzt diese Arbeit einen neomarxistisch-materialistischen Schwerpunkt, in der Hoffnung, mittels dieses Fokus und Vokabulars zu Einsichten darüber zu gelangen, welchem Verständnis zu Arbeit und Produktion das Moritz’sche Denken verpflichtet ist. Während das entschiedene Hauptinteresse dem Roman Anton Reiser gelten wird, werden vereinzelt Passagen aus theoretischen Schriften Moritz‘ herangezogen, speziell aus der Kleinen Kinderlogik und dem Salzmann Kommentar Über das menschliche Elend.
Karl Philipp Moritz‘ vierteiliges literarisches Kunstwerk „Anton Reiser“ ist seit seiner Veröffentlichung in den Jahren zwischen 1785 und 1790 auf unterschiedlichste Weise gattungstypologisch eingeordnet worden. Von Moritz selbst als psychologischer Roman präsentiert, hat ihn die Rezeption als eben jenen psychologischen, als Bildungsroman, als autobiographischen Roman, sozialen Roman, Roman der Desillusionsromantik und anders klassifiziert, sodass man geneigt ist, Elke Brüns zuzustimmen, wenn sie die „bis heute andauernde Gattungsdiskussion“ beschreibt und ernüchtert festhält, „möglicherweise entzieht sich Anton Reiser jeder gattungstheoretischen Definition“.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Sozialkritik im Denken des Spätaufklärers Moritz
- Zeitgeschichtliches
- Moritz als Kritiker des frühkapitalistischen Bürgertums
- Die Darstellung von Arbeit und Unterdrückung in Moritz Anton Reiser
- Unterdrückung im Elternhaus
- Hutmachlehre - Knechtschaft und Arbeitsteilung
- Fazit
- Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit untersucht den Roman "Anton Reiser" von Karl Philipp Moritz aus einer sozial- und kulturpsychologischen Perspektive. Sie analysiert die Darstellung von Arbeit, Unterdrückung und dem Scheitern des jungen Menschen bei der Berufswahl im Kontext der Spätaufklärung und des aufkommenden Frühkapitalismus.
- Die Kritik am frühkapitalistischen Bürgertum und dessen Folgen für den Einzelnen
- Die Darstellung von Arbeit und Unterdrückung im Elternhaus und in der Hutmachlehre
- Die Bedeutung von Arbeitsteilung und Konkurrenz für die Sozialisation des Protagonisten
- Die Rolle des Bildungsprozesses und der Desillusionierung in der Lebensgeschichte von Anton Reiser
- Die Ambivalenz von Moritz' Werk, das gleichermaßen als psychologischer, sozialer und Bildungsroman interpretiert werden kann
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung
Die Einleitung stellt die verschiedenen Gattungszuordnungen von "Anton Reiser" vor und erläutert die Schwierigkeiten, den Roman eindeutig zu kategorisieren. Sie zeigt, dass der Roman trotz seiner komplexen Struktur als "sozialer Roman" verstanden werden kann und sich mit den Themen der Spätaufklärung und des Frühkapitalismus auseinandersetzt.
2. Sozialkritik im Denken des Spätaufklärers Moritz
Dieses Kapitel untersucht die gesellschaftlichen Veränderungen der Spätaufklärung und beleuchtet die Kritik des frühkapitalistischen Bürgertums, die Moritz in seinen Schriften zum Ausdruck bringt. Es wird insbesondere auf Moritz' Kritik an der Arbeitsteilung eingegangen.
3. Die Darstellung von Arbeit und Unterdrückung in Moritz Anton Reiser
Das Hauptkapitel analysiert die Darstellung von Arbeit und Unterdrückung in "Anton Reiser". Es beleuchtet die Unterdrückung Antons durch seine Eltern und seine Erfahrungen in der Hutmachlehre. Dieser Abschnitt zeigt, wie die Arbeitsbedingungen und die soziale Ordnung der Zeit Antons Entwicklung prägen.
Schlüsselwörter
Schlüsselwörter, die im Text analysiert werden, sind: Spätaufklärung, Frühkapitalismus, Arbeitsteilung, Konkurrenz, Unterdrückung, Sozialisation, Bildungsroman, psychologischer Roman, sozialer Roman, Anton Reiser, Karl Philipp Moritz.
Häufig gestellte Fragen
Was macht „Anton Reiser“ zu einem sozialen Roman?
Der Roman thematisiert proletarische Elemente, die Unterdrückung durch soziale Strukturen und das Elend der unteren Schichten im Kontext des aufkommenden Frühkapitalismus.
Wie wird Arbeit in Moritz’ Roman dargestellt?
Arbeit wird oft als Knechtschaft und durch die zerstörerischen Folgen der Arbeitsteilung (z.B. in der Hutmachlehre) beschrieben, die den Einzelnen entfremdet und unterdrückt.
Welche Kritik übt Karl Philipp Moritz am Bürgertum?
Er kritisiert die materialistische Ausrichtung, den Konkurrenzkampf und die mangelnde Empathie einer Gesellschaft, die individuelle Entwicklung dem ökonomischen Nutzen unterordnet.
Warum scheitert Anton Reiser bei seiner Berufswahl?
Sein Scheitern resultiert aus einer Kombination von familiärer Unterdrückung, den harten Realitäten der Arbeitswelt und einer Bildung, die ihn für die praktischen Anforderungen entfremdet.
Ist der Roman autobiographisch geprägt?
Ja, Moritz verarbeitet in „Anton Reiser“ viele eigene Kindheits- und Jugenderfahrungen, was dem Werk seine psychologische Tiefe und soziale Authentizität verleiht.
- Arbeit zitieren
- Kevin Robert Müller (Autor:in), 2020, Des jungen Menschen Scheitern bei der Berufswahl. Arbeitsteilung, Konkurrenz und Unterdrückung im Roman „Anton Reiser“ von Karl Philipp Moritz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/947169